Dünner machen sie nicht, dafür aber vielleicht krank : Schlankheitsmittel aus dem Internet sind oft gefährlich, fand die Stiftung Warentest in einer Untersuchung von 16 Präparaten heraus. " 13 Schlankheitsmittel bergen eine hohe bis sehr hohe Gefahr für die Gesundheit ", heißt es in der von der Stiftung in Berlin herausgegebenen Zeitschrift " test " ( Ausgabe 4 / 2007 ). Herzrasen, erhöhter Blutdruck, Schlaflosigkeit, innere Unruhe oder gar Abhängigkeit seien einige der Nebenwirkungen.

Berlin ( rgm ). Mit Model-Maßen durchs Leben gehen ? Kein Problem, das richtige Schlankheitsmittel wird ‘ s schon richten : " Verlieren Sie so viel Gewicht, wie sie wollen ", und das " an den richtigen Stellen ". So tönt es aus dem Internet. Wer Begriffe wie " abnehmen " und " Diät " in die Suchmaschinen eingibt, landet ohne Umschweife auf Seiten, die Schlankmacher aller Art feilbieten. Kühl kalkulierend zielen viele Anbieter auf die empfindliche Seite derer, die erfolglos gegen ihre Pfunde kämpfen und darunter leiden. Der Schwarzmarkt im Internet boomt, jeder kann hier einfach bestellen.

Die Stiftung Warentest hat 16 Schlankheitsmittel verdeckt über das Internet bestellt. Die Analyse der klobigen Kapseln zeigte : Die Gesundheitsgefährdung der meisten von ihnen ist hoch bis sehr hoch. Denn in vielen Kapseln lauert ein unbekannter Cocktail, warnt die Zeitschrift test. Die oft verwendeten Substanzen wie Ephedrin und Sibutramin werden nicht korrekt angegeben und dazu mit weiteren Stoffen wie Koffein gemischt. Viele Mittel kommen außerdem ohne Verpackung und ohne Packungsbeilage beim Verbraucher an.

Vor allem Fatburner ( Fettverbrenner ) mit Ephedrin sind gefragt : Sie versprechen, das überschüssige Körperfett zum Schmelzen zu bringen und in Energie umzuwandeln. Ephedrin, das aus dem Ephedrakraut stammt, ist wegen seiner suchterregenden Eigenschaften und Nebenwirkungen in Deutschland verschreibungspfl ichtig. Wer zu Fatburnern greift, bekommt die beworbenen Energieschübe oft in Form von Schweißausbrüchen und Herzrasen zu spüren. Die Kapseln haben es in sich. Am höchsten dosiert war ThermoGenesis : In jeder Kapsel steckten etwa 20 Milligramm Ephedrin und 340 Milligramm Koffein. Dieser Cocktail verstärkt die Wirkung und kann zu Herzrhythmusstörungen führen.

Oft heimlich kommt der Appetitzügler Sibutramin zum Einsatz. Die Warentester fanden ihn vor allem in den Produkten aus dem LiDa-Shop, angegeben war er nicht. Er soll im Gehirn das Sättigungsgefühl erhöhen. In Darling Tian Ran Jian Fei und LiDa Dai Dai Hua Jiao Nang versteckten sich rund 20 Milligramm. Zum Vergleich : In Deutschland ist Sibutramin im Medikament Reductil auf 10 bis 15 Milligramm pro Kapsel beschränkt und muss ärztlich überwacht werden. Bereits eine geringe Dosis kann zu Herzrasen und erhöhtem Blutdruck führen.

Starke psychische Nebenwirkungen

Auch im Test : Das derzeit viel beworbene Hoodia-Pulver, das aus einer kaktusähnlichen Pflanze aus Südafrika stammt. Es konnte in den Original-Hoodia-Gordonii-Kapseln im Labor gar nicht nachgewiesen werden, sein Gesundheitsrisiko ist daher nicht abschätzbar.

Zum Vergleich wurde die seit Herbst 2006 in Deutschland zugelassene " Anti-Fett-Pille " Acomplia für stark Übergewichtige bewertet. Ihr Wirkstoff Rimonabant soll im Körper das Cannabinoid-System blockieren und so den Hunger hemmen. Bisherige Studien ergaben, dass 20 Milligramm Rimonabant pro Tag das Gewicht reduzieren können, bei vielen Probanden aber starke psychische Nebenwirkungen hervorrufen. Acomplia ist laut test nur mit Einschränkung zur Gewichtsabnahme geeignet.

Wie viele Menschen zu den harten Schlankheitsmitteln aus dem Internet greifen, ist nicht bekannt. In einer Online-Umfrage suchte die Stiftung Warentest Anfang des Jahres Nutzer und fragten sie nach ihren Erfahrungen. Von den 3000 Teilnehmern hatten 14 Prozent solche starken Kapseln wie im Test schon ausprobiert.