Loburg - Einen Fachvortrag über den aktuellen Forschungsstand zum Thema Bluthochdruck hielt am Mittwoch Prof. Dr. Klaus Hinrich Neumann im Johanniterhaus St. Laurentius in Loburg ( Jerichower Land ). Der Direktor der Klinik für Nephrologie an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg erläuterte neue Erkenntnisse zu Ursachen, Folgen und Behandlung des Bluthochdrucks.

In Deutschland leiden 16 Millionen Menschen an einer Form des Bluthochdrucks. " Aber nur vier Millionen lassen sich behandeln ", so der Experte. Fast ein Drittel der Betroffenen weiß nicht einmal von der Erkrankung. Ab einem Alter von 50 Jahren ist sogar jeder zweite Deutsche betroffen. " Deutschland hat in Europa die rote Laterne, was die Häufi gkeit von Bluthochdruckerkrankungen angeht ", beschrieb Prof. Neumann die Ist-Situation.

Von einer Erkrankung spricht der Mediziner bei einem durchschnittlichen Blutdruck von über 140 zu 90. Optimal ist der Wert bei 120 zu 80, normal bei 130 zu 85. Folgen einer konstanten Hypertonie sind Herzinfarkte, Schlaganfälle, Gefäß- und Organschäden.

Ursachen für die Hypertonie ist zumeist der Lebenswandel, medizinische Ursachen machen nur einen geringen Prozentsatz aus. " Internationale Studien haben gezeigt, dass der Bluthochdruck durch eine ungesunde Ernährung mit zuviel Salz und durch zu wenig Bewegung verursacht wird ", so Neumann. Als Beispiel brachte der Mediziner die Yanomamo-Indianer aus Südamerika an, die nahezu salzfrei kochen und leben. Bluthochdruck gibt es in diesem Stamm praktisch nicht.

Nicht nur zu salzige oder zu fette Ernährung ist eine Ursache für Bluthochdruck, auch mangelnde Bewegung und Stress verursachen Hypertonie. Rauchen erhöht den Blutdruck ebenso wie zu viel Alkoholgenuss. Kaum Sorgen brauchen sich dagegen Kaffeetrinker zu machen. Laut Nephrologe Neumann steigt der Blutdruck nach dem Konsum an, aber nicht im Mittel. Auch der Genuss von schwarzem Tee ist nicht für Bluthochdruck verantwortlich.

Die richtige Behandlung von Bluthochdruck ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Neben der Änderung des Lebenswandels helfen verschiedene Präparate bei der dauerhaften Senkung. Für Patienten unter 50 Jahren empfiehlt der Mediziner so genannte ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptorblocker. Für ältere Betroffene gibt es harntreibende Medikamente, so genannte Diuretika, und Kalziumantagonisten, die die Gefäßspannungen senken. Die Verwendung so genannter Betablocker ist zurückgegangen, da sie nach Ergebnissen neuer Studien Diabetes auslösen können.

Die Medikamente können einzeln oder in Kombinationen bei Therapien eingesetzt werden, so Prof. Neumann. Selbst kann jeder Patient sich aktiv bei der Therapie einbringen. Regelmäßige Bewegung, Stressvermeidung beziehungsweise -bewältigung, Zufuhr von Kalium, wenig Salz und tierisches Fett und viel Obst und Gemüse tragen zur Senkung von Bluthochdruck bei. Naschkatzen empfi ehlt der Mediziner dunkle Schokolade : " Der hohe Kakaoanteil weitet die Gefäße. "