Magdeburg - Ein oder zwei Babys pro 1000 Neugeborene kommen mit einer angeborenen Hörstörung auf die Welt. Das mangelnde Hörvermögen wird oftmals erst spät – etwa im zweiten bis dritten Lebensjahr – erkannt. Zumeist dann, wenn das Kind keine normale Sprachentwicklung aufweist. Ein Zeitpunkt, der viel zu spät ist für einen optimalen Therapiebeginn. Die Behandlung gestaltet sich dann sehr aufwendig und ist nicht immer von Erfolg gekrönt.

In Sachsen-Anhalt soll deshalb – wie in anderen Bundesländern bereits praktiziert – ein fl ächendeckendes Hörscreening bei Neugeborenen aufgebaut werden. Zwar bieten 27 von 30 Geburtskliniken in Sachsen-Anhalt auf freiwilliger Basis die se Vorsorgeuntersuchung für Neugeborene an. Ob die Kinder aber die notwendige Behandlung zur Wiederherstellung ihres Hörvermögens auch rechtzeitig erhalten, ist nicht bekannt.

Das Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt, eine vom Sozialministerium geförderte Einrichtung an der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, die im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung bei allen Neugeborenen in Geburtsdefekte erfasst, will jetzt seine Aufgaben erweitern. Die Einrichtung tritt bei auffälligen Hörscreeningbefunden in Kontakt mit den Eltern und informiert sie über die Wichtigkeit der Durchführung eines Hörtests.

" Optimal ist bei Vorliegen einer Hörstörung ein Behandlungsbeginn vor dem sechsten Lebensmonat, um Spätfolgen zu vermeiden ", erklärt die Leiterin, Dr. Simone Pötzsch. Das Fehlbildungsmonitoring erhält von den Geburtskliniken – das Einverständnis der Eltern vorausgesetzt – auffällige Untersuchungsergebnisse übermittelt. Die Eltern werden gebeten, ihr Kind recht bald einem Spezialisten für kindliche Hörstörungen vorzustellen, damit die Therapie noch im ersten halben Jahr beginnen kann.

Zurzeit arbeiten bereits fünf Krankenhäuser mit dem Fehlbildungsmonitoring zusammen. Ziel ist es, fl ächendeckend alle Neugeborenen in Sachsen-Anhalt einem Hörtest zu unterziehen und die Behandlungsabläufe zu erfassen. Auch die HNO-Ä rzte an den Unikliniken Halle und Magdeburg sowie die niedergelassenen HNOÄrzte beteiligen sich am Neugeborenenhörscreening.

Die Tests bei den Neugeborenen sind schmerzfrei und ohne Nebenwirkungen. Sie erfolgen wenige Tage nach der Geburt : Das Ohr wird hierbei über eine kleine Sonde mit einem akustischen Reiz stimuliert und die von den Hörzellen ausgehende Antwort dann mit einem Messgerät erfasst.