Magdeburg - Stürze im Kindes- und Jugendalter sind nicht selten. Meist ist so ein Unfall auch kein Beinbruch. Manchmal kommt es jedoch zu Frakturen. Über die Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten informierten gestern Kinderchirurgen auf dem 54. Medizinischen Sonntag – einer Gemeinschaftsveranstaltung des Uniklinikums, der Magdeburger Urania und der Volksstimme.

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Wenn sie krank sind, müssen sie oftmals anders als die " Großen " behandelt werden. Das gilt auch bei Knochenbrüchen, so Dr. Hardy Krause, Leiter des Arbeitsbereiches Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Magdeburg. Etwa 70 Prozent der Knochenbrüche bei den Heranwachsenden sind so genannte Schaftfrakturen – sie betreffen also die langen Röhrenknochen der Arme und Beine. Nur 30 Prozent ereignen sich an den Gelenken. Das hat etwas damit zu tun, dass Kinder und Jugendliche bis zum Alter von etwa 18 Jahren noch im Wachstum sind.

Wie dieses Wachstum an den Kinderknochen erfolgt, erklärte Dr. Hans-J ürgen Haß, Oberarzt der Kinderchirurgie des Uniklinikums. Entscheidend für das Längenwachstum sind so genannte Epiphysen- oder auch Wachstumsfugen an den Enden der Röhrenknochen, die sich erst mit Erreichen der genetisch programmierten Körpergröße im Erwachsenenalter schließen. Wachstumspotential und Selbstheilungskräfte der Knochen sind sehr unterschiedlich. Während bei seitlichen Verschiebungen von Knochenbrüchen die Spontanheilung recht gut verläuft, sind bei Verkürzungen, Verlängerungen oder Verdrehungen chirurgische Korrekturen erforderlich, so Dr. Haß.

Die meisten Knochenbrüche bei Kindern ereignen sich rund um die Pubertät, wenn die Risikobereitschaft nicht mit dem körperlichen Leistungsvermögen mithalten kann. In Sachsen-Anhalt sind Ballspielarten der häufigste Verletzungsgrund, so Dr. Krause. Der Fußball hat daran einen Anteil von etwa 30 Prozent, während Knochenbrüche beim Handball mit rund acht Prozent deutlich seltener sind. Mangelhafte Beweglichkeit und Übergewicht fördern das Risiko von Fehlbelastungen und überfordern nicht selten die Belastungsgrenzen der Knochen.

Ist ein Knochen, zum Beispiel im Unterschenkel oder im Bereich der Schulter, gebrochen, wird er bei Kindern oftmals konservativ mit Drähten und atmungsaktivem Kunststoffgips stabilisiert. Solche Frakturen heilen bei Kindern meist schneller als bei Erwachsenen. Operationen und eine Knochen-Nagelung beziehungsweise Verschraubungen sind meist nicht notwendig.

Bei einem Teil der Kinder treten Knochenbrüche wiederholt auf – sogar nach leichten Stößen. Eine häufige Ursache sind dann so genannte Knochenzysten. Das sind mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume im Knochen, die meist im Alter zwischen zehn und 20 Jahren auftreten. Um das Knochenbruchrisiko dieser Kinder zu reduzieren, schieben die Kinderchirurgen dünne Titannägel von zwei bis vier Millimetern Durchmesser der Länge nach in den Knochenkanal. Das sorgt für eine Stabilisierung des Knochens.

Wenn das nicht hilft, wird die Zyste angebohrt, der Innenraum gereinigt und mit einer so genannten demineralisierten Knochenmatrix gefüllt. Das Implantat regt die Knochenbildung im Inneren der Zyste an, und nach etwa einem halben bis dreiviertel Jahr ist der Hohlraum " knöchern durchgebaut " und auf Röntgenbildern nicht mehr zu erkennen, so Dr. Haß. Die so behandelten Kinder können dann spielen, ohne Angst vor einem erneuten Knochenbruch bei leichter Belastung haben zu müssen.