Frage : Ich arbeite schon seit Jahren in Schichten und habe doch immer wieder Probleme, wenn ich aufgrund der Nachtschicht am Tage schlafen muss. Welche Tipps gibt es und wie schlafe ich richtig nach der Nachtarbeit ?

Es antwortet Diplom-Psychologin Annette Bölter von der Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Uniklinik Magdeburg : Der so genannte circadiane Rhythmus des Menschen bestimmt den Wach- und Schlaf-Zyklus. Bei Nachtschichtarbeit wird dieser Rhythmus regelmäßig gestört. Obwohl die " innere Uhr " auf Schlaf eingestellt ist, muss der Körper wach bleiben, zudem ist der Schlaf am Tag längst nicht so tief und erholsam wie in der Nacht.

Grund dafür sind die Rhythmen des Stoffwechsels und der Hormone, die sich nur langsam an den umgekehrten Rhythmus anpassen. Ist der Körper auf das Wachsein eingestellt, sorgen sie auch für eine höhere Körpertemperatur sowie eine stärkere Adrenalinausschüttung und Nierentätigkeit. Hinzu kommt, dass ein wechselnder Arbeitsrhythmus schwierig für das Privatleben ist.

Wer ausschließlich nachts arbeitet, sollte seinen Schlaf auch an arbeitsfreien Tagen nicht auf die Nacht verschieben, da ein häufi ges Umgewöhnen eine hohe körperliche und seelische Belastung darstellt. Bei Wechselschichten sollte der Schlafrhythmus einige Tage vor der anstehenden Nachtschicht

stundenweise nach vorne verlegt werden. Der Körper kann sich so langsam an die erforderlichen Veränderungen anpassen. Allerdings sollte der gesamte Schlaf-Wach-Rhythmus auch an freien Tagen möglichst in Anlehnung an die Schichten beibehalten werden. Bei unzureichendem Schlaf können kurze Nickerchen hilfreich sein.

Menschen, die nachts arbeiten, sollten besonders auf eine gesunde Ernährung achten – schließlich ist ihr Körper durch die Dienste genug belastet. Wichtig ist es, weder mit leerem noch vollem Magen zu Bett zu gehen und während der Nachtschichten nicht zu viel Kaffee zu trinken. Auch sollte der Arbeitsplatz während der Nachtarbeit möglichst hell beleuchtet sein.

Nachtarbeiter sollten besonders vorsichtig mit der Benutzung von Schlafmitteln sein. Neben den unerwünschten Nebenwirkungen kann es bei regelmäßiger Einnahme schnell zu körperlicher und / oder seelischer Abhängigkeit kommen. Schlafmittel sollten, auch wenn sie rezeptfrei sind, nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden. ( ukl )

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