Magdeburg - Statistisch leidet etwa jeder zehnte Bundesbürger unter Migräne. Betroffen sind nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder. Informationen zum Umgang mit der Krankheit gaben in der vergangenen Woche Mediziner und Betroffene auf dem 34. Patienten-Symposium der Migräne-Liga in Magdeburg.

Einseitige pulsierende oder pochende Kopfschmerzen begleitet von Übelkeit, Schwindel und Lichtscheu sind typische Symptome eines Migräneanfalls. Bei Kindern sind die Anzeichen nicht immer so eindeutig. Häufi g kommen Bauchschmerzen hinzu, und der Kopfschmerz kann beidseitig auftreten.

Nicht ratsam ist es, den kleinen Patienten einfach Schmerzmedikamente aus der Hausapotheke zu geben, sagt der Neurologe Dr. Charly Gaul vom Uniklinikum in Halle. Leider geschieht das noch zu häufi g. Kinder werden so an den Griff zur Tablette gewöhnt, ohne sich der Nebenwirkungen durch unkontrollierte Langzeitanwendung bewusst zu sein. Um das zu vermeiden, sollte in Zusammenarbeit mit dem Kinderarzt und eventuell auch anderen Fachärzten den Ursachen der Beschwerden auf den Grund gegangen werden. So können die Beschwerden beispielsweise Folge von Entzündungen im Gehör oder der Mandeln, von Fehlsichtigkeiten, Verspannung durch Fehlhaltungen sowie von Zahnproblemen sein.

Auch schulische Probleme, lange Computer- oder Videospiele und Schlafmangel können eine Rolle spielen. " Auf die Zusammenhänge im Einzelfall kommt man manchmal erst, wenn man für einige Zeit genau Buch führt ", so Dr. Raymund Pothmann vom Hamburger Zentrum für Kinderschmerztherapie. Ähnlich wie bei einer Allergie-Diagnostik müssen Mediziner, Eltern und die kleinen Patienten wie Detektive den möglichen Auslösern der Beschwerden gemeinsam nachgehen. Eltern sollten zum Beispiel notieren, wann die Anfälle auftreten, wie lange sie dauern und ob ein Zusammenhang mit bestimmten Situationen wie Schlafmangel, Stress, Nahrungsmittel und Wettereinfl üsse besteht.

Pfefferminzöl auf Stirn, Nacken und Schläfen

Wenn die individuellen Auslöser erkannt wurden, ist eine Vermeidung der Migräne-Attacken oder Linderung der Symptome durch Änderung der Lebensgewohnheiten möglich. Hilfreich sein können beispielsweise : das Beibehalten des Schlaf-Wach-Rhythmus am Wochenende und im Urlaub, Umorganisationen des Tagesablaufes, um Stress zu vermeiden und der Verzicht auf jene Lebensmittel, die als Auslöser eines Migräne-Anfalls erkannt wurden.

Grundsätzlich bewährt haben sich Stressbewältigungstrainings wie die " progressive Muskelrelaxation ", Biofeedback und autogenes Training. Die Techniken können zum Beispiel bei Psychotherapeuten erlernt werden. " Kinder sprechen auf eine nichtmedikamentöse Vorbeugung von Kopfschmerzen viel besser an als Erwachsene ", so Dr. Pothmann.

Im akuten Migräneanfall wirken Pfefferminzöl und ein kalter Lappen auf Stirn, Schläfen und Nacken entspannend. Bei mehr als drei Migräneanfällen im Monat ist in Absprache mit dem Arzt eine medikamentöse Prophylaxe sinnvoll. Meist erfolgt sie über drei Monate. Heilbar ist die Migräne zwar nicht, aber je früher die Migräne behandelt wird, desto geringer sind die langfristig die Schmerzen, so das Resümee der Mediziner.