Wenn die eigenen Organe den Dienst versagen, kann oftmals nur ein fremdes, gesundes Organ das Leben retten. Über die Chancen und Risiken einer Organtransplantation informierten Volksstimme-Leser sich gestern in einem Telefonforum. Uwe Seidenfaden stellte einige Fragen und Antworten zusammen

Frage : Welche gesunden Organe und Gewebe können Ärzte eigentlich transplantieren ?

Antwort : Die Nieren, die Leber, das Herz, die Bauchspeicheldrüse, die Lunge und die Gehörknöchelchen werden in Transplantationszentren regelmäßig transplantiert. Besonders häufi g sind Transplantationen der Augenhornhaut.

Frage : Ich bin 55 Jahre alt. Komme ich als Spender überhaupt noch in Frage ? Und bis zu welchem Alter könnte ich im Notfall noch ein Fremdorgan erhalten ?

Antwort : Das hängt vom Zustand Ihrer Organe ab. Meist sind Organe von jüngeren Menschen zwar eher geeignet für eine Transplantation, aber eine definierte Altersgrenze für Spender gibt es nicht. Mit 55 Jahren können Sie durchaus noch Organspender sein. Auch für die Transplantation von Fremdorganen gibt es keine defi nitiven Altersgrenzen.

Frage : Ich habe mich entschieden, im Fall meines Todes all meine Organe zu spenden. Ich möchte nur, dass eine der Nieren meine dialyseabhängige Frau bekommt. Kann ich das verfügen ?

" Diabetiker können Organe spenden "

Antwort : Das deutsche Transplantationsgesetz sieht vor, dass Organe von Toten nur nach medizinischen Kriterien vergeben werden. Berücksichtigt wird unter anderem die Dringlichkeit, die Gewebeübereinstimmung und die Wartezeit. Sollte ein Mensch die Niere beispielsweise dringender benötigen als Ihre Frau, würde die Entscheidung zu Gunsten dieses Patienten fallen. Im Einzelfall kann aber auch anders entscheiden werden.

Sie sollten bedenken, dass eine Niere auch schon zu Lebzeiten gespendet werden kann. Mit nur einer funktionsfähigen Niere kann ein Mensch leben.

Frage : Besteht nicht die Gefahr, dass man mit einem Organspendeausweis nach einem schweren Unfall mit der Folge eines Komas keine optimale Versorgung erhält und stattdessen für tot erklärt wird ?

Antwort : Nein. Kriterium für die Organentnahme ist der von zwei Ärzten unabhängig festgestellte Ausfall aller Hirnfunktionen. Dieser Hirntod ist irreversibel. Im Koma sind dagegen nicht alle Teile des Gehirns ausgefallen. Ein Koma ist prinzipiell reversibel. Deshalb würde man diese Patienten in Deutschland auch nicht für tot erklären.

Frage : Wie viele Stunden nach dem Hirntod, können Organe auf einen anderen Menschen übertragen werden ?

Antwort : Bis zur Organentnahme gibt es keine Grenzen. Danach sollten Herzen möglichst innerhalb von sechs Stunden übertragen werden, die Bauchspeicheldrüse nach spätestens zwölf bis 15 Studen, Leber bis zu etwa 24 Stunden und Nieren höchstens 48 Stunden später.

Frage : Wo kann ich einen Organspendeausweis bekommen ? Was kostet die Ausstellung ?

Antwort : Sie können sich danach bei Ihrer Krankenkasse, in Arztpraxen oder direkt bei der Deutsche Stiftung Organtransplantation, Emil-von-Behring-Passage, 63263 Neu-Isenburg, Telefon : ( 0800 ) 90 40 400, erkundigen. Die Ausstellung des Ausweises ist kostenfrei. Sie können aber auch ohne diesen Vordruck schriftlich verfügen, dass Sie dem Tod Organe spenden wollen. Eine notarielle Beglaubigung ist dazu nicht erforderlich. Ihre Unterschrift reicht aus.

Sehr sinnvoll ist es, wenn Sie mit den Angehörigen über Ihren Willen zur Organspende sprechen. Die Ärzte werden sich in der Regel an die Anghörigen wenden.

Frage : Muss ich mich ärztlich untersuchen lassen, bevor ich einen Spenderausweis ausfüllen kann ?

Antwort : Nein. Erst, wenn der Gehirntod festgestellt wurde, werden die Organe auf ihre Tauglichkeit untersucht.

Frage : Ich bin bereit, nach meinem Tod Organe zu spenden, soweit es medizinisch möglich ist. Ich möchte allerdings nicht, dass man mir die Augen ( Hornhäute ), mein Gesicht und meine Hände nimmt. Kann ich das ausschließen ?

Antwort : Ja. Auf dem Ausweis können Sie angeben, welche Organe Sie spenden wollen und welche nicht. Transplantationen der Hände oder von Teilen des Gesichts von Toten werden in Deutschland nicht durchgeführt.

Frage : Ich bin Diabetikerin und habe Bluthochdruck. Komme ich als Organspender in Betracht ?

Antwort : Prinzipiell spricht nichts dagegen, dass Diabetiker einen Organspendeausweis haben. Es gibt wenig Erkrankungen, die gegen eine Organspende sprechen. Sollte der Fall des Hirntodes eintreten, werden die Ärzte prüfen, ob eine Organspende möglich ist. Dazu gehört auch ein Gespräch mit Ihren Angehörigen.

" Dünndarm wird nur selten transplantiert "

Frage : Ist eine Darmtransplantation von einem Toten möglich ? Antwort : Dünndarmtransplantationen werden heute wegen des erhöhten Risikos von Immunreaktionen nur noch sehr selten durchgeführt.

Frage : Ich habe gelesen, dass man zu Lebzeiten einen Teil der Leber für schwer kranke Angehörige spenden kann. Gilt das auch für Alkoholiker ? Antwort : Prinzipiell sind Alkoholiker von einer Lebertransplantation nicht ausgeschlossen. In einem psychosomatischen Gutachten muss allerdings ein Rückfall nach der Transplantation weitgehend ausschlossen werden.

Frage : Können Menschen, die nicht miteinander verwandt sind, zu Lebzeiten Nierenspender werden ?

Antwort : Prinzipiell dürfen Organe zu Lebzeiten nicht zugunsten von Unbekannten gespendet werden. Das gilt selbst dann, wenn die Spende dem Kranken die letzte Überlebenschance bietet. Der Gesetzgeber möchte damit u. a. fi nanzielle Abhängigkeiten vermeiden. Erlaubt sind Organspenden allerdings zwischen Angehörigen, die sich nahe stehen. Das sind nicht nur nahe stehende Verwandte wie Geschwister, Eltern und Ehepartner. Es können beispielsweise auch Verlobte sein.

Frage : Wie groß ist das Risiko, dass eine Spenderniere vom Körper wieder abgestoßen wird ?

Antwort : Akute Abstoßungsreaktionen lassen sich heute durch Medikamente recht gut verhindern. Langfristig sind regelmäßige Nachkontrollen erforderlich, und Abstoßungsreaktionen und andere Risiken frühzeitig zu erfassen.

Frage : Ich hatte vor einigen Jahren Krebs. Komme ich als Spender in Frage ?

Antwort : Nach etwa zehn Jahren kann an eine Organspende gedacht werden, Voraussetzung ist, dass kein Tumor mehr nachgewiesen werden.

Frage : Welche Tierorgane können Verwendung fi nden ?

Antwort : Die Übertragung von Organen von Tieren ist noch immer in einem experimentellen Stadium. Die Hoffnung auf einen Ausweg aus dem Organmangel dank tierischer Spender hat sich bislang nicht erfüllt.

Frage : Ist ein fremdes Herz sportlich belastbar ?

Antwort : Eine Organtransplantation ist grundsätzlich kein Hinderungsgrund für sportliche Aktivitäten. Im Gegenteil : Sport ist im Rahmen Ihrer Möglichkeiten durchaus zu empfehlen. Gut geeignet sind u. a. Schwimmen, Gymnastik, Radfahren, Laufen und Wandern. Von Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko ist eher abzuraten.