Magdeburg - Junge Menschen über Suchtrisiken aufzuklären und Mitglieder von Suchtselbsthilfegruppen weiterzubilden sind Aufgaben, die sich ein neu gegründeter Verein in Sachsen-Anhalt zum Ziel gesetzt hat. Schulklassen und Privatpersonen bietet die " Gesellschaft gegen Alkohol- und Drogengefahren Sachsen-Anhalt e. V. " unkompliziert Hilfe.

Alkohol, Drogen und andere Süchte sind längst nicht nur ein Problem der Erwachsenen. Direkt oder indirekt über Eltern, Verwandte und Freunde kommen schon Jugendliche und selbst Kinder mit dem Thema " Sucht " in Kontakt. Wie geht man damit um, wenn der Vater regelmäßig betrunken ist ? Wie sollte man reagieren, wenn Freunde auf der Party Drogen anbieten ? Und ab wann ist man eigentlich süchtig ?

Fragen, die sich so mancher Jugendliche stellt. Die wenigsten wenden sich gleich an einen professionellen Suchttherapeuten. Und nicht jeder Lehrer kann die Sucht-Thematik seinen Schülern so anschaulich, informativ und glaubhaft vermitteln, wie es gemessen am gesellschaftlichen Problem eigentlich angebracht wäre.

Dem will die Gesellschaft gegen Alkohol und Drogengefahren Sachsen-Anhalt e. V. mit konkreten Projekten entgegenwirken. Dem Verein, der sich aus dem gleichnamigen Bundesverband im Zuge der Dezentralisierung gegründet hat, gehören derzeit 48 Mitglieder an. Sie kommen unter anderem aus den Bereichen Suchtselbsthilfe, Sozialarbeit und der Medizin. Ihr Vorsitzender ist Dr. Volker Kielstein, der seit vielen Jahren ein anerkannter Suchtexperte aus Magdeburg ist.

" Eines von derzeit drei Projekten widmet sich der Suchtprävention in der Schule ", so Martina Klaus, Koordinatorin des Programms. Dazu organisiert der Verein eineinhalbstündige Informationsveranstaltungen in Schulklassen der Oberstufe. " Meist integrieren die Klassenleiter diese Veranstaltungen in den Ethik-Unterricht der 9. und 10. Klasse ", sagt Martina Klaus. Vermittelt wird nicht nur Faktenwissen über legale und illegale Drogen sowie andere Suchtrisiken, sondern es werden auch persönliche Erfahrungen mit Drogen beziehungsweise Essstörungen angesprochen. Als Diskussionspartner stehen den Schülern neben Suchttherapeuten auch Menschen aus Selbsthilfegruppen zur Seite, die aus eigener Erfahrung über ihre Probleme sprechen und wie sie damit fertig wurden.

" Manche Teilnehmer kostet es anfangs etwas Überwindung, über ihre Probleme vor Schulklassen zu sprechen ", gibt die Projektkoordinatorin zu Bedenken. " Letztlich kommt diese Art der Wissensvermittlung aber sehr gut bei den Jugendlichen an. " Das zeigen die ausführlichen Diskussionen.

So sinnvoll und nützlich die Schulveranstaltungen auch sein mögen, die Erfahrung von Suchttherapeuten in Sachsen-Anhalt zeigt, dass viele Jugendliche bereits in der Unterstufe erste Erfahrungen mit Alkohol und illegalen Drogen machen. Aus diesem Grund bietet der Verein zusammen mit dem Puppentheater Magdeburg auch ein spezielles Programm für Vorschulkinder an.

Die Idee dazu hatte Christine Link, " denn Puppen sind für Kinder ein ideales Medium, um über ein heikles Thema zu sprechen ", sagt die Psychologin. Ziel ist es, dass Bewusstsein der Kinder für das Thema durch altersgerechte Vermittlung von Information zu schärfen, so dass sie selbst nicht in die Suchtfalle tappen. Das Projekt läuft inzwischen so erfolgreich, dass es auch auf Sachsen und Thüringen ausgedehnt werden soll.

Das dritte Projekt des Vereins widmet sich der Fortbildung von Mitgliedern der zahlreichen Suchtselbsthilfegruppen durch Therapeuten. Vermittelt werden beispielsweise Informationen über neue Therapieangebote und aktuelle Begutachtungsleitlinien zur Wiedererlangung des Führerscheins bei alkoholauffälligen Kraftfahrern. Auch dieses Projekt macht bereits über die Landesgrenzen hinaus in Thüringen Schule.