Auskunft zur Vogelgrippe gaben gestern am Volksstimme-Telefon Dr. Hanna Oppermann und Ulrich Noack vom Landesamt für Verbraucherschutz, Christa Bergmann von der Verbraucherzentrale und Dr. Ulrich Arnold von der Universität Magdeburg. Anja Hintze notierte die wichtigsten Fragen und Antworten.

Frage : Mein Sohn hat Asthma. Ist er in Hinblick auf die Vogelgrippe besonders gefährdet ?

Antwort : Ihr Sohn ist momentan in Sachen Vogelgrippe nicht mehr gefährdet als andere Menschen auch, wenn er die üblichen Vorsichtsmaßnahmen beachtet. Dazu gehört, den Kontakt zu Haus- und Wildgeflügel zu meiden. Allerdings gehört Ihr Sohn aufgrund seines Asthmas zur Infl uenza-Risikogruppe. Sie sollten ihn deshalb jährlich gegen Grippe impfen lassen und ihn bei Grippe-Symptomen sofort einem Arzt vorstellen.

Frage : Unsere Katze hält sich in Haus und Hof auf. Könnte sie sich über den Kontakt zu Singvögeln an der Vogelgrippe anstecken ? Macht es Sinn, die Katze einzusperren ?

Antwort : Diese Maßnahme wäre unangebracht. Zwar hat sich im Laborversuch gezeigt, dass Hauskatzen mit dem Vogelgrippe-Virus infi zierbar sind. Doch ist derzeit aus der Praxis noch kein Fall bekannt, bei dem sich eine Hauskatze an der Vogelgrippe angesteckt hat. Sie und Ihre Familie sollten allerdings im Umgang mit der Katze die allgemeinen Hygieneregeln einhalten, sich also nach dem Kontakt die Hände waschen.

Frage : Ich züchte Sittiche und Papageien. Der Landesbauernverband bietet Haltern von Rassegefl ügel und Ziervögeln Ausweichquartiere für ihre Tiere an. Fallen denn meine Tiere auch unter die Stallpfl icht ?

Antwort : Nein. Laut der aktuellen Verordnung des Bundeslandwirtschaftsministeriums gilt die Stallpfl icht für Hühner, Truthühner, Perlhühner, Rebhühner, Fasane, Laufvögel, Wachteln, Enten und Gänse. Für Psittaziden ( Krummschnäbel ) gibt es keine Stallpflicht. Wir raten Ihnen allerdings, die Sittiche und Papageien in Volieren mit einem festen Dach und Seitenschutz zu halten und so den Wildvogeleinfl ug zu verhindern.

Frage : Ich habe im Internet von Vogelgrippe-Schnelltests für den Menschen gelesen. Macht es Sinn, sich einen solchen Test anzuschaffen ?

Antwort : Es gibt einen Grippe-Schnelltest, einen Vogelgrippe-Schnelltest für den Menschen gibt es nicht. Solche Angebote im Internet sind also unseriös. Mit Grippesymptomen wie Fieber und Atemwegsproblemen sollten Sie auf jeden Fall zum Hausarzt gehen. Informieren Sie Ihren Arzt, falls Sie Kontakt mit krankem oder totem Gefl ügel hatten.

Frage : Kann man im Sommer in der Ostsee oder in Binnengewässern bedenkenlos baden gehen ?

Antwort : Abgesperrte Badestellen, wie derzeit etwa auf der Insel Rügen, sind natürlich tabu. Auskunft zur Qualität offizieller Badestellen in Deutschland geben das Gesundheitsamt und Badegewässerkarten, die zum Beispiel im Internet einzusehen sind. Die Wasserqualität inoffi zieller Badestellen wird nicht kontrolliert. Erkundigen Sie sich im Einzelfall beim zuständigen Gesundheitsamt.

Frage : Warum gilt für Tauben keine Stallpfl icht ?

Antwort : Derzeit müssen Tauben nicht eingesperrt werden, da sie für Vogelgrippe weniger empfänglich sind. Außerdem scheiden sie das Virus im Gegensatz zu Enten oder Hühnern in nur unbedeutender Menge wieder aus.

Frage : Ich möchte im Mai mit meiner Familie Urlaub an der Ostsee machen. Sollte ich die Reise stornieren ?

Antwort : Dazu gibt es im Moment keinen Grund, das gilt auch für die Insel Rügen. Derzeit ist nicht absehbar, wie sich die Situation in Hinblick auf die Vogelgrippe bis Mai entwickelt. Bewahren Sie Ruhe und achten Sie auf die Hinweise der örtlichen Behörden. Solange keine offi zielle Reisewarnung vorliegt, müssen Sie die Stornierungsgebühren in vollem Umfang selbst tragen.

Frage : Ich denke darüber nach, meine Hühner zu schlachten, weil ich nicht länger mit ansehen kann, wie sie im Stall zusammengedrängt leben. Einen größeren Stall habe ich nicht zur Verfügung. Was raten Sie mir ?

Antwort : Das ist letztendlich Ihre Entscheidung. Möglicherweise hilft Ihnen ein Gespräch mit Ihrem Hoftierarzt bei der Entscheidungsfi ndung. Vielleicht reduzieren Sie den Bestand erst einmal um einige Tiere, statt ihn komplett zu schlachten.

Frage : Können Störche an der Vogelgrippe erkranken ?

Antwort : Derzeit gibt es keine Hinweise, dass sich Störche mit dem Erreger der Vogelgrippe infi ziert haben.

Frage : Ich mache mir Sorgen um die Gesundheit meiner Kinder. Welche Vorsichtsmaßnahmen sollten sie denn beim Spielen draußen einhalten ?

Antwort : Wir alle und besonders die Kinder sollten grundsätztlich die Finger lassen von Tierkadavern, Vogelkot, Wildtieren und fremden frei laufenden Tieren.

Ist der Kontakt nicht vermeidbar, etwa bei der Entfernung von Vogelkot auf dem Fensterbrett, sind Handschuhe und anschließendes Händewaschen ein Muss.

Frage : Kann ich Gefl ügelprodukte bedenkenlos verzehren ?

Antwort : Es gibt derzeit in Deutschland keinen Nachweis einer Vogelgrippe-Infektion in Nutztierbeständen. Nutzgefl ügelbestände werden behördlich überwacht. Geflügel wird nur nach amtstierärztlicher Attestierung zur Schlachtung frei gegeben. Wir raten generell, sämtliche Gefl ügelprodukte vor dem Verzehr ausreichend zu erhitzen.

Frage : Bei uns in Wernigerode herrscht noch Winter. Darf ich Singvögel weiter füttern ?

Antwort : Nach derzeitigem Kenntnisstand infi zieren sich Singvögel nur sehr selten mit dem Vogelgrippe-Virus. Umfangreiche Untersuchungen ( das so genannte Wildvögel-Monitoring ) haben gezeigt, dass in unserer Region kein einziger Vogel mit dem Vogelgrippe-Virus infi ziert war. Unter Beachtung der allgemeinen Hygieneregeln können Sie ohne Bedenken weiter füttern, bis die Vögel wieder ausreichend Nahrung fi nden.

Frage : Kann ich bedenkenlos Fisch aus der Ostsee essen ?

Antwort : Sie können ohne Bedenken Fisch essen. Fische sind mit dem Vogelgrippe-Virus nicht infi zierbar.

Frage : Wie lange hält sich der Erreger im Vogelkot ?

Antwort : Das Virus ist in trockenem Vogelkot einen bis maximal drei Tage nachweisbar und relativ empfi ndlich gegenüber Umwelteinfl üssen. In feuchtem Milieu kann es länger nachweisbar bleiben. Man muss allerdings auch die Virusmenge, die ausgeschieden wird, beachten, da das Absterben der Viren ein kontinuierlicher Vorgang ist. Das heißt, dass wenig ausgeschiedene Viren schneller nicht mehr nachweisbar sind als eine große Viren-Anzahl.