Viele Menschen haben Gallensteine, oftmals ohne es zu wissen. Zahlreiche Volksstimme-Leser erkundigten sich im Telefonforum über Möglichkeiten der Diagnose, Vorbeugung und Behandlung. Uwe Seidenfaden stellte einige Fragen und Antworten zusammen.

Frage : Welche Symptome weisen auf eine Gallenblasenerkrankung hin ?

Antwort : Die Symptome sind meist unspezifi sch. Dazu können beispielsweise Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, gelbliche Verfärbungen der Haut, dunkler Urin und lehmfarbener Stuhl gehören. Gallensteine können sehr schwere kolikartige Schmerzen verursachen. Dann ist umgehend ein Arzt zu verständigen. Tumoren der Gallenblase oder der Gallengänge werden leider noch immer recht spät entdeckt, weil sie in den frühen Stadien symptomlos wachsen.

Frage : Mit einer Computertomografie ( CT ) wurde bei mir eine Stauung in den Gallengängen festgestellt. Ein Stein wurde nicht gesehen. Was kann die Ursache sein ?

Antwort : Ein Rückstau der Gallenflüssigkeit kann durch einen Gallenstein verursacht werden. Es ist möglich, dass er in einem Computertomogramm übersehen wird. Das CT liefert schichtweise Ansichten des Körperinneren. Wenn die Schichten nicht sehr eng beieinander liegen und der Stein dazwischen ist, kann er übersehen werden. Man sollte eine Ultraschalluntersuchung anfertigen.

Frage : Ich habe seit Monaten Oberbauchbeschwerden. Weder mit Ultraschall, noch mit dem CT und MRT konnte man keine Ursache finden. Auch die Laborwerte sind in Ordnung. Was kann die Ursache sein ?

Antwort : Wenn keine organischen Ursachen gefunden werden, handelt es sich um funktionelle Beschwerden, zum Beispiel ein Reizmagen oder ein Reizdarm. In diesem Fall ist eine symptomatische Behandlung möglich.

Frage : Seit einigen Wochen beobachte ich Veränderungen meines Stuhlgangs. Der Stuhl ist merklich heller und dünner als früher. Kann es an der Galle liegen ?

Antwort : Ein heller Stuhl kann dadurch verursacht werden, dass weniger Galle in den Darm gelangt. Die Ursache sollte man ärztlich abklären lassen. Es kann sich beispielsweise um eine Abfl ussbehinderung durch Gallensteine oder – in selteneren Fällen – durch einen Tumor bzw. um Veränderungen der Produktion der Galleflüssigkeit in der Leber handeln.

Frage : Meiner Mutter wurde vor Jahren die Gallenblase entfernt, weil sie voll Steine war. Bei mir wurden jetzt im Rahmen einer Routineuntersuchung mit dem Ultraschall auch Gallensteine festgestellt. Wie können Gallensteine eigentlich entstehen ? Ist die Erkrankung vererbbar ?

Antwort : Die Leber bildet Gallenflüssigkeit, um die Fettverdauung zu fördern. Gallensteine können entstehen, wenn die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit gestört ist. Es bilden sich kleine Kristalle, die zu kleinen Steinen anwachsen können.

Eine erbliche Veranlagung kann eine Rolle spielen. Zudem können Übergewicht und eine cholesterinreiche Ernährung sowie chronisch entzündliche Darmerkrankungen die Gallensteinbildung fördern.

Frage : Geben auffällige Leberwerte einen Hinweis auf das Risiko, Gallensteine zu bekommen ?

Antwort : Auffällige Leberwerte weisen oftmals auf eine Fettstoffwechselstörung oder auf Autoimmunerkrankungen hin. Sie können aber auch einen Hinweis auf ein erhöhtes Gallensteinrisiko geben. Die Ursache können Sie durch Labor- und Ultraschalluntersuchung abklären lassen.

Frage : Was kann man selbst tun, um die Bildung von Gallensteinen zu verhindern ? Stimmt es, dass man durch Diäten Gallensteine bekommen kann ?

Antwort : Eine zügige Gewichtsreduktion durch eine sehr kalorienarme Ernährung oder Fasten kann die Bildung von Gallensteinen begünstigen. Das gilt auch für die Einnahme von bestimmten Medikamenten, die den Cholesterinspiegel senken ( z. B. Clofi brat ). Prinzipiell vorbeugen kann man mit einer ballaststoffreichen und cholesterinarmen Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität.

Frage : Bei einer Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes hat der Arzt bei mir einen etwa drei Zentimeter großen Gallenstein und Grieß entdeckt. Sollte die Gallenblase entfernt werden, auch wenn ich keine Schmerzen habe ?

Antwort : Größere Gallensteine können den Abfl uss der Gallenflüssigkeit in den Darm behindern. Es kann dadurch zu Rückstauungen in die Leber, zu chronischenEntzündungenund Verkalkungen der Gallenblasenwand kommen. Wird nichts dagegen getan, kann sich nach Jahren eine so genannte Porzellangallenblase entwickeln. Sie gilt als ein Vorstadium des Gallenblasenkrebses. Deshalb raten wir bei Schmerzen durch Gallensteinen zur Entfernung der Gallenblase mitsamt der Steine. Bei symptomfreien Trägern von Gallensteinen ist das nicht nötig.

Frage : Kann man der Entstehung von Gallenblasenkrebs durch Ernährung vorbeugen ?

Antwort Die Entstehung von Tumoren und Karzinomen in der Gallenblase bzw. im Gallengang ist noch teilweise unbekannt. Generell ist eine gesunde ausgewogene Ernährung mit vielen Ballaststoffen, Vitaminen und wenig tierischen Fetten ( cholesterinarm ) jedoch jedem Menschen als Krebsvorbeugung zu empfehlen.

Frage : Lassen sich Gallensteine mit Medikamenten auflösen, so dass eine Operation nicht erforderlich ist ?

Antwort : Die Behandlung mit gallesäurehaltigen Medikamenten ( Litholyse ) ist langwierig : Sie dauert oftmals mehrere Monate. Die Medikamente müssen täglich eingenommen werden. Trotzdem ist der Erfolg dieser Behandlung nicht garantiert.

Bei Patienten mit einem besonders hohem Risiko einer Steinneubildung können gallesäurehaltige Medikamente eingesetzt werden, um dieses Risiko zu senken.

Frage : Können Blähungen etwas mit einer gestörten Gallenblasenfunktion zu tun haben ?

Antwort : Blähungen sprechen oftmals für eine gestörte Darmtätigkeit. Die genaue Ursache Ihrer Beschwerden sollte jedoch ärztlich abgeklärt werden. Unter Umständen kann schon durch Veränderungen der Ernährung ein Abklingen der Symptomatik erreicht werden.

Frage : Ist bei Gallenblasenkrebs eine chirurgische Entfernung der Gallenblase erforderlich ? Wie gut sind die Heilungschancen ?

Antwort : Die Heilungschancen hängen von der Aggressivität des Tumors und dessen Ausbreitung im Körper ab. Sind nur die Gallenorgane betroffen, erfolgt eine operative Entfernung der Gallenblase bzw. der Gallenwege mit anschließender Ableitung der Galle direkt in den Darm oder in einen Beutel über die Bauchdecke nach außen.

Hat der Tumor bereits auf die Leber übergegriffen, ist auch eine Teilentfernung der Leber zu erwägen. Wenn die Krebserkrankung weit fortgeschritten ist, kann nur noch symptomatisch behandelt werden. Eine Heilung ist dann nicht mehr möglich.