Kinder lieben sie: Wurst in Bärchenform, Milchriegel und Joghurts in niedlichen bunten Verpackungen. Viele Eltern kaufen Lebensmittel für Kinder, weil sie sich ein Plus für die Gesundheit versprechen. Doch Ernährungswissenschaftler sind sich einig: Sogenannte Kinderlebensmittel sind unnötig und meistens viel zu süß und fett.

"Genauso wie Erwachsene lockt Kinder optisch ansprechendes Essen an – das bekommen Eltern mit ein paar Tricks auch selbst gut hin", sagt Susanne Neppert, Ernährungsexpertin der AOK Sachsen-Anhalt.

Eltern haben es beim Einkauf heute doppelt schwer: Die Regale sind randvoll mit bunt und poppig aufgemachten Kinderlebensmitteln. Aufkleber, Püppchen und Spiele als Zusatzgeschenke ziehen den Nachwuchs magisch an. Warum ein langweilig aussehendes Müsli, wenn gleich daneben eine bunte Packung mit Geschenk lockt?

Eltern machen sich viele Gedanken um die richtige Ernährung ihrer Kinder und haben Angst, etwas falsch zu machen. Wer dann auf den bunten Verpackungen liest "besonders geeignet für Kinder", "Plus Vitamine und Mineralstoffe", der denkt schnell, seinem Kind etwas besonders Gutes mit solchen Produkten zu tun.

Weil es wie eine Gesundheitsgarantie klingt, boomt der Markt mit diesen speziellen Lebensmitteln. Dabei sind sich Ernährungsexperten einig: Kein Kind braucht spezielle Lebensmittel, um gesund aufzuwachsen. Noch dazu leisten die meisten dieser Produkte keinen Beitrag zu einer ausgewogenen Ernährung – ganz im Gegenteil. So ergab eine Untersuchung der Verbraucherorganisation foodwatch, dass von mehr als 1.500 Kinderlebensmitteln von Milchprodukten über Frühstücksflakes und Säften bis hin zu Wurstwaren fast drei Viertel zu fett und zu süß waren.

Auch die Optik darf beim Essen stimmen

Für manche Eltern mag das niederschmetternd sein – die gute Botschaft für sie: Sie können endgültig damit aufhören zu glauben, dass ihre Kinder spezielle Produkte brauchen, um gesund aufzuwachsen. "Ganz ernst nehmen sollten Eltern allerdings das Bedürfnis der Kinder, dass Essen Spaß machen soll und auch die Optik dafür stimmen muss", sagt Neppert. Dafür brauchen Familien allerdings weder Fertigprodukte noch zusätzlich beigefügte Vitamine und Mineralstoffe.

Grundsätzlich gilt: Kinder ab einem Jahr können ganz normal alle Speisen am Tisch mit essen – und sollen es auch. Schließlich werden am Familientisch ganz früh Grundlagen für lebenslange Ernährungsgewohnheiten gelegt. "Wenn man die Sache dann noch mit Spaß, Fantasie und der Bereitschaft angeht, auch einmal Ausnahmen von der Regel zuzulassen, ist man auf dem besten Weg.

Ein paar Tipps der AOK-Ernährungsexpertin können dabei helfen:

  • Frühstücken Sie so oft es geht gemeinsam. Ein gemeinsames Frühstück beugt Übergewicht vor. Kinder, die frühstücken, füllen ihre Energiereserven auf, die sie in der Nacht verbraucht haben. So bekommen sie Power für den Tag. Wenn Ihr Berufsleben ein gemeinsames Frühstück nicht zulässt, stellen Sie ein leckeres Frühstück und Pausenbrot bereit.

  • Lassen Sie Ihre Kinder möglichst viel selbst entscheiden, auswählen und selbst machen: Je nach Alter können die Kinder Gerichte auswählen, Einkaufszettel malen oder schreiben, die Zutaten mit einkaufen. Sie können Gemüse und Obst waschen, schälen, schnippeln, pürieren. Auch schon sehr kleine Kinder können hier oft viel stärker eingebunden werden, als man denkt – natürlich unter Aufsicht.

  • Lassen Sie die Kinder vor Ort beim Einkauf entscheiden, welches Obst und Gemüse heute gekauft werden soll.

  • Veranstalten Sie am Wochenende ein Überraschungskochen: Jeweils ein Erwachsener und ein Kind bereiten ein Menü für den Rest der Familie oder Freunde zu.

  • Legen Sie größten Wert auf Optik: Kinder lieben bunte Brotgesichter, beispielsweise aus Käse, Möhren, Oliven und Schnittlauch. Sie mögen Zauberäpfel, in Formen geschnittene Wurst und Käse sowie Obst- und Gemüsespieße.

  • Kinder finden es auch toll, selbst gezogenes Obst und Gemüse zu verzehren: Das geht mit Erdbeeren, Tomaten und Kräutern selbst im Balkonkasten.

Verbote sind keine Lösung

Gesunde Ernährung kann so Spaß machen, ohne dass man ständig darüber sprechen und nachdenken muss. Aber zum Spaß gehört es auch, dass man mal einen Milchriegel isst, die Lieblingswurst kauft oder Süßigkeiten genießt – zumal, wenn die Freunde angeblich so etwas ständig essen.

"Den Kindern solche Produkte komplett zu verbieten, löst meist das Gegenteil aus: den starken Drang danach. Das wissen Eltern ja meist auch aus eigener Erfahrung", sagt Neppert. Besser ist es deshalb, wenn Eltern von sich aus zwischendurch mal eine Milchschnitte oder ein anderes begehrtes Produkt mitbringen. Gut funktioniert es auch, eine Schatzkiste mit Süßigkeiten zu füllen, über die die Kinder in der Woche selbst frei verfügen können. Neppert: "Wenn die große Richtung stimmt, kann man getrost auch mal Fünfe gerade sein lassen."

Unterstützung im Alltag

Da die richtige Ernährung bereits beim Einkauf beginnt, sollte man sich zuvor Gedanken machen, was man möchte. Unterstützung bietet dabei zum Beispiel die AOK-App "Bewusst einkaufen" für iOS und Android. Über drei verschiedene Möglichkeiten können Einkaufslisten erstellt werden – mit dem Scan des Barcodes, über die Lebensmittelkategorie-Suche oder durch eine Texteingabe. Zu den einzelnen Lebensmitteln erscheinen Bewertungen in Ampelfarben, die über den Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz informieren. Rot steht dabei für einen hohen, gelb für einen mittleren und grün für einen niedrigen Gehalt in den jeweiligen Lebensmitteln. Ergänzt werden die Angaben durch die Kalorienangaben, den Eiweiß- und Kohlenhydratgehalt.

Interessierte Eltern können sich auch von einem Ernährungsexperten beraten lassen. Fragen Sie einfach ihre AOK vor Ort.

Weitere Informationen der AOK zum Thema Familien gibt es unter: www.aok.de/familienexperten