Kinder bringen ordentlich Leben in die Wohnung – und das ist gut so. Aber Bewegungsfreude und Entdeckerlust bringen auch ganz neue Risiken in den Alltag: Nicht etwa Krankheiten, sondern Unfälle sind die größte Gefahr auch schon für die jüngsten Kinder. Die häufigsten Verletzungsursachen bei Kindern bis zu sechs Jahren sind Stürze, Verbrennungen und Vergiftungen – die meisten wären vermeidbar.

Die meisten Unfälle geschehen in den eigenen vier Wänden

Die meisten Eltern glauben, wenn sie in der Nähe sind, kann ihrem Kind schon nichts oder nicht viel passieren. Das ist ein Irrtum: Gerade in den eigenen vier Wänden oder zumindest im vertrauten Umfeld ereignen sich die allermeisten Kinderunfälle. Allein im Jahr 2010 verunglückten rund 200.000 gesetzlich krankenversicherte Kinder im Alter bis sechs Jahre so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Die meisten von ihnen waren gestürzt, hatten sich verbrannt oder vergiftet. Besonders oft in diesem Alter sind Stürze die Ursache für Verletzungen.

Ein Großteil der Unfälle lässt sich verhindern

Die gute Nachricht dabei: "Ein Großteil dieser Kinderunfälle lässt sich effektiv verhindern, die Eltern müssen nur wissen, wie", sagt Gerriet Schröder, Präventionsexperte bei der AOK Sachsen-Anhalt. Oft seien es schon Kleinigkeiten, die Kinder schützen.

Entscheidend ist natürlich, in welchem Alter sich das Kind befindet, denn je nachdem gibt es unterschiedliche Gefahrenquellen. Während das Baby sicher auf dem Wickeltisch liegen und der Airbag für die Babyschale ausgeschaltet sein muss, geht es bei Älteren beispielsweise darum, Kordeln an Anoraks zu entfernen und beim Fahren mit dem Laufrad den Kopf mit einem Helm zu schützen.

Junge Eltern zum Beispiel sind beim Umgang mit ihrem Neugeborenen oft noch unerfahren. Dabei gibt es schon viele kleine Tipps, wie man Unfälle vermeiden kann:Haben Sie auf dem Wickeltisch immer eine Hand am Körper des Babys, damit es nicht herunterfallen kann.

  • Legen Sie Ihr Kind zum Schlafen ausschließlich auf den Rücken. Verwenden Sie kein Kopfkissen und möglichst nur Schlafsäcke, um die Erstickungsgefahr zu minimieren. Das Schlafzimmer sollte rauchfrei sein und eine Temperatur zwischen 16 und 18 Grad Celsius haben.

  • Verwenden Sie nur kurze Schnullerketten (max. 10 cm) und machen Sie diese an Der Kleidung fest, damit sich das Kind nicht würgen kann.

  • Lassen Sie das Kind erst in die Wanne, wenn das Wasser eingefüllt und die Temperatur geprüft ist. Maximal sollte das Wasser 36 bis 37 Grad Celsius haben.

Risiken ändern sich mit zunehmendem Alter

Mit zunehmendem Alter ändern sich die Risiken des Alltags. Sobald das Kind krabbeln kann, sollte man die Wohnung gründlich auf mögliche Gefahrenquellen absuchen. "Denn für Kinder existiert der Begriff ‚Gefahr‘ nicht" weiß Schröder. Sie wollen entdecken und anfassen. Deswegen sei es enorm wichtig, sich in den Lebensraum seines Kindes zu versetzen. "Tun Sie dies aktiv: Gehen Sie zum Beispiel in die Hocke und entdecken Sie so Ihre Wohnung neu. Versuchen Sie, die Welt aus den Augen Ihres Kindes zu sehen", rät der AOK-Experte. "Sie werden überrascht sein, wie viele Gefahrenquellen es gibt."

Die Küche sei zum Beispiel einer der gefährlichsten Orte in der Wohnung. Kommt Ihr Kind leicht mit der Hand an die Töpfe auf dem Herd, steht die Kaffeemaschine oder der Heißwasserbereiter zu dicht an der Tischkante? Oder schauen Sie mal in den Schrank unter Ihre Spüle. Befinden sich dort Reinigungsmittel oder Tabs für die Spülmaschine?

"Leider können Sie sich nicht darauf verlassen, dass Kinder unangenehm schmeckende Dinge gleich wieder ausspucken" sagt Schröder. "Unglücklicherweise schmecken viele schädliche und giftige Substanzen nicht schlecht. Viele Putz- und Reinigungsmittel sind bunt und schön verpackt, so dass sie für Kinder äußerst interessant wirken." Der Experte rät, sich nicht allein auf Kindersicherungen zu verlassen. Gefährliche Substanzen oder Medikamente sollten immer weggeschlossen werden.

Die Checkliste für den Alltag

Mit der richtigen Checkliste können Sie aber die meisten Gefahrenquellen beseitigen. Die folgenden Tipps helfen dabei, die Wohnung sicherer zu machen:

  • Machen Sie die Treppen absturzsicher.

  • Bewahren Sie Medikamente immer in einem verschlossenen Arzneimittelschrank auf.

  • Sichern Sie Steckdosen mit der nötigen Schutzvorrichtung.

  • Halten Sie Ihre Hobbywerkstatt verschlossen.

  • Füllen Sie giftige Flüssigkeiten nie in Getränkeflaschen.

  • Achten Sie darauf, das Spielzeug oder Süßigkeiten für das Alter Ihres Kindes geeignet sind.

  • Sichern Sie Fenster, Regale und Balkontüren.

  • Lassen Sie Kinder nie allein auf den Balkon.

  • Schließen Sie Messer und andere Scharfe Gegenstände sicher weg.

  • Achten Sie auf sichere Bekleidung, z.B. ohne Kordeln.


Das Kind mit Gefahren vertraut machen

Ja, im Haushalt und auch anderen Lebensbereichen wie Garten warten viele Gefahren auf Ihr Kind. Das heißt aber nicht, dass Sie Ihr Kind in Watte packen sollen. "Kratzer und Schrammen gehören zum Großwerden dazu. Schränken Sie ihr Kind nicht übermäßig ein, lassen Sie es die Welt entdecken und eigene Erfahrungen sammeln", empfiehlt Schröder.

Sie können Ihr Kind auch dabei begleiten, Gefahren schneller zu erkennen und – in Maßen – selbst zu erfahren. Schröder: "Behutsam können Sie Ihrem Kind zum Beispiel zeigen, dass eine Nadel spitz ist. Oder erklären Sie den Unterschied zwischen heiß und kalt, indem Sie Ihr Kind abwechselnd ein mit 40 Grad heißen Wasser verschlossenes Glas und einen Eiswürfel anfassen lassen."

Auf den Notfall vorbereiten

Doch selbst mit allen Vorsichtsmaßnahmen lassen sich nicht immer Unfälle vermeiden. Für den Notfall ist es sinnvoll, alle wichtigen Telefonnummern auf einem Zettel im Schrank hängen zu haben: Rettungswagen, Giftnotruf, Nachbarn, die auf ein Geschwisterkind aufpassen könnten. Das hilft den Eltern, in solchen Momenten den Kopf nicht zu verlieren. Wichtig und hilfreich auch: "Wenn die Eltern selbst einen Erste-Hilfe-Kurs speziell für Kinder gemacht haben, wissen sie, was zu tun ist und bleiben ruhiger", sagt Schröder.

Die AOK Sachsen-Anhalt bietet spezielle Kinder-Erste-Hilfe-Seminare, die sich an Eltern und Angehörige mit Kindern bis zu vier Jahren wenden. In den maximal dreistündigen Veranstaltungen erläutern Rettungsassistenten oder Kinderärzte wichtige Regeln und Sofortmaßnahmen in häufig auftretenden Notfallsituationen.
Wann und wo die nächsten Kinder-Erste-Hilfe-Seminare stattfinden, erfahren Sie auf www.aok.de/sfamilienexperten und an der kostenfreien Servicehotline 0800 2265726. Hier können Sie sich auch gleich anmelden oder die Broschüre "Notfälle im Kindesalter" mit vielen Tipps für Prävention und Erste Hilfe bestellen. Das Seminar ist für alle Teilnehmer kostenfrei.