München (dpa) l Manchmal muss es im Garten einfach schnell gehen. Und zwar nicht nur, weil man keine Geduld hat, bis der Garten prächtig grün zugewachsen ist. Sondern um zum Beispiel mit Hilfe von einer geschlossenen Pflanzendecke Unkraut zu verdrängen. Oder damit eine grüne Wand verhindert, dass neugierige Nachbarn in den Garten schauen können. Und das nicht erst in ein bis drei Jahren. Turbo-Pflanzen sind hier eine Lösung.

„Das schnelle Wachstum der Pflanzen ist dabei aber nur ein Aspekt“, sagt Till Hägele, Abteilungsleiter für die Gewächshäuser im Botanischen Garten München-Nymphenburg. Sie schaffen auch rasch Blickpunkte und setzen Akzente. „So kommt es dann zu einer schnellen Aufwertung des Gartens.“

Dickmännchen sind sehr robust

Das Nonplusultra in Sachen Turbo-Pflanzen kommt für Hägele aus dem Staudenreich: das Dickmännchen (Pachysandra). „Dieser immergrüne Bodendecker entwickelt sich sehr schnell“, erklärt der Buchautor. Natürlich kann man diese robuste und schattenverträgliche Staude mit geringem Abstand zu Wänden, Hindernissen und anderen Pflanzen setzen. Wer aber etwas sparsamer ist, pflanzt sie in größeren Abständen und lässt das Dickmännchen durch das turboschnelle Wachstum die Lücken im Beet schließen.

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Ein weiteres Beispiel ist der Balkan-Storchschnabel (Geranium macrorrhizum), der sogar im trockenen Schatten sehr gut gedeiht und Ende Mai je nach Sorte hell oder kräftig rosa blüht. „Der Frauenmantel (Alchemilla mollis) samt sich aus. Deshalb pflanzt man ihn lieber etwas weiter und überlässt es den Sämlingen, die Lücken zu schließen“, erklärt Hägele das Vorgehen bei einer alternativen Turbo-Pflanze.

Natürlich gibt es eine ganze Reihe von Pflanzen, die sich rasch entwickeln und schnell Biomasse schaffen. Problematisch sei manchmal aber, dass sich das Wachstum einiger Pflanzen zugleich auch nicht einschränken lässt, erklärt Hägele. Er ist dagegen, das Wachstum eines malerischen und rasend wachsenden Gehölzes wie des Blauglockenbaums (Paulownia) durch Einschränkung der Nährstoffgaben und Schnitte zu drosseln. Auch mit der Baumschutzordnung kann man dann schon nach wenigen Jahren in Konflikt kommen, da man einen großen Baum nicht einfach fällen darf. Hobbygärtner sollten sich folglich beim Kauf solcher Turbo-Pflanzen immer über die möglichen Konsequenzen des Wachstums informieren, gerade bei Gewächsen, die dauerhaft erhalten bleiben sollen.

Anders sei dies aber bei der Fassadenbegrünung. „Hier sind schnell wachsende Pflanzen willkommen“, findet Hägele. Gute Beispiele dafür sind Blauregen (Wisteria) und Schlingknöterich (Fallopia). „Beide Pflanzen können problemlos auf den Stock zurückgesetzt werden.“ Sie lassen sich also radikal abschneiden, erklärt der Experte. Die Pflanzen treiben wieder aus und entwickeln sich erneut zu einer grünen Tapete an der Hauswand. Es mag zwar sein, dass diese regelmäßige Aufgabe wie Sisyphos-Arbeit wirkt, aber das sieht man nicht dem Wuchs der Pflanze an. Turbo-Pflanzen helfen sogar dem Garten, gesund zu bleiben.

Kies kann dem Boden schaden

Denn inzwischen werden aus Zeitmangel oftmals freie Flächen nicht mehr bepflanzt, sondern mit Kies bedeckt. Doch das kann dem Boden schaden: Sonne, Wind und Wetter greifen die Bodenstrukturen an, wenn sie brach liegen. Außerdem werden Nährstoffe ausgewaschen. „Die geschlossene Pflanzendecke schließt negative Effekte aus“, sagt Gartenbau-Ingenieur Hägele. „Der Vorteil einer Bepflanzung besteht darin, dass die Temperaturen ausgeglichener sind und die Verdunstung durch die Pflanzen das Klima in der Umgebung verbessert.“

Ein Garten wird attraktiver durch Pflanzen mit einer besonderen Ausstrahlung. „Der Etagen-Hartriegel (Cornus controversa) ist eine ganz ungewöhnliche Pflanze“, nennt Peter Berg, Gartenbaumeister aus Sinzig (Rheinland-Pfalz), ein Beispiel. Sein großes Pro: Die Äste wachsen waagrecht und stehen damit in Etagen vom Stamm ab. „Es entsteht nicht nur eine markante Wuchsform, sondern auch eine leichte Transparenz, die diesen Baum zu einem spannenden Gestaltungselement macht“, erklärt Berg. Er wird dadurch zu einem Blickfang im Garten, der von dem ablenkt, was vielleicht stört.

Auch bei ornamentalen Gräsern hat man jährlich einen Turbo-Effekt. „Im Frühling ist erst nichts da, und innerhalb weniger Wochen wachsen die Horste auf eine Höhe von bis zu zwei Metern“, erklärt Berg. Ein Beispiel für diese Wuchskraft ist für ihn vor allem das Riesen-Chinaschilf (Miscanthus giganteus). Besonders fällt das auf, wenn das Gras als Solitär gesetzt wird.