Kurz vor seinem 50. Lebensjahr bot sich Mario Brandenburg die Chance für einen beruflichen Neuanfang. Nach einjähriger Tätigkeit in der Altenpflege auf Basis eines Ein-Euro-Jobs kamen er und seine Arbeitsvermittlerin im Jobcenter überein, dass ihm eine fundierte Ausbildung zum examinierten Altenpfleger die Möglichkeit für eine dauerhafte Rückkehr auf den ersten Arbeitsmarkt eröffnen würde.

Von Gudrun Oelze

Die berufliche Erprobungsphase meisterte er, es fehlte nur noch ein medizinisches Gutachten über seinen Gesundheitszustand. "Altenpfleger sind in ihrem Job auch körperlichen Belastungen ausgesetzt. Da ist es wichtig, vor dem O.K. für eine von der Arbeitsverwaltung finanzierte Ausbildung auch die gesundheitliche Eignung des Betroffenen zu überprüfen", erläutert Arbeitsvermittlerin Su-sanne Vetter.

Sie gab ein Gutachten in Auftrag. Erstellt wurde es von einem Facharzt für Chirurgie und Orthopädie in Baden-Württemberg – der dem Sachsen-Anhalter bescheinigte, dass dieser für den gewünschten Beruf völlig ungeeignet sei. Nicht nur für Mario Brandenburg war das Gutachten, "welches mein berufliches Weiterkommen bis zur Rente infrage stellte", ein Schock.

Auch seine Arbeitsvermittlerin war damit unzufrieden. Der Kunde hatte auf sie gar nicht den Eindruck gemacht, als wäre er gesundheitlich den Anforderungen nicht gewachsen – zumal er bereits mit Freude und ohne körperliche Beschwerden in diesem Bereich gearbeitet hatte. "Herr Brandenburg sah in dem angestrebten Beruf seine Lebensaufgabe", erinnert sie sich.

Die Vermittlerin und andere Mitarbeiter von Jobcenter und Arbeitsagentur in Magdeburg setzten sich für den Mann ein, sorgten für eine Nachbegutachtung durch den ärztlichen Dienst der Bundesagentur für Arbeit, die nun vor Ort und im persönlichen Kontakt von Arzt und Patient erfolgte – mit dem Ergebnis: Einer Tätigkeit als Altenpfleger steht bei Mario Brandenburg aus gesundheitlichen Gründen nichts im Wege.

Auf Anraten seiner Arbeitsvermittlerin besuchte er daraufhin eine Bildungsbörse, um sich nach einem Ausbildungsplatz umzusehen. Doch überall würden die Lehrgänge erst im Spätsommer beginnen, sodass wieder einige Monate zu überbrücken wären. Dann kam überraschend ein Anruf vom Jobcenter, dass er sofort bei einem Bildungsträger in Magdeburg die gewünschte Ausbildung beginnen könne.

Susanne Vetter hatte dies ausfindig gemacht. Die aus Schönebeck stammende junge Frau hatte an der Magdeburger Universität Erziehungswissenschaften studiert und war anschließend bei einem international agierenden Wirtschaftskonzern als Bildungsberaterin für die interne Weiterbildung von Mitarbeitern zuständig. Ihre damalige Zusammenarbeit mit Bildungsträgern kommt ihr auch bei ihrer Tätigkeit im Magdeburger Jobcenter zugute, wo sie nach eigenen Angaben den "perfekten Job für mich" gefunden hat. Für ihren Kunden Mario Brandenburg fand die engagierte Arbeitsvermittlerin durch Zufall die Ausbildungsmöglichkeit zum Altenpfleger. "Es war ein schöner Freitag, an dem ich ihm den Bildungsgutschein aushändigen konnte", sagt sie. "Herr Brandenburg war glücklich, und ich war es auch, da ich dazu beitragen konnte, seine Zukunft mitzuorganisieren."

Am 12. April begann für Mario Brandenburg die Ausbildung, die er in drei Jahren als examinierter Krankenpfleger beenden will. "Den Mitarbeitern des Jobcenters in Magdeburg möchte ich für die geleistete Arbeit und die schnelle Reaktion auf das gründlich missglückte erste ärztliche Gutachten bedanken. Ohne große und lang anhaltende Prozeduren wurde der Fehler schnell bereinigt. Dafür gilt meiner Arbeitsvermittlerin Susanne Vetter stellvertretend für alle anderen Beteiligten ein herzliches Dankeschön."

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