Lukas ist schon richtig groß, denn ab nächsten Monat darf er in den Kindergarten gehen. Der Steppke besucht seit November 2007 eine Kindereinrichtung in Magdeburg, die Krippe der Kita "Storchennest". Seine Mutti Antje Seiler ist mit der Einrichtung sehr zufrieden und war ziemlich geschockt, als sie kürzlich erfuhr, dass Lukas dort nicht wie gedacht von der Krippe in den Kindergarten wechseln kann.

Der Kindergarten sei zu voll, hieß es zur Erklärung, und für alle Krippenkinder, die erst nach dem Monat August ihren dritten Geburtstag feiern, wäre dort kein Platz mehr. "Ich verstehe das überhaupt nicht. Schließlich ist mein Sohn bereits mehr als eineinhalb Jahre dort", schrieb uns die Mutti.

Sie brauche den Platz aber dringend, da sowohl sie als auch der Vater des Kindes ganztags beschäftigt sind, diese Kita morgens schon um 6 Uhr öffnet und sie dadurch pünktlich um halb sieben auf Arbeit sein kann. "Mir wurde ein Platz in Magdeburg-Olvenstedt angeboten. Das ist für mich aber finanziell und zeitlich nicht möglich. Wir haben nur ein Auto, das Lukas’ Vati für den Arbeitsweg nutzt. Ich arbeite in der Magdeburger Innenstadt. Wenn ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln meinen Sohn in die Kita nach Olvenstedt bringe, müsste er schon vor fünf Uhr aufstehen, damit ich rechtzeitig auf Arbeit sein kann."

Kann es denn wirklich richtig sein, dass sie für ihr Kind jetzt einen neuen Kindergarten suchen müsse?, fragte Antje Seiler, und auch, ob nicht zum Beispiel die zuletzt gekommenen Krippenkinder in einen anderen Kindergarten wechseln könnten oder jene, deren Eltern nicht arbeiten gehen?

In der Kita "Storchennest" wurde nach anderen Aspekten über die Belegung der Plätze entschieden – nach dem Geburtsdatum der Kinder und in einem Fall berücksichtigt, dass ein Geschwisterkind in der Einrichtung ist. Insgesamt hat das "Storchennest" eine Betriebserlaubnis für 66 Krippen- und 60 Kindergartenkinder. In diesem Jahr verlassen 15 Kinder den Kindergarten, aber 27 Krippenkinder benötigen dort demnächst einen Platz – also zwölf mehr, als unterzubringen wären.

Das Kind von Familie Seiler wird erst Ende 2009 drei Jahre und dann erst dem Alter nach ein Kindergartenkind, erläuterte der Träger der Einrichtung, die Stiftung evangelische Jugendhilfe St. Johannis Bernburg, die Entscheidung. In allen Magdeburger Kitas unter ihrer Trägerschaft seien die Krippen- und Kindergartenplätze sehr stark nachgefragt, überall gebe es lange Wartelisten. "Dies ist dem Umstand geschuldet, dass in der Stadt Magdeburg mehr Kinder einen Betreuungsplatz benötigen als zur Verfügung stehen", wurde uns mitgeteilt.

Zu dem Zeitpunkt, wenn Lukas Seiler drei Jahre alt wird, wäre im "Storchennest" also kein Kindergartenplatz frei gewesen. Darüber informierte die Kita-Leitung Anfang Juni die Familie und andere betroffene Eltern. "Da wir die Situation der Eltern kennen und wissen, wie notwendig eine Betreuung ihrer Kinder ist, bemühte sich die Kita-Leiterin zeitgleich, für die Kinder einen adäquaten Betreuungsplatz in anderen Einrichtungen wie in der Kita in Alt-Olvenstedt zu finden", heißt es in der Stellungnahme. Parallel dazu sei beim Landesverwaltungsamt eine Ausnahmegenehmigung beantragt worden, um mehr Kindergartenkinder von August 2009 bis zum nächsten Sommer betreuen zu können. Das wurde zunächst mündlich zugesichert, doch die schriftliche Erlaubnis soll folgen. So konnte auch Familie Seiler zugesichert werden, dass der kleine Lukas weiterhin die Kita "Storchennest" besuchen und dort ab August zu den "Großen" in den Kindergarten wechseln kann.