Das Praktikum in einer Kita in Hohenseeden (Jerichower Land) bereitet einer 19-Jährigen so viel Freude, dass sie in ihrem künftigen Berufsleben als Erzieherin arbeiten möchte. Die Voraussetzungen habe die Jugendliche, stellte die Kita-Leiterin offiziell fest. Auch der Landkreis genehmigte einen entsprechenden Beschulungsantrag.

Die junge Frau aus Parey (Jerichower Land) fuhr nach Magdeburg zum Tag der offenen Tür in den Berufsbildenden Schulen (BbS) "Dr. Otto Schlein", um sich vor Ort genau über die Ausbildung im Bereich Sozialpädagogik zu informieren. Doch welche Enttäuschung erlebte sie! Hier werden nur Magdeburger Bewerber genommen, musste sie hören. Sie könne sich ja in Quedlinburg, Wernigerode oder Brandenburg – viel weiter von daheim entfernt – bewerben. Oder auf eine private Schule gehen. Das können sich ihre Eltern aber nicht leisten und sie fragten, ob Kinder vom Dorf wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden.

Die Landeshauptstadt Magdeburg, bei der wir um eine Stellungnahme zu der ablehnenden Haltung der Berufsschule baten, verwies auf das Schulgesetz des Landes Sachsen-Anhalt. Danach haben die Schulträger – also die Landkreise – "das Schulangebot und die Schulanlagen im erforderlichen Umfang vorzuhalten…". Die Berufsbildenden Schulen in der Landeshauptstadt hätten daher zunächst den Bedarf für Magdeburger Schüler abzusichern. Nur bei freier Kapazität und Zustimmung des Heimatlandkreiseswäreüberhaupt die Aufnahme auswärtiger Schüler möglich. Für manche Bildungsgänge aber gibt es weitaus mehr Bewerber als Plätze. Zum Beispiel für künftige Sozialpädagogen, die eine Fachschulausbildung absolvieren müssen.

An der Magdeburger Berufsbildenden Schule "Dr. Otto Schlein" werden im kommenden Schuljahr für diesen Bildungsgang zwei Klassen mit zusammen 50 Schülern gebildet. Das sei wie bei der Aufnahmekapazität anderer Bildungsgänge an den berufsbildenden Schulen in Magdeburg auch "unter Berücksichtigung bestimmter Voraussetzungen" so abgestimmt worden.

Zu solchen Voraussetzungen würden zum Beispiel der genehmigte Schulentwicklungsplan der Landeshauptstadt, Vorschriften zur Klassenbildung, die Anzahl vorhandener Plätze für Praktika und die Kapazität des jeweiligen Standortes gehören.

Für die 50 Sozialpädagogik-Plätze im Schuljahr 2009/10 liegen in Magdeburg bereits 272 Bewerbungen vor. 85 der Anwärter kommen aus Magdeburg, 160 aus anderen Orten Sachsen-Anhalts und 27 aus anderen Bundesländern. "Ungeachtet der Annahme, dass viele Schulabgänger sich auch bei anderen Ausbildungsstätten anmelden, zeigt dieses große Interesse deutlich, dass nicht einmal der Bedarf der Magdeburger Schüler gesichert werden kann", stellt die Stadtverwaltung fest. Formell kann sich zwar auch jeder Nicht-Magdeburger bewerben, doch nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre und anhand der aktuellen Anmeldezahlen sind die Chancen für eine Aufnahme sehr gering.

"Insofern", so die offizielle Auskunft, "war die Aussage der Schule, im kommenden Schuljahr voraussichtlich keine auswärtigen Schüler aufnehmen zu können, korrekt". Ähnlich sei die Situation auch bei den Bildungsgängen Kinderpf ege, Pharmazeutischtechnische Assistenz, Ergotherapie oder Physiotherapie. Wer nicht in Magdeburg wohnt, hat demnach kaum Aussicht, einen dieser Berufe an einer Schule der Landeshauptstadt erlernen zu können. Dann käme für die Ausbildung also der Heimatlandkreis in Frage, denn "grundsätzlich sind für die Sicherung eines ausgewogenen und dem Bedarf entsprechenden Schulangebotes nach dem Schulgesetz des Landes Sachsen-Anhalt die Schulträger verantwortlich", stellt die Magdeburger Behörde klar.

Im Fall unserer Leserin wäre das also der Landkreis Jerichower Land. Wenn ein Schulträger den sich in seiner Zuständigkeit abzeichnenden Bedarf nicht sichern kann, bestehe die Möglichkeit, Vereinbarungen mit anderen Schulträgern abzuschließen. "Der Landkreis Jerichower Land hat mit der Landeshauptstadt keine entsprechende Vereinbarung", wurde mitgeteilt.