Noch minderjährig, aber schon schwanger, brauchte eine junge Altmärkerin "Babygeld", um für das im Mai erwartete Kind die notwendigen Dinge beschaffen zu können. "Da gibt es in Gardelegen eine DRKStelle. Dort wurde ich sehr gut beraten", schrieb die werdende Mutti, und dass sie sich öffentlich bei der "lieben Frau Görges" bedanken möchte.

Die Diplom-Sozialarbeiterin Karla Görges und die Sozialpädagogin Angela Leuschner helfen seit Jahren in der staatlich anerkannten Schwangerschafts- und Konf iktberatungsstelle des DRK-Kreisverbandes "Altmark West" den Frauen, die durch eine Schwangerschaft in eine Notsituation geraten sind. Wichtiges Anliegen ihrer Arbeit ist es, Frauen auf deren Weg zu einer lebbaren Entscheidung über Fortsetzung oder Abbruch der Schwangerschaft zu begleiten. Laut ministerieller Richtlinie hat die Beratung dem Schutz des ungeborenen Lebens zu dienen, der werdenden Mutter Informationen über Schwangerschaft und Geburt sowie Rat und Hilfe zu bieten.

"Die Beratung wird hinsichtlich des Ergebnisses offen geführt", sagt Angela Leuschner, sie soll aber den Frauen helfen, eine selbstverantwortliche Entscheidung zu fällen. Die wird ihnen in dem oft langen Gespräch, in dem nicht selten zuvor Unausgesprochenes zur Sprache kommt, von den Beraterinnen jedoch nicht abgenommen. "Wir raten gar nichts", so die Sozialpädagogin, doch werde jeder Ratsuchenden die Chance gegeben, über ihr Leben und die für sie derzeit konfliktreiche Situation intensiv nachzudenken. Wer nach dem Gespräch mit jener offiziellen Bescheinigung, die zum eventuell folgenden Schwangerschaftsabbruch berechtigt, den Beratungsraum in Gardelegen verlässt, geht vorbei an einer Pinwand mit Fotos von süßen Babys. Um eins rankt sich in großen Buchstaben "Danke für alles".

"Wir betrachten uns als wichtigen Wegweiser für Frauen in Konfliktsituationen", sagt Karla Görges, und denkt dabei auch an jene Mütter, die wegen des erwarteten Kindes in eine schier ausweglose finanzielle Not zu geraten glauben. Denn viele Frauen kommen in die Beratungsstelle, weil sie nicht wissen, woher sie Unterstützung für das von ihnen gar nicht so unerwünschte Kind erhalten können.

Von Karla Görges oder Angela Leuschner wird ihnen wie im Falle unserer jungen Leserin bei Antragstellungen für die Erstausstattung des Babys oder für Zuwendungen aus der Landesstiftung "Familie in Not" geholfen. Beide Beraterinnen sind auch gut informiert über mögliche gesetzliche Leistungen in der Schwangerschaft und in der Elternzeit und geben diese in vielen Fortbildungen und durch ständiges Selbststudium erworbenen Kenntnisse gern an Ratsuchende weiter.

Vom Wissen über Liebe, Sex und Schwangerschaft der Beraterinnen, die beide selbst Mütter sind, profitieren auch Schüler in Schulen des Einzugsbereichs, die sie auf Anforderung zum Sexualkundeunterricht besuchen, oder Jugendliche bei Gruppenveranstaltungen, bei denen immer wieder auch auf die Gefahr einer AIDS-Infektion und auf Verhütungsmöglichkeiten hingewiesen wird. Viel zu wenig bekannt ist, dass Mädchen bis zum 18. Lebensjahr die Pille gratis bekommen können und junge Frauen bis 20 mit nur geringer Zuzahlung, sagt Karla Görges.

Hauptaufgabe der Schwangerschafts- und Konfliktberatungsstelle in Gardelegen sind die Gespräche mit schwangeren Frauen in Notsituationen. Davon werden dort jährlich zwischen 1000 und 1200 geführt. Die Ratsuchenden haben in der dünn besiedelten westlichen Altmark oft lange Anfahrtswege. Womöglich müssen sie bald noch weiter fahren. Denn die Zahl der derzeit vom Land geförderten Beratungsstellen soll nach einer neuen Verordnung der sinkenden Einwohnerzahl angepasst werden. Unsere junge Leserin in der Altmark, die in Kürze ihr Kind erwartet, hofft, dass Frau Görges und ihre Kollegin noch vielen anderen Frauen helfen können.