Jenny aus Langenbogen ist 20 Jahre jung und zurzeit im zweiten Lehrjahr einer überbetrieblichen Ausbildung zur Verkäuferin. Ihre derzeitige Lehrstelle wurde der gesundheitlich beeinträchtigten jungen Frau aus dem Saalekreis durch die Arbeitsagentur Halle vermittelt und es wurde ihr zugesichert, einmal wöchentlich Förderunterricht zu erhalten.

Der fand anfangs aber "nicht regelmäßig bis gar nicht statt, meine berufsschulischen Leistungen litten darunter". Sie beschwerte sich in der Schule, aber ohne Erfolg. Erst als sie sich direkt an die Arbeitsagentur wandte, "wurde mein Problem erkannt und ich bekam Recht. Mir wurde zugesichert, dass man sich darum kümmern werde und dass es einen regelmäßigen und häufigeren Förderunterricht geben werde. Dies geschah auch – aber eben nur die berühmten ersten Wochen."

Trotz aller eigenen Bemühungen der jungen Frau wurden ihre Noten dann wieder schlechter.

Der Lernstoff in der Berufsschule wurde immer schwieriger und der Förderunterricht immer seltener, um dieser Auszubildenden und Mitschülern in der Gruppe wirklich zu helfen. "Bald kommen die Prüfungen, für die ich fast schwarz sehe", schrieb die junge Frau. "Ich will es schaffen, ich will einen Berufsabschluss, um hinterher Geld zu verdienen und nicht dem Staat oder meinen Eltern auf der Tasche zu liegen. Warum aber verspricht die Arbeitsagentur zu helfen, macht Mut und wird dann den Versprechungen nicht gerecht?", endet der Brief, mit dem sich Jenny auf Empfehlung der Seelsorge hilfesuchend an die Volksstimme wandte. Wir leiteten ihr Anliegen an die Behörde in Halle weiter.

Bei der dortigen Arbeitsagentur wurden dann schon bald die Auszubildende, ihre Ausbilderin und Mitarbeiter der Agentur zur Klärung des Anliegens um einen Tisch versammelt. Ergebnis: Der Stützunterricht soll jetzt wieder regelmäßig und häuf ger erfolgen, teilte uns Jenny mit. Wegen ihrer Schwächen in Mathe hat sie vor allem Schwierigkeiten mit Kalkulation und Lagerkennziffern. Daher sei vereinbart worden, dass sie vor jedem Unterricht der Lehrerin telefonisch mitteilen wird, zu welchen Inhalten sie besonderer Unterstützung bedarf. "Die Förderung soll mir doch helfen in den Fächern, in denen ich die größten Probleme habe, weiterzukommen", sagt Jenny und hofft, dass dies in der verbleibenden Zeit bis zu den Prüfungen gelingt.

Die Agentur für Arbeit kann auf vielfältige Weise die Berufsausbildung von lernbeeinträchtigten und sozial benachteiligten Auszubildenden fördern. Sie schreitet nicht nur helfend ein, wenn eine Ausbildungsstelle in einem Betrieb ohne Förderung nicht vermittelt werden kann oder ein Abbruch der Ausbildung droht, sondern unterstützt auch wie in diesem Fall mit sogenannten ausbildungsbegleitenden Hilfen.

Diese sollen Jugendlichen, die besonderer Hilfen bedürfen, so die Arbeitsagentur, "durch Förderung des Erlernens von Fachtheorie, Stützunterricht zum Abbau von Sprach- und Bildungsdef ziten sowie durch sozialpädagogische Begleitung die Aufnahme, Fortsetzung sowie den erfolgreichen Abschluss einer erstmaligen betrieblichen Berufsausbildung in anerkannten Ausbildungsberufen ermöglichen". (goe)