Jetzt ist es endgültig: Wolfgang Schulz aus Stendal ist raus aus der "Arcor-Fankurve". Sogar rückwirkend zum 12. August dieses Jahres. Aber was war das für ein Kampf! Auf beiden Seiten. Die Telefongesellschaft Arcor, offensichtlich von Verlustängsten getrieben, sträubte sich monatelang gegen das abtrünnige Vorhaben des Kunden.

Als Wolfgang Schulz im April dieses Jahres seinen Arcor-Vertrag fristgerecht kündigte, klingelten dort die Alarmglocken. Gute Freunde lässt man schließlich nicht einfach so ziehen. Deshalb glaubte man auch sich erinnern zu können, dass der Stendaler zwei Monate zuvor den Treueschwur bis 2010 verlängert habe. Während eines Telefongesprächs mit Arcor. Der 67-Jährige konnte sich einfach nicht an eine Bündnisverlängerung erinnern. Von Stund an verbrachte er infolgedessen sehr viel Zeit am Telefon – sei es, weil er Arcor-Mitarbeiter erreichen wollte, oder sei es, weil diese ihn erreichen und um eine Fortsetzung der Freundschaft kämpfen wollten.

Des Telefonierens langsam überdrüssig geworden, besann sich Wolfgang Schulz auf einen anderen Weg – den der Post. Er verfasste Abschiedsbriefe an Arcor, etliche. Vergeblich. Das Unternehmen ließ sich nicht auf ein schriftliches Hin und Her ein, sondern blieb konsequent stumm.

Vielleicht bringt ja ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht etwas, dachte sich unser Leser und machte sich Ende Mai auf den Weg in eine der Geschäftsstellen. Dort bekam er eine Rufnummer und das Versprechen, der unter dieser Nummer erreichbare Telefonpartner könne sicher weiterhelfen.

Tatsächlich, in dem halbstündigen Gespräch räumte Arcor zerknirscht eigene Fehler ein. Auch die weitere Vorgehensweise wurde abgesteckt: Jeder sollte und wollte dem anderennoch etwas schriftlich bestätigen. Schulz bestätigte, Arcor nicht.

Der Einfachheit halber überspringen wir jetzt einfach ein paar Wochen, weil da ohnehin nichts Überraschendes geschah. Schulz schrieb, Arcor schwieg. Endlich, am 1. August, hielt der Senior ein postalisches Lebenszeichen von Arcor in den Händen. Aber was für eines! "Willkommen bei Ihrer neuen Telefongesellschaft" strahlte dem Stendaler schwarz auf weiß entgegen. Wolfgang Schulz verlor die Fassung, hatte "die Faxen gründlich dicke" und wandte sich an die Redaktion Leseranwalt.

Damit war der Schlusspfiff vorbereitet. Genervt vom monatelangen Kampf gegen den Widerstand des Kunden, zog Arcor die Konsequenzen. In der Arcor-Fankurve ist wieder ein Platz frei geworden. Wolfgang Schulz ist aus dem Vertrag raus. Das hat er inzwischen schriftlich, samt Entschuldigungsschreiben des Unternehmens. "Ich möchte mich bei Ihnen für die Klärung meines Problems mit Arcor bedanken. Nach sechs Monaten habe ich endlich Ruhe", schrieb der Senior an die Redaktion Leseranwalt.