Frage : Warum nehmen Augenärzte keine Iris-Diagnostik vor ? Es antwortet Professor Dr. Wolfgang Behrens-Baumann, Direktor der Universitäts-Augenklinik Magdeburg.

Die Iris-Diagnostik beruht auf der Annahme, dass sich jedes Körperorgan in ein bestimmtes Irisfeld projiziert und bei einer Erkrankung an diesem Irisfeld eine Veränderung eintritt. So soll sich beispielsweise der Darm um die Pupille herum gruppieren, die Niere bei halb sechs oder halb sieben Uhr peripher, das Herz und die Lunge schläfenwärts außen, die Hirnanhangsdrüse bei 12 Uhr.

Eine solche organspezifische Projektion auf die Iris ist kompletter Unsinn, wie alle Augenärzte weltweit seit über 100 Jahren wissen. Eine ähnliche Projektionstafel gibt es in Asien auch für die Füße ( so genannte foot re exology ), wo sich der Dickdarm in Richtung Ferse projizieren soll und die Augen beispielsweise zwischen dem 2. und 3. Zeh.

Tatsächlich kann der Augenarzt eine Vielzahl an Allgemeinerkrankungen am Auge erkennen, zum Beispiel Diabetes mellitus oder Bluthochdruck. Auch sind die Augen bei den verschiedenen Erkrankungen anderer medizinischer Fachgebiete wie Urologie, Dermatologie, Rheumatologie, Neurologie mitbetroffen, so dass der Augenarzt oftmals der erste ist, der aufgrund seiner Untersuchung die Diagnose aus einem anderen Fachgebiet stellen kann. Auch kann manchmal die Iris betroffen sein, zum Beispiel bei der Regenbogenhautentzündung – aber eben nicht ein bestimmtes Areal auf ein bestimmtes Organ bezogen.

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