Der Joghurt, den ich immer für meine Kinder kaufe, ist neuerdings mit Vitamin D angereichert. Ist das denn sinnvoll? Es antwortet Dr. Jutta Dierkes, Diplom-Oecotrophologin am Institut für Klinische Chemie der Uniklinik Magdeburg.

Bislang stand Vitamin D im Schatten anderer Vitamine wie zum Beispiel Vitamin C oder E. Über Vitamin D war lange Zeit nur so viel bekannt, dass es wichtig für den Calciumstoffwechsel, den Knochenaufbau und die Knochenerhaltung ist. Da es als einziges Vitamin vom Körper mit Hilfe von Sonnenlicht selbst gebildet werden kann, wurde angenommen, dass in der Allgemeinbevölkerung ein Vitamin-D-Mangel praktisch nicht vorkommt.

Da Säuglinge Vitamin D noch nicht ausreichend bilden können, erhalten sie im ersten Lebensjahr Vitamin D in Tablettenform. Seitdem ist die Rachitis, die früher eine gefürchtete Erkrankung bei Kindern war, praktisch verschwunden.

In den letzten Jahren zeigten neuere Untersuchungen jedoch, dass Vitamin D nicht nur für die Knochengesundheit wichtig ist, sondern darüber hinaus auch an der Regulation des Blutdrucks und des Blutzuckerspiegels beteiligt ist. Vitamin D wird in der Haut aus Vorstufen durch Sonnenlicht gebildet, jedoch ist nach neueren Erkenntnissen diese Eigenproduktion geringer als bisher angenommen und findet in den Wintermonaten gar nicht statt. Die Vitamin- D-Bildung in der Haut wird auch durch übermäßige Verwendung von Sonnenschutzmitteln mit sehr hohem Lichtschutzfaktor beeinträchtigt. Zudem halten sich Erwachsene und auch Kinder immer weniger im Freien auf.

Vitamin-D-reiche Lebensmittel sind Kaltwasserfi sche, wie Hering oder Makrele, Eier, Milch, Käse und Pilze. Des Weiteren wird in Deutschland auch Margarine mit Vitamin D angereichert. Jedoch erreichen über 80 Prozent der Männer und über 90 Prozent der Frauen und Kinder die empfohlene Zufuhrmenge nicht. Eine Erhöhung der Vitamin-D-Aufnahme ist somit durchaus wünschenswert, besonders in Anbetracht der möglichen gesundheitsfördernden Effekte. Gegen eine Anreicherung eines Kinderjoghurts ist aus ernährungswissenschaftlicher Sicht somit nichts einzuwenden.

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