Frage : Können Hunde wirklich besser riechen als die Menschen ? Es antwortet Tierarzt Dr. Klaus Kutschmann, Vizepräsident der Tierärztekammer Sachsen-Anhalt : Die Empfindlichkeit des Geruchssinns ist abhängig von der Gesamtgröße der Riechschleimhaut und der Anzahl der Riechzellen. Ein Mensch ist in der Lage, etwa 10 000 verschiedene Gerüche zu unterscheiden. Diese Gerüche werden von einer etwa fünf Quadratzentimeter großen Riechfläche der Nasenschleimhaut aufgenommen, die fünf bis sieben Millionen Riechzellen enthält.

Die Größe der Riechfläche der Nasenschleimhaut des Hundes ist rasseabhängig, aber erheblich größer als die des Menschen. Deshalb können Hunde Geruchstoffe besser aufnehmen und verarbeiten als der Mensch. So beträgt die Fläche der Riechschleimhaut beim Dackel etwa 75 Quadratzentimeter, beim Airedale Terrier 83, 5 Quadratzentimeter und beim Deutschen Schäferhund 150 Quadratzentimeter. Entsprechend größer ist die Anzahl der Riechzellen. Das Gehirn des Hundes kann gerochene Reize besser verarbeiten als das Gehirn des Menschen.

Außerdem beherrscht der Hund die Schnüffelatmung. Dadurch wird die Geruchsempfi ndlichkeit erheblich verbessert. Bei der Schnüffelatmung, die der Hund nur beim angestrengten Riechen anwendet, gelangen durch eine Verwirbelung der Atemluft mehr Duftstoffe an die geruchsempfi ndliche Schleimhaut.

Als Folge dieser anatomischen und physiologischen Besonderheiten ergibt es sich, dass die Differenzierungsfähigkeit von Duftstoffen beim Hund 1000 Mal besser ist als beim Menschen. Hunde orientieren sich in erster Linie über den Geruchssinn. Es ist ihr am besten entwickeltes Sinnesorgan. Menschen hingegen orientieren sich vorrangig über die Augen.

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