Frage : Wie kann man verhindern, dass man beim Anblick von Blut oder Verletzungen in Ohnmacht fällt ? Es antwortet Julia Lange, Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Magdeburg.

Leichtes Unwohlsein oder " weiche Knie " beim Anblick von Blut oder Verletzungen kennen viele Menschen. Steigern sich diese Symptome jedoch und der Betroffene wird bleich, beginnt er zu schwitzen, wird ihm übel und neigt er zu Schwäche und Ohnmacht, so spricht man von einer Blutphobie. Zwei bis drei Prozent der Allgemeinbevölkerung, überwiegend Frauen, sind davon betroffen.

Biologen erklären das mit einer evolutionär tief verwurzelten Urangst des Menschen vor Blut. Blut signalisiert höchste Gefahr, so dass der Körper ein " Notfallprogramm " aktiviert : Nach einer kurzen Erhöhung der allgemeinen körperlichen Erregung wird der Kreislauf schlagartig heruntergefahren, Herzschlag und Blutdruck sinken deutlich ab. Dadurch wird der Blutverlust verringert und die Blutgerinnung gewährleistet.

Der Betroffene wird bleich, ihm wird übel, und er hat das Gefühl jeden Moment " umzukippen ". Versackt das Blut im Extremfall in den Beinen und strömt kurzfristig nicht mehr in ausreichenden Mengen zum Gehirn, wird ihm " schwarz vor Augen ", und er fällt in Ohnmacht.

Dieses Reaktionsmuster weist Ähnlichkeiten zum sogenannten " Totstellrefl ex " aus dem Tierreich, einer Erstarrungsreaktion auf das Herannahen von Feinden, auf. Solche Verhaltensweisen sind beim Menschen in der heutigen Zeit jedoch meist fehl am Platz, weshalb viele Betroffene Hilfe suchen. Bereits eine kurze Verhaltenstherapie kann ausreichen. Hier lernt der Betroffene in einem ersten Schritt, die Ohnmachts- und Schwächeanfälle durch wechselnde Phasen von Muskelanspannung und -entspannung zu verhindern.

In einem zweiten Schritt wird er zunehmend an den Anblick von Blut gewöhnt, zum Beispiel durch Bilder von Verletzungen oder Filme von Operationen. Hier soll er merken, dass er mithilfe des erlernten Anspannungsverfahrens einer Ohnmacht vorbeugen kann und sich seine Angst durch die andauernde Konfrontation mit Blut nach und nach verringert.

Es kann in leichteren Fällen jedoch auch schon helfen vor dem geplanten Arztbesuch ausreichend zu frühstücken, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen und sich zum Beispiel bei der Blutentnahme hinzulegen und wegzusehen.

Eine relativ einfache Methode zur Vermeidung von Bewusstlosigkeit wenden Kampfpiloten bei hoher Beschleunigung an : Bei den ersten Anzeichen einer Ohnmacht mehrmals die Pobacken zusammenkneifen und die Oberschenkel anspannen. Das drückt die Venen zusammen und verhindert das Absacken des Blutes in die Beine.

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