Frage : Warum machen wir beim Niesen eigentlich die Augen zu ? Es antwortet Privatdozentin Dr. Christiane Motsch, komm. Direktorin der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde Magdeburg.

Niesen und das gleichzeitige Augenschließen sind natürliche Schutzreflexe des menschlichen Organismus. Selbst wenn man beim Niesen versuchen würde, die Augen offen zu halten, gelänge dies nicht. Der Niesreflex kann durch Fremdkörper oder Entzündungen der Nasenschleimhaut, aber auch durch Schauen in helles Licht ausgelöst werden. Gelangt z. B. ein Staubkorn in die Nase, reizt es dort die Sinneszellen. Die wiederum aktivieren das vegetative Nervensystem im Rückenmark als Schaltzentrale der Reflexe. Ein Signal veranlasst einen Bewegungsimpuls im Zwerchfell, dessen Muskeln Luft zusammenballen und in Richtung Nasennebenhöhlen leiten. Der Vorgang endet mit einem explosionsartigen

Ausstoßen der Atemluft aus der Nase. Bis heute weiß man nicht genau, wozu der gleichzeitige reflektorische Lidschluss beim Niesen eigentlich gut sein soll. Zwei Aspekte werden diskutiert :

1. Schutz der Augen vor dem beim Niesen entstehenden Überdruck ;
2. Schutz der Bindehaut der Augen vor dem im Nasensekret enthaltenen Bakterien und Viren. Unter Umständen kann der Niesreflex sogar unangenehme Folgen haben. Denn geschlossene Augen nach einer mehrmaligen Niesattacke könnten durchaus zu Unfällen führen. So sollen Allergiker ein bis zu 30 Prozent höheres Unfallrisiko im Straßenverkehr als gesunde Menschen haben.