Frage : Können auch schlanke Menschen einen Typ-2-Diabetes bekommen? Es antwortet Susanne Daul, Assistenzärztin an der Universitätsklinik für Endokrinologie und Stoffwechselkrankheiten Magdeburg.

Die Mehrzahl der Typ-2-Diabetiker ist übergewichtig, aber auch schlanke Menschen können einen Diabetes mellitus bekommen. Dabei kann es sich um einen Typ-1-Diabetes handeln, der aufgrund des schleichenden Verlaufes nicht als solcher erkannt und zunächst mit Tabletten behandelt wird. Eine Umstellung auf Insulin ist meistens nach kurzer Zeit notwendig. Bei einem schlanken Typ-2-Diabetiker könnte auch eine Störung der Insulinausschüttung aus der Bauchspeicheldrüse im Vordergrund stehen. Im Gegensatz dazu liegt bei den übergewichtigen Typ-2-Diabetikern eine verminderte Insulinwirksamkeit ( Insulinresistenz durch vermehrtes Fettgewebe ) vor.

Eine andere seltene Form des Diabetes mellitus bei jungen Normgewichtigen nennt man MODY ( Maturity Onset Diabetes of the Young ). Die MODY-Diabetesform kommt nur bei ein bis fünf Prozent aller Diabetiker vor, während der Typ-2-Diabetes der häufigste Diabetestyp ist ( 80 bis 95 Prozent aller Diabetiker, ca. acht Millionen Erkrankte in Deutschland ).

Ursächlich für die Ausbildung des MODY bei schlanken und auch relativ jungen Menschen sind verschiedene Gendefekte im Glukosestoffwechsel. Da es sich beim MODY um eine vererbbare Erkrankung handelt, ist es empfehlenswert, auch die Familienangehörigen diesbezüglich zu untersuchen. Die Gendefekte bei der MODY-Diabetesform bewirken eine verminderte Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse. Somit ist nicht mehr ausreichend Insulin vorhanden und es kommt zu einem Anstieg der Blutzuckerspiegel.

Therapeutisch gibt es je nach Schweregrad der Erkrankung verschiedene Möglichkeiten. Hierzu zählen die Einhaltung einer speziellen Diabeteskost, die Verabreichung von Tabletten, welche die Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse erhöhen oder die Gabe von kurzwirksamen Insulinen zu den Mahlzeiten.

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