Frage : Müssen Bußgelder im Ausland auch wirklich bezahlt werden ? Welche Konsequenzen gibt es für deutsche Autofahrer ? Es antwortet Michael Erdmann vom ADAC Niedersachsen / Sachsen-Anhalt :

Urlauber, die im Ausland mit dem Auto unterwegs sind, sollten sich über die dort geltenden Verkehrsvorschriften informieren. Denn : Wer gegen ausländische Verkehrsregeln verstößt, wird mitunter kräftig zur Kasse gebeten – oft fallen die Bußgelder sogar deutlich höher aus als bei uns. Grundsätzlich sind Autofahrer dazu verpflichtet, die im Ausland geltenden Verkehrsbestimmungen zu beachten. Wer gegen Regeln verstößt, muss auch damit rechnen, zur Verantwortung gezogen zu werden. Wenn dies nicht an Ort und Stelle erfolgen kann, ist im Prinzip auch eine grenzüberschreitende Vollstreckung denkbar.

Allerdings wird hier der zweite Schritt vor dem ersten getan. Sowohl die Verkehrsregeln als auch die Strafen sind in Europa teilweise noch sehr unterschiedlich. So wird etwa ein Autofahrer in Italien, der sich vor einer Autobahnmautstelle falsch eingeordnet hat und zurücksetzt, um eine andere Spur anzusteuern, mit Führerscheinentzug von sechs Monaten bestraft. Außerdem gibt es in manchen Ländern das bei uns geltende Aussage- und Zeugnisverweigerungsrecht in Verkehrssachen nicht. Stattdessen wird oft " kurzer Prozess " gemacht und an Stelle des Fahrers der Halter zur Verantwortung gezogen. Hier ist zunächst der Gesetzgeber gefordert, bei der Umsetzung der EU-Vorgaben auch die Interessen der Autofahrer in unserem Land zu wahren.

Bisher können Verkehrssünden nur im Besuchsland selbst geahndet werden. Im europäischen Ausland verhängte Bußgelder werden in Deutschland auch dieses Jahr noch nicht vollstreckt. Eine Ausnahme bildet bislang lediglich Österreich. Hier gibt es seit Jahren ein entsprechendes Abkommen mit Deutschland. In den übrigen Ländern werden Verkehrsverstöße meist sofort geahndet und die Urlauber unmittelbar zur Kasse gebeten. In Spanien etwa wird dem Verkehrssünder bei Bußgeldern bis 150 Euro dabei ein Sofortzahlungsrabatt von 30 Prozent gewährt.

Fazit : Jeder Urlauber sollte sich über die Verkehrsregeln im Reiseland und auch in Durchreiseländern informieren. ( ukl )

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