Fachärzte des Magdeburger Uniklinikums informierten in einem Telefonforum über Ursachen und Therapien häufiger Herzprobleme. Uwe Seidenfaden notierte Fragen und Antworten.

Frage: Ich bin nach 30 bis 40 Treppenstufen bereits atemlos. Was kann die Ursache sein?

Antwort:Atemnot kann verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel eine Funktionsstörung des Herzens oder der Lunge. Sie sollten zunächst den Hausarzt konsultieren, der Sie ggf. an Fachärzte weiterleiten wird. Mit einem Belastungs-EKG lässt sich beispielsweise erkennen, ob der Blutdruck unter körperlicher Anstrengung stark ansteigt und das Herz zu viel leisten muss. Es sollte auch eine Ultraschallunterschung des Herzens durchgeführt werden, um eine Erkrankung der Herzklappen auszuschließen. Mit einem Lungenfunktionstest und einem Röntgenbild der Lunge lässt sich eine schwere Lungenerkrankung erkennen.

Frage:Mein Mann hatte vor einem halben Jahr einen zweiten Herzinfarkt. Ihm wurden Gefäßstützen (Stents) in die verstopften Herzkranzgefäße eingesetzt. Seit zwei Wochen geht es ihm wieder schlechter. Er kommt schnell außer Atem und schwitzt. Was ist zu tun?

Antwort:Mitunter kommt es vor, dass sich einer der Stents verengt oder neue Engstellen an den Herzkranzgefäßen entstehen. Deshalb sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen dringend zu empfehlen. Wenn zwischenzeitlich Probleme auftreten, sollte man umgehend den Kardiologen aufsuchen. Unter Umständen ist eine erneute Herzkatheter-Untersuchung notwendig.

Frage:Wie kann es zu Erkrankungen der Herzklappen kommen?

Antwort: Herzklappenschädigungen können angeboren sein oder aber Folge eines Herzinfarktes, einer akuten Herzklappenentzündung oder eines rheumatischen Fiebers sein. Im höheren Alter treten häufig Verkalkungen der Gefäße (degenerative Klappenveränderungen) auf.

Frage:Welche Möglichkeiten des Eingriffs gibt es bei kranken Herzklappen?

Antwort:Man kann die Herzklappen des Patienten reparieren (Herzklappen-Rekons-truktion), oder man ersetzt die Herzklappen durch künstliche bzw. biologische Implantate. Das kann entweder durch eine Operation oder mit einem Herzkatheter-Verfahren geschehen. Die Wahl des Verfahrens ist abhängig von der Art der Gewebeschädigung, den Vorerkrankungen des Patienten und dessen allgemeinem Gesundheitszustand.

Frage: Kann eine undichte Aortenklappe minimalinvasiv behandelt werden?

Antwort:Ein minimalinvasiver Aortenklappen-Ersatz wird nur in wenigen universitären Zentren durchgeführt. Bei uns am Uniklinikum Magdeburg ist das möglich.

Frage:Vor einem Jahr wurde mir eine mechanische Aortenklappe eingesetzt. Seither nehme ich meinen Herzschlag besonders in der Nacht sehr stark wahr. Wäre ein biologischer Herzklappenersatz vielleicht besser gewesen?

Antwort:Beides hat Vor- und Nachteile. Künstliche Herzklappen aus Kunststoff sind nahezu unbegrenzt haltbar. Einige Patienten empfinden sie als beeinträchtigend. Zudem erhöhen künstliche Herzklappen die Embolie-Gefahr und damit das Schlaganfallrisiko. Patienten, die künstliche Herzklappen bekommen haben, müssen deshalb ein Leben lang gerinnungshemmende Medikamente einnehmen.Bei einem biologischen Herzklappenersatz gibt es diese Probleme meist nicht. Allerdings haben die Herzklappen aus Schweine- oder Rindergewebe eine begrenzte Haltbarkeit. Tendenziell empfehlen wir jüngeren Patienten deshalb eher eine künstliche Herzklappe, älteren Patienten hingegen einen biologischen Herzklappenersatz. Auch bei jüngeren Patienten kann aber unter speziellen Umständen (z.B. für Sportler, in der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch) ein biologischer Klappenersatz sinnvoll sein.

Frage:Mein Vater (77 Jahre) hatte vor fünf Jahren einen schweren Herzinfarkt. Jetzt haben die Ärzte eine nicht richtig schließende Herzklappe (Mitralklappen-Insuffizienz) festgestellt. Die Ärzte halten das Risiko einer offenen OP für sehr groß. Welche Alternativen gibt es?

Antwort: Prinzipiell kann man eine gestörte Herzklappenfunktion im Rahmen einer offenen Operation wiederherstellen oder mit einem Implantat ersetzen. Ist eine Rekonstruktion möglich, hat das den Vorteil, dass der Patient damit genauso gut wie mit seiner eigenen Herzklappe leben kann. An der Mitralklappe wird das oft in minimalinvasiver Technik mit einem kleinen Schnitt auf der rechten Brustseite durchgeführt (Schlüssellochtechnik).

Manche Patienten haben jedoch ernsthafte Vorerkrankungen, die das Risiko einer Operation am offenen Herzen erhöhen. Unter diesen Umständen kann eine Abdichtung der Klappe mit einer speziellen Kathetertechnik erreicht werden. Welches Verfahren zu Anwendung kommt, sollte in einem Herzzentrum, in einem Team von Herzchirurgen und Kardiologen entschieden werden.

Frage: Mein Lebenspartner ist erst 48 Jahre alt. Er ist Nichtraucher, normalgewichtig und seit vielen Jahren Ausdauerläufer. Doch in letzter Zeit fühlte er sich häufig schlapp und schnell ausgelaugt. Bei der ärztlichen Untersuchung wurde eine Herzklappenverengung (Stenose der Mitralklappe) festgestellt. Wie konnte es soweit kommen?

Antwort: Mitralklappen-Stenosen entstehen häufig durch Verkalkungen der Klappe bei älteren Patienten oder auch als Folge einer Herzklappen-Entzündung bei jüngeren Patienten, z.B. nach einer nicht vollständig auskurierten Grippe. Sportlern wird deshalb empfohlen, bei einer Grippe das Training auszusetzen.

Frage: Ich war zeit meines Lebens sportlich aktiv. Kann ich mich nach einem Mitralklappen-Ersatz wieder körperlich belasten, z.B. Fahrrad fahren oder wandern?

Antwort: Nach einer vorübergehenden Phase der Erholung von der Operation ist eine angemessene körperliche Belastung nicht nur möglich, sondern auch ratsam. Wie sehr Sie sich belasten können, sollten Sie individuell mit Ihrem behandelnden Kardiologen besprechen. Unter- und auch Überbeanspruchungen sollten vermieden werden. In den meisten Fällen gibt es eine deutliche Besserung der Lebensqualität. Dazu zählen u.a. auch das Fahrradfahren und Wandern.

Frage: Ich bin 59 Jahre und hatte eine große Herz-Operation. Dabei habe ich viele Blutkonserven bekommen. Ich will mich bei allen unbekannten Spendern bedanken. Sie und die Ärzte haben mein Leben gerettet.

Antwort: Diesen Dank geben wir hiermit gerne weiter an alle Blutspender.

 

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