Berlin (dpa) l Bei Beschwerden im Brustkorb und angrenzenden Körperteilen denken nur wenige Menschen an ihr Herz. Betroffene schieben solche Probleme gerne auf andere Organe - und laufen damit Gefahr, einen Herzinfarkt zu ignorieren. Das sei leichtsinnig, sagte Prof. Thomas Meinertz von der Deutschen Herzstiftung. "Immer, wenn Sie Beschwerden im Brustkorb oder den umliegenden Regionen haben, die Sie noch nie gehabt haben, sollten Sie die 112 wählen."

Er warnte eindringlich davor, eigene Deutungen von Problemen wie Brennen, Schmerzen oder Druck rund um die Brust vorzunehmen: "Viele Patienten wissen es genau und sagen, das kommt von der Speiseröhre, ich habe was Schlechtes gegessen, ich habe mich falsch bewegt." Das sei grundfalsch.

Noch immer versterben mehr Menschen außerhalb eines Krankenhauses an einem Herzinfarkt als innerhalb. Das geht aus dem aktuellen Deutschen Herzbericht hervor. Zwei Gründe gibt es nach Angaben von Meinertz dafür: "Die Betroffenen haben die Beschwerden falsch gedeutet und daher nicht den Notruf gewählt. Oder sie haben sie richtig gedeutet, aber trotzdem nicht die 112 gerufen."

Ein Herzinfarkt sei heute ein gut behandelbares Krankheitsbild. Mit jeder Minute, die der Notarzt zu spät alarmiert werde, sinke aber die Chance, dass man den Infarkt so übersteht, als wenn er gar nicht aufgetreten wäre.

Bei einem Infarkt stirbt Herzmuskelgewebe ab, weil es nicht mehr ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe bekommt. Das passiere in Abhängigkeit von der Zeit, erklärte Meinertz: "Vom Zeitpunkt Null, dem Schmerzbeginn, in den ersten 20 Minuten kaum, und dann bis zu sechs Stunden, kann man im Mittel sagen, ist das ganze Gewebe abgestorben." Das abgestorbene Gewebe sei unwiederbringlich verloren.

Daher sollte bereits in der ersten Stunde nach Schmerzbeginn die Notarzt-Behandlung erfolgen. De facto geschehe das aber meist erst zwischen der zweiten und der dritten Stunde. "Da liegt ein Gipfel, und dann ist es eben schon in vielen Fällen zu spät."