So kommen Allergiker besser durch den Alltag

Hüte und Brillen benutzen. Sie halten Pollen von Augen und Nase fern.

Im Fahrzeug Fenster geschlossen lassen und Lüftungsanlage mit Pollenfiltern ausstatten. Filter einmal jährlich auswechseln.

Wenn möglich in geschlossenen Räumen aufhalten.

Pollenschutzgitter für die Fenster benutzen. Auch für Lüftungs- und Klimaanlagen

Filter einsetzen.

Bei extremer Empfindlichkeit eine Atemmaske benutzen.

Oberste Schicht Kleidung in Innenräumen ablegen und vor allem vom Schlafzimmer fernhalten.

Haare häufig waschen, vor allem vor der Nachtruhe, damit Pollen nicht ins Kissen und dann in Nase und Augen kommen.

Nase regelmäßig spülen.

Wien/Mönchengladbach (dpa) l Einatmen. Ausatmen. Nichts machen Menschen so selbstverständlich wie dies. Leider verirrt sich dabei so einiges in die Atemwege, was dort für Beschwerden sorgt. Pflanzenpollen sind an sich harmlos, das Immunsystem von Pollenallergikern nimmt sie jedoch als Bedrohung wahr und mobilisiert die Körperabwehr. Bei manchen juckt dann nur die Nase, andere müssen niesen, haben tränende Augen, Atemnot und eine verstopfte Nase.

Die Übeltäter kommen aus der Luft. "Theoretisch sind Pollen über tausend Kilometer hinweg transportabel", sagt Uwe E. Berger von der Medizinischen Universität Wien. Er ist Leiter der Forschungsgruppe Aerobiologie und Polleninformation. Das Vorkommen der Pollen wird in Europa genau erfasst: Daten von rund 400 Pollenfallen sammelt das European Aeroallergen Network (EAN).

"Die beste Therapie für Pollenallergiker ist die Vermeidung des Allergens", sagt der Aerobiologe. Polleninformationen und -vorhersagen helfen dabei. Um zu wissen, ob und auf welchen Stoff man allergisch reagiert, ist eine Allergiediagnostik nötig. "Das erfolgt über einen Haut- oder Bluttest", erklärt die Biologin Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) in Mönchengladbach.

"Beide Testmethoden sind aussagekräftig", ergänzt Prof. Karl-Christian Bergmann, Vorsitzender der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst und Allergologe am Allergiezentrum der Berliner Charité. "Sie zeigen, ob Antikörper vorhanden sind, die eine Sensibilisierung belegen." Zusammen mit den klassischen Symptomen wie Jucken und Schleimhautreizungen spricht man von einer Allergie.

Laut DAAB leiden bis zu 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland unter einer Pollenallergie. Warum jemand zum Allergiker wird, ist unklar. Hat ein Elternteil oder haben sogar beide eine Allergie, so ist eine Vererbung sehr wahrscheinlich. "Ohne entsprechende Erbanlagen liegt die Wahrscheinlichkeit einer Allergie bei sieben bis acht Prozent", erläutert Bergmann. Ihm zufolge wirkt sich das Stillen von Säuglingen bis zum vierten Lebensmonat positiv, aktives oder passives Rauchen negativ aus, was die Entstehung einer Allergie angeht. Außerdem braucht das Immunsystem des Menschen in den ersten beiden Lebensjahren Herausforderungen. "Die absolute Vermeidung von Bakterien ist jedenfalls nicht sinnvoll."

Eine Allergie kann in jedem Alter auftreten und sich im Laufe des Lebens verändern. Jeder Betroffene reagiert auf Allergene anders: "Es gibt keinen allgemeinen Schwellenwert für das Auftreten von Symptomen", sagt Berger. Die Empfindlichkeit gegenüber Pollen ist nicht nur individuell unterschiedlich, sie verändert sich auch im Laufe der Pollenflugsaison. Außerdem können Schadstoffe Pollen so verändern, dass sie aggressiver werden, warnt der DAAB.

Gefährlich an der landläufig als Heuschnupfen bezeichneten Pollenallergie ist ein mögliches allergisches Asthma. "Darunter leiden dann die unteren Atemwege", erklärt Schwalfenberg. Um so eine gesundheitliche Beeinträchtigung zu vermeiden, müssen Betroffene lernen, mit der Allergie umzugehen. Neben Strategien für den Alltag sei eine Hyposensibilisierung ratsam. Dabei wird der Patient durch eine dreijährige Therapie an das Allergen "gewöhnt", umschreibt Bergmann das Verfahren.

Auch Medikamente können gegen die Allergie eingesetzt werden: "Antihistaminika wirken gegen alle Formen von allergischem Schnupfen", erklärt Bergmann. Die meist rezeptfreien Präparate unterdrücken das Histamin, einen Botenstoff des Körpers, der für die Entzündungsreaktion verantwortlich ist. Bei starken Allergien können Ärzte auch Kortison verschreiben, das in der Regel lokal eingesetzt wird, zum Beispiel als Spray.

Pollenallergiker haben immer häufiger ein zusätzliches Problem: die Kreuzallergie. "Dabei reagiert man auch auf verschiedene Nahrungsmittel, bei einer Haselpollenallergie etwa auch auf Äpfel", erklärt Biologin Schwalfenberg. Betroffen ist laut Bergmann jeder zweite Pollenallergiker. Immerhin: Gekocht kann das Obst noch genossen werden, roh sollte man die Finger davonlassen.

Eine Allergie spielt auch bei der Urlaubsplanung eine Rolle. Durch das EAN gibt es europaweit Informationen über die Pollenverbreitung. "Außerhalb Europas ist die Situation sehr unterschiedlich, teils sind kaum Informationen verfügbar", sagt Aerobiologe Berger. Da hilft es nur, sich über die Blütezeit und Verbreitung der Pflanzen zu informieren.