Bei aller Pflege: Selbst wer sein Auto stets durch die Waschstraße gefahren hat, sollte es nach dem Winter einer gründlichen Kur unterziehen. Der Frühjahrsputz steht an. In diesem Jahr können Fahrer beim Zubehör sogar schon an eine ab Juli geltende Neuregelung denken.

Berlin (dpa) l Pechschwarze Finger - die bekommt man schnell. Man muss nur die Kofferraumklappe eines Autos zuschlagen, das ein paar Kilometer auf winterlichen Straßen unterwegs war. Die Fahrt durch Schlamm und Gelände ist das eine, im Winter aber hat wohl jedes Auto seine Packung Dreck abbekommen. Aufwirbelnder Staub in Verbindung mit Feuchtigkeit und Resten von Streusalz lassen blankes Blech in der kalten Jahreszeit schnell matt aussehen. Naht der Frühling, sollten Autofahrer an ein ausgiebiges Wellness-Programm für ihren Wagen denken.

Im Winter besonders beansprucht wird durch Rollsplitt und Streusalz der Lack eines Autos. Der ADAC rät deshalb, vor der Fahrt durch die Waschanlage hartnäckigem Schmutz mit einem Hochdruckreiniger zu Leibe zu rücken. Entfernen Autofahrer die groben Partikel nicht vorab, riskieren sie Lackschäden. Denn zusammen mit den Bürsten und Lappen könnten sie in der Waschstraße wie Schmirgelpapier wirken.

Womöglich ist der Lack durch Splitt aber ohnehin schon beschädigt. Auf sauberem Lack werden die betreffenden Stellen sichtbar. Sie sollten zum Beispiel mit einem Lackstift schnell ausgebessert und anschließend konserviert werden. Ansonsten drohen kleine Rostpickel, deren Reparatur weit teurer ausfallen kann, so der ADAC. Beim Ausbessern sollten laut dem TÜV Süd aber mindestens 15 Grad herrschen, ansonsten härte die Farbe nicht richtig durch.

Das Frühjahrs-Wellness-Programm fürs Auto sollte neben der Unterboden- bei Bedarf auch eine Motorwäsche umfassen, falls der Motor ebenfalls mit Salzresten und anderem rostfördernden Schmutz besudelt ist. Aber Vorsicht: "Bei der Motorwäsche kann viel schiefgehen", warnt TÜV-Experte Philip Puls. Weil Steuergeräte oder Leitungen Schaden nehmen könnten, sollten Autobesitzer die Motorwäsche dem Fachmann überlassen, rät auch Hans-Jürgen Götz von der Prüforganisation GTÜ in Stuttgart: "Wenn ich den Dampfstrahler falsch ansetze, kann es sein, dass der Motor nicht mehr anspringt." Inklusive anschließender Konservierung des Motorraums verlange ein Profi um die 30 Euro dafür.

Um das typische Risiko beschlagener Scheiben bei steigenden Außentemperaturen zu umgehen, muss der Innenraum des Autos möglichst trocken sein. Nach dem Winter, wenn Schnee in den Wagen gelangt ist, sollte alles, was Feuchtigkeit speichert, gut durchlüftet werden. Fußmatten und herausnehmbare Teppiche trocknen laut dem TÜV Süd am besten außerhalb des Fahrzeugs. Ansonsten hilft es, so oft wie möglich mit geöffnetem Fensterspalt oder gekipptem Schiebedach in den Frühling zu fahren. Wenn der Boden feucht ist, kann er vorübergehend mit Zeitungspapier ausgelegt werden, ergänzt der ADAC.

Bevor die Winterräder runterkommen, empfiehlt sich eine Spezialbehandlung der Felgen. Nur so könnten dauerhafte Spuren vermieden werden. Vor dem maschinellen Reinigen der Felgen in der Waschstraße empfiehlt die GTÜ, säurefreie Spezialreiniger auf die Räder aufzusprühen - gegebenenfalls müsse später von Hand mit einem weichen Tuch nachpoliert werden. Generell sollte erst von Winter- auf Sommerreifen gewechselt werden, "wenn garantiert nicht mehr mit Schnee- und Eisglätte gerechnet werden muss", betont die Prüforganisation.

Besonders schmutzig ist nach einem Winter auch der Innenraum eines Autos. Das probate Gegenmittel ist zunächst der Staubsauger. Doch bevor der eingesetzt wird, gilt es den Wagen zu entrümpeln. Übliche Winterutensilien wie Schneeketten, Streusand oder eine Schneeschaufel sind beim Großreinemachen nicht nur im Weg, sondern erhöhen an Bord des Autos unnötig den Spritverbrauch. Laut einer Faustregel des ADAC können 100 Kilogramm Mehrgewicht einen Mehrverbrauch von bis zu 0,3 Liter auf 100 Kilometer verursachen.

Ein Zubehörteil kann aber neu mitgenommen werden - falls nicht schon vorhanden: "Wenn man schon mal dabei ist, kann man sich vorausschauend eine Warnweste zulegen", sagt GTÜ-Sprecher Götz. Denn ab 1. Juli gehört in jedes Auto mindestens eine Warnweste in gelber oder orangefarbener Tagesleuchtfarbe mit Reflektorstreifen, die der europäischen Norm ISO 20471 entspricht. Besser sei es, für den Pannenfall auch für alle Mitfahrer Warnwesten an Bord zu haben.

Ist aller grober Schmutz und Splitt mit dem Sauger entfernt, sind die Kunststoffflächen an der Reihe. Hierfür eignet sich als Alternative zu teuren Spezialreinigern laut dem TÜV am besten ein feuchter Lappen mit etwas Spülmittel. Aggressive Haushaltsreiniger sind dagegen tabu. Die Scheiben lassen sich der GTÜ zufolge besonders gut mit einem Mikrofasertuch oder Küchenpapier reinigen, das mit herkömmlichem Fensterputzmittel getränkt wird. Bei der Scheibenreinigung sollten die Außenflächen nicht vergessen werden. Schmieren die Wischerblätter dauerhaft oder sind sie brüchig, muss Ersatz her.

Ebenfalls verschlissen ist womöglich der Pollenfilter - wenn auch nicht typischerweise nach dem Winter. Vor der Pollensaison empfiehlt sich ein Wechsel. "Diese Filtereinsätze gehören zu den wartungsintensivsten Autoteilen", sagt TÜV-Experte Puls. Ob klassischer Pollenfilter oder Multifilter mit Aktivkohleschicht gegen Gerüche - der Austausch ist Sache einer Fachwerkstatt. Selbst erneuern kann der Halter dagegen das Wischwasser. Dazu spritzt er es leer und füllt den Behälter mit einem Reinigungszusatz gegen Insekten, Pollen und Blütenreste statt gegen Frost wieder auf.

Nach klirrender Kälte neigt auch manches Scharnier zum Knarren. Ein Tropfen Universalöl oder ein bisschen Sprühfett verhelfen dem TÜV zufolge Tür- oder Haubenscharnieren zu längerer Lebensdauer. Wenn diese gut zugänglich sind, sollten sie vorab mit einem Lappen gereinigt werden.