Barcelona (dpa) l Einfach an der Kasse mit dem Smartphone bezahlen - Banken, Mobilfunk-Provider, Smartphone-Hersteller und unzählige Start-up-Unternehmen stehen für diese Vision längst in den Startlöchern. Lange schien die Nahfunk-Technik NFC die besten Aussichten zu haben, dabei zum weltweiten Standard zu werden. Auf der Mobilfunk-Messe Mobile World Congress in Barcelona werden zahlreiche neue Einsatz-Szenarien zu sehen sein. Doch zum großen Durchbruch kam es bislang nicht.

Nun könnte aber von ganz anderer Seite Konkurrenz nahen. Der altbekannte Blue-tooth-Standard hat in seiner neuen Funktion das Zeug, sich bei der mobilen Kommunikation und selbst bei Transaktionen einen deutlichen Vorsprung zu verschaffen, schätzen manche Beobachter.

Bluetooth wurde als Standard bereits in den 90er Jahren entwickelt. Anders als NFC kann die Technologie Entfernungen bis hin zu 100 Meter überbrücken. Ursprünglicher Zweck des Übertragungsstandards, der nach dem dänischen König Blaubart benannt ist, ist der kabellose Austausch von Daten wie etwa vom PC zum Drucker. Inzwischen sind nun neue Anwendungen auf dem Markt, die das Potenzial des Funkstandards voll ausschöpfen sollen.

NFC sei inzwischen in nahezu allen Android-Smartphones integriert, betont Jeff Miles, Manager des NFC-Chip-Herstellers NXP. Damit sei die Technik als allgemeiner Standard etabliert. Auf einer Smartphone-Plattform fehlt NFC allerdings: Apple geht nämlich einen anderen Weg, auch in den aktuellen iPhone-Modellen haben die Ingenieure aus Kalifornien bewusst auf einen NFC-Chip verzichtet. Dafür integriert Apple Bluetooth und nutzt in einigen Apple Stores in den USA bereits sogenannte iBeacons für die Kundenkommunikation.

"Der Einzelhandel wird der erste Bereich sein, der auf Beacons setzen wird, aber das ist erst der Anfang für Beacons, die auf Bluetooth Smart beruhen", ist Suke Jawanda, Marketing-Chef bei Bluetooth SIG überzeugt. Der zu eBay gehörende Bezahldienst PayPal testet derzeit als starker Partner standortbasierte Zahlungsmöglichkeiten mit Beacons in einigen Läden in den USA. Weitere Pilotprojekte sind in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Kanada geplant.

Eine Stärke von Bluetooth könnte sein, dass der Funkstandard zusammen mit den Beacons und entsprechender Software neben dem mobilen Bezahlen weitere Möglichkeiten bietet. So könnte ein Lebensmittelladen - wenn der Kunde es wünscht - über die Smartphone-App ermitteln, wann er zuletzt Milch gekauft hat und ihn an Nachschub erinnern, wenn er gerade vor dem Milchregal steht. "Die Anpassung von Bluetooth Smart für den Einsatz im Einzelhandel bildet die Basis für eine explosionsartige Entwicklung der Beacon-Technologie in den nächsten Jahren", ist sich Jawanda sicher.