Egal, ob im Restaurant, auf der "Wetten, dass ..."-Couch oder auf einer Beerdigung: Ohne Blumen geht nix. Nur warum bloß? Schließlich welkt das Grünzeug doch nach ein paar Tagen schon wieder.

Hannover (dpa)l "Vielen Dank für die Blumen", sang Udo Jürgens schon in den 80er-Jahren, und auch heute sind Rosensträuße oder ein Bund Tulpen aus dem Alltag kaum wegzudenken. Rund 37 Euro haben die Deutschen pro Kopf für Schnittblumen im vergangenen Jahr ausgegeben, gibt die Agrarmarkt-Informationsgesellschaft in Bonn an. Das waren insgesamt fast drei Milliarden Euro. Der Markt mit Rosen, Tulpen und Nelken gilt als relativ stabil. Bleibt die Frage, wo Blumen überall gefragt sind und warum.

Feste

"Die Blume begleitet den Menschen durch sämtliche emotionale Momente des Lebens", sagt Nicola Fink, Sprecherin des Bundesverbands Deutscher Floristen. Tatsächlich: Ob Taufe, Geburtstag oder Hochzeit - Blumen gehören immer dazu.

Warum: "Ein Blumenstrauß ist ein bisschen wie ein Feuerwerk", erklärt Trendforscher Andreas Steinle. Ein Moment werde damit veredelt. Dabei sei die Vergänglichkeit wichtig, denn der Augenblick wäre nichts Besonderes, wenn er ewig dauerte, die Blume also nie verwelken, das Feuerwerk nie verpuffen würde.

Politik/Showbusiness

Der Politiker, der eine Wahl gewinnt (oder verliert), und der Promi, der sich auf die "Wetten, dass ..."-Couch setzt, haben eines immer gemeinsam: Den Blumenstrauß, den sie irgendwann in die Hand gedrückt bekommen.

Warum: "Wenn da ein Herr im grauen Anzug steht, lockert ein Blumenstrauß das Bild gleich auf", sagt Fink. Zudem seien Blumen unverfänglich im Gegensatz zu einer Flasche Wein. Doch was passiert damit? Nehmen Stars und Spitzenpolitiker die Sträuße mit nach Hause? "Die Entsorgung spielt im Moment des Schenkens keine Rolle", sagt Steinle. Am Ende bekomme ihn halt ein Mitarbeiter oder der Taxifahrer, der ihn wiederum seiner Frau schenke: "Blumen finden ihren Empfänger."

Restaurant

Frische Schnittblumen in großen Vasen, bunte Tulpen in Glasflaschen: Viele Bars oder Restaurants hübschen ihr Interieur mit Blumen auf.

Warum: "Man kann mit Blumen sehr gut Stimmung erzeugen", sagt Trendforscher Steinle. Ins Restaurant gehe man schließlich nicht nur wegen des Essens, sondern weil man ein bestimmtes Gefühl verspüren wolle.

Zu Hause

Bunte Gerberablüten in verlebten Keramiktöpfen oder langstilige Lilien in futuristischen Glasvasen - wer Wohnungsblogs anschaut, gewinnt den Eindruck, dass kein Zuhause mehr ohne frische Schnittblumen auskommt.

Warum: "Wenn das Wetter schön ist, fällt der Gang in das Blumengeschäft leichter. Umgekehrt gilt: Wenn es draußen grau ist, tut ein Farbklecks in der Wohnung gut", beschreibt Fink die Vorliebe der Menschen für Blumen zu Hause. Trend-Experte Steinle ergänzt: "Das Arrangieren von Blumen im Haus lässt die eigene kreative Ader erblühen." Zudem stehe die Blume symbolisch für Natur. Und die sei noch nie so wichtig wie heute gewesen. In einer durchtechnisierten, künstlichen Welt schaffe ein Blumenstrauß die Verbindung zur Natur.

Krankenhaus/Friedhof

Neben den meisten Krankenbetten stehen kleine Sträuße, und viele Gräber gleichen unmittelbar nach der Beisetzung einem Blumenmeer aus Kränzen.

Warum: "Die Blume hat tröstende Wirkung und gibt Halt", sagt Nicola Fink über Blumen bei Trauerfeiern und auf Beerdigungen. Das unterschätzten aber viele, der Trend gehe zu anonymen Bestattungen ohne Blumenschmuck. So werde ein Begräbnis aber schnell trostlos. Im Krankenhaus wiederum sei die Blume ein Zeichen der Aufmerksamkeit, mit dem man einfach nichts falsch machen könne.

Zwischenmenschliches

Rote Rosen zum Valentinstag oder selbst gepflückte Gänseblümchen zur ersten Verabredung mit dem neuen Freund aus dem Kindergarten oder der Schule - Blumen verbinden.

Warum: Blumen zu verschenken, ist ein Ritual, sagt Trendforscher Steinle. "Und Rituale sind sozialer Schmierstoff." In einer Welt der Unverbindlichkeiten sende die Blume das Signal "Du bist mir wichtig". Das funktioniere in allen Kulturen. Falsch machen kann man da eigentlich nichts - fast. "Zum Date einen Kaktus mitbringen - das sollte man dann doch nicht tun."

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