Berlin (dpa) l Alleinreisende haben auf Bahnhöfen, in Zügen oder Bussen leicht ein mulmiges Gefühl. "Dieses subjektive Empfinden entspricht jedoch meist nicht der Realität", sagt Jürgen Ostländer, Präventionsbeauftragter der Bundespolizei. "Bahnhöfe sind heute in der Regel sehr gut überwacht." Wenn es zum Konflikt kommt, gebe es meist eine Vorgeschichte - und die können die Reisenden zumindest beeinflussen.

Rücksichtnahme und Aufmerksamkeit seien die besten Mittel zur Gewaltprävention, sagt Ostländer. Angetrunkene Personen solle man im Zweifel lieber ignorieren und ihnen aus dem Weg gehen, als sie mit Kommentaren schlimmstenfalls zu provozieren. Auch im Zug sollte man Abstand zu aggressiv wirkenden Personen wahren: "Reisende sollten lieber aussteigen oder sich umsetzen, wenn sich eine aufdringliche Person neben sie setzt oder eine auf Krawall gebürstete Gruppe das Abteil betritt", empfiehlt der Präventionsbeauftragte.

Ohnehin ist es ratsam, sich eher in einem Abteil mit mehreren friedlichen Reisenden aufzuhalten, die im Konflikt eingreifen können - und vermutlich auch würden. "Eine direkte, laute und eindeutige Ansprache hilft fast immer", berichtet Ostländer von seinen Erfahrungen im Präventionstraining. "Sagen Sie nicht einfach "aufhören". Sagen Sie zum Beispiel "Sie dort in der schwarzen Jacke: Der Mann belästigt mich, helfen Sie mir."

Und gerät die Situation doch außer Kontrolle, sollten Reisende keine Scheu haben, umgehend die 110 zu wählen und den Schaffner, Lokführer, Busfahrer oder das Sicherheits-personal am Bahnhof zu informieren. Dafür stehen meist auch Notrufsysteme zur Verfügung. "Niemand ist böse, wenn sich die Situation dann doch friedlich löst", sagt Ostländer.