Welche Zinsen werden beim Überziehen fällig?

Bei Dispozinsen muss generell zwischen einem Konto im erlaubten Minus ("Dispokredit") und einem Konto im geduldeten Minus ("Überziehen") unterschieden werden

Für beide Arten werden bei den meisten Banken verschiedene Zinssätze fällig.

Ein Aufschlag muss gezahlt werden, wenn im Rahmen einer "geduldeten Überziehung" Geld über den Dispo hinaus in Anspruch genommen wird.

Etwa zehn Prozent sind es im Schnitt beim erlaubten Minus. Durchschnittlich 14 Prozent, wenn der Bankkunde sein Konto überzogen hat.

Dieser Überziehungszins ist vielen Verbraucherschützern seit langem ein Dorn im Auge, denn er liegt nach Einschätzung von Experten viel zu hoch.

Ein Verzicht auf den Überziehungszins ist aus Sicht des Verbraucherzentraler Bundesverbandes richtig.

Der Verband fordert außerdem eine Auskunftspflicht der Banken gegenüber Kunden, die sich über längere Zeit im Dispo befinden.

Commerzbank-Chef Martin Blessing hat sich kürzlich für ein Gesetz gegen die dauerhafte Nutzung von Dispo-Krediten ausgesprochen.

Düsseldorf (dpa) l Dispokredite sind praktisch - und teuer. Mancher wittert Abzocke, doch haben die Verbraucher kaum eine Handhabe gegen die hohen Zinsforderungen der Institute: "Die Höhe der Dispozinsen wird nur durch die Sittenwidrigkeit begrenzt", erklärt Christian Urban von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Die Hürde dafür ist jedoch sehr hoch: Der Zinssatz müsste, so die Faustregel, mindestens 100 Prozent über den marktüblichen Preisen liegen." Diese bewegen sich laut Stiftung Warentest jedoch lediglich bei etwa 11 Prozent.

"Wem die Zinsen zu hoch scheinen, der kann das Gespräch mit der Bank suchen", empfiehlt Urban. "Eine rechtliche Auseinandersetzung sollte man sich alleine wegen des Kostenrisikos jedoch gut überlegen." Das Beste sei, den Dispo nie dauerhaft in Anspruch zu nehmen. Und auch wer ihn ab und an nutzt, sollte die Kosten im Blick behalten und im Zweifelsfall die Bank wechseln.

Um die hohen Kosten zu senken, kommt in manchen Fällen auch eine Umschuldung infrage, zum Beispiel in Form eines Ratenkredites. "Wer bereits überschuldet ist, für den ist das allerdings keine Lösung." Für Bankkunden ergeben sich viele Fragen, die allgemeinerer Natur sind:

Warum sind Dispokredite vergleichsweise teuer?
Die Kreditinstitute argumentieren mit den Kosten und den höheren Risiken. "Für die Bank ist die Bereitstellung eines solchen Dispokredites ziemlich teuer, das liegt an den höheren Kosten für Verwaltung und Ausfall", sagt Commerzbank-Chef Martin Blessing in einem "Bild"-Interview. Nach Angaben des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes (VzBv) ist das Ausfallrisiko von Dispokrediten allerdings deutlich geringer als bei billigeren Konsumentenkrediten. Bei Dispokrediten liege das Risiko bei 0,3 Prozent, bei Verbraucherkrediten hingegen bei 2,5 Prozent.

Wie viele Menschen sind überhaupt im Minus?
Nach einer Umfrage des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hatten 2012 16,5 Prozent aller Kunden von Geldhäusern in Deutschland einen Dispo- oder Überziehungskredit in Anspruch genommen. Im Schnitt waren sie mit 4383 Euro im Minus. Insgesamt haben Privatpersonen in Deutschland nach aktuellen Zahlen der Bundesbank ihre Konten um 11,86 Milliarden Euro überzogen. Die Tendenz ist allerdings rückläufig. Ende 2008 betrug der negative Saldo noch 17,06 Milliarden Euro.

Welche Banken haben bisher den Überziehungszins abgeschafft?
Bisher sind es vor allem Direktbanken und kleinere Institute. "Großbanken ziehen wohl nicht so schnell nach", schätzt FMH-Finanzberaterin Sigrid Herbst.