Zu oft werden die Symptome nicht ernst genommen. Am heutigen Tag gegen den Schlaganfall wird über die schnelle Erkennung der Gerinnungsstörung im Gehirn aufgeklärt. Dazu gibt es jetzt sogar eine App.

Magdeburg l Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute. Das haben der finnische Wissenschaftler Dr. Atte Meretoja und seine Kollegen jetzt mit einer Studie belegt und im amerikanischen Fachmagazin "Stroke" veröffentlicht. Jede Minute, mit der nach einem akuten Schlaganfall mit der Thrombolyse, das heißt der Auflösung des Gerinnsels mithilfe von Medikamenten, begonnen werde, verschaffe dem Patienten im Durchschnitt 1,8 gesunde Lebenstage mehr. Je jünger der Betroffene sei, desto stärker sei der Effekt. Über 13 Jahre hatten die Forscher 2258 Schlaganfallpatienten in Australien und Finnland untersucht.

Der heutige "Tag gegen den Schlaganfall", den die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ins Leben gerufen hat, dreht sich um die Früherkennung der Gerinnungsstörung, die dafür sorgt, dass das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt wird. Typische Anzeichen sind Lähmungserscheinungen, eine undeutliche Sprache oder ein hängender Mundwinkel (siehe Infokasten). "Bei solchen Anzeichen die 112 wählen und nicht selbst ins Auto steigen", rät Mario Leisle, Pressesprecher bei der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Um die Früherkennung für Laien zu erleichtern, hat die Stiftung eine mehrsprachige App für Smartfones und Tablets entwickelt. Sie ist auf der Internetseite zu finden.

Neben der Früherkennung ist auch eine schnelle medizinische Versorgung wichtig. Denn je früher die Behandlung einsetzt, desto größer sind auch ihre Erfolgsaussichten. Maximal bis 4,5 Stunden nach einem Schlaganfall kann eine intravenöse Thrombolyse erfolgen. Später kommen nur noch bei einzelnen Patienten hochspezialisierte Techniken in Betracht, um die unterbrochene Blutversorgung wiederherzustellen, die nur an sehr wenigen Orten jederzeit verfügbar sind.

Nur 4,5 Stunden nach dem Schlaganfall bleibt Zeit

Inzwischen gibt es in Deutschland Schlaganfall-Spezialstationen an 250 Krankenhäusern, die sich gezielt um die Akutversorgung der Patienten kümmern. Auch am Universitätsklinikum Magdeburg sowie an mehreren anderen Krankenhäusern in Sachsen-Anhalt (siehe Infokasten) wurden solche Stroke-Units eingerichtet.

Doch es ist nicht unbedingt notwendig, dass ein Schlaganfall-Patient gleich dort eingeliefert wird. "Wir können mit vielen Krankenhäusern inzwischen über eine Standleitung kommunizieren, erklärt Oberarzt Dr. Claudius Bartels. Das heißt, er kann die Aufnahmen, die per CTG vom Gehirn des Patienten im örtlichen Krankenhaus gemacht werden, per Videokonferenz anschauen und auswerten und sogar den Patienten mit Hilfe der Kollegen vor Ort untersuchen.

Handelt es sich tatsächlich um einen weniger als 4,5 Stunden zurückliegenden Schlaganfall, bedingt durch eine Unterbrechung der Blutversorgung in einem Teil des Gehirns, und gibt es keine Gründe, die gegen eine Thrombolyse sprechen, kann vor Ort sofort begonnen werden, die gerinnungslösenden Medikamente zu geben.

Bei komplizierten Fällen ist dies sogar möglich, während der Patient mit dem Krankenwagen zur nächsten Stroke-Unit gefahren wird, um eventuell weitere Maßnahmen zur Wiederherstellung der Durchblutung der betroffenen Gebiete zu ergreifen. "Inzwischen kommen die Leute früher", berichtet Bartels. Ein Problem sei es eher noch, dass sie schnell an der richtigen Stelle landeten. Das habe sich durch die Stroke-Units jedoch schon sehr verbessert. Pro Jahr erleiden in Deutschland rund 270000Menschen einen Schlaganfall, die Sterblichkeit sank aber in den letzten 20Jahren um 37Prozent in den westlichen Industrienationen.www.schlaganfall-hilfe.de