Berlin (dpa) l Beim Umgang mit chronischem Stress ist es wichtig, selbst über das Gleichgewicht zwischen Job und Freizeit zu bestimmen. Viel Arbeit ist nach Meinung des Diplom-Psychologen Lutz Hertel nicht automatisch mit Stress verbunden. "Viele empfinden auch ihr Privatleben als belastend und erholen sich im Beruf." Generell gelte: Wer auf seine Bedürfnisse hört und den Anforderungen des Alltags gewachsen ist, kann mit Stress besser umgehen.

Eine am Dienstag veröffentlichte Studie der DAK-Gesundheit zeigt, dass Arbeitslose und Alleinerziehende häufiger unter chronischem Stress leiden als leitende Angestellte und Beamte. Gefragt wurde bei Menschen zwischen 25 und 40 Jahren, wer sich besonders oft überfordert, nicht anerkannt oder von Sorgen geplagt fühlt.

Insgesamt hätten sich die Fehltage im Job wegen psychischer Erkrankungen seit 2000 verdoppelt, erläuterte Jörg Marschall vom Forschungsinstitut Iges. Fast jeder Zehnte leide unter einer sogenannten Gratifikationskrise - also unter dem Problem, dass die eigene Arbeit nicht angemessen anerkannt werde oder widersprüchliche Anforderungen auf einen einstürmten, die kaum gleichzeitig zu befriedigen seien.