Zahlreiche Leser nutzten gestern das Volksstimme-Telefonforum, um mit Orthopäden des Uniklinikums Magdeburg zu sprechen. Einige Fragen und Antworten stellte Uwe Seidenfaden zusammen.

Ich bin 52 Jahre und seit vielen Jahren als Fliesenleger tätig. In jüngster Zeit habe ich oft Schmerzen im rechten Kniegelenk. Mein Arzt diagnostizierte eine "Gonarthrose" und verordnete eine Physiotherapie. Ich soll die Kniegelenke weiterhin mäßig belasten, auch wenn es schmerzt. Gibt es keine Alternativen?
Um Gelenkversteifungen zu vermeiden, ist es wichtig, die Kniegelenke angemessen weiter zu bewegen. Am besten gelingt das im Wasser, wenn das Kniegelenk nicht zusätzlich das Körpergewicht tragen muss. Die Unterwassergymnastik sowie weitere physiotherapeutische Behandlungen stärken Muskulatur und Bänder rund um die Gelenke. Selbst können Sie durch sportliche Aktivitäten wie Fahrradfahren, Schwimmen und Laufen etwas für den Erhalt der Gelenke tun. Schmerzmedikamente lindern die Beschwerden während der Bewegung. Die Herz- und Magenverträglichkeit der Schmerzmedikamente sollen Sie mit Ihrem Arzt besprechen.

Vor einem halben Jahr bin ich mit dem linken Fuß umgeknickt. Das Fußgelenk ist danach angeschwollen. Der Arzt hat mir Kühlung und Schmerzmittel verordnet. Dennoch ist der Fuß noch immer geschwollen. Was kann ich tun? Ich bin noch berufstätig und viel auf den Beinen.
Man sollte eine Kernspin-Diagnostik (MRT) des Gelenkes machen, um Hinweise auf die Ursache der fortbestehenden Schwellung zu finden. Eventuell ist auch eine Gewebeentnahme (Arthroskopie) mit anschließender feingeweblicher Untersuchung ratsam. Besprechen Sie das noch mal mit Ihrem Arzt und lassen Sie sich zu einem Orthopäden überweisen.

Ich habe im linken Oberarm Schmerzen, die bis in die Hand herunterziehen. Die Beschwerden sind vor allem am Morgen und in Ruhe sehr stark. Brauche ich ein künstliches Schultergelenk?

Schmerzen, die vom Oberarm in die Finger ausstrahlen, können manchmal auch von den kleinen Wirbelgelenken der Halswirbelsäule stammen. Die Ursache sollte zunächst einmal durch eine ärztliche Untersuchung (Röntgen und Kernspin-Diagnostik, MRT) festgestellt werden. Bevor ein künstliches Schultergelenk eingesetzt wird, sollten zunächst die konservativen Maßnahmen wie Ultraschall, Elektro-Therapie, Krankengymnastik, Physiotherapie und manuelle Therapie ausgeschöpft sein.

Ich habe seit vielen Wochen Schulterschmerzen. Bei einer MRT-Untersuchung stellten die Ärzte eine Schulter-Sehnen-Ruptur fest. An eine Verletzung kann ich mich nicht erinnern. Kann man die Sehne wieder anschließen? Ich bin schon 71 Jahre alt.
Bei frischen Verletzungen ist es möglich, die Sehnen mit kleinen Ankern wieder an Gelenkknochen zu befestigen. Das Lebensalter ist nicht entscheidend für diese Therapie.

Der Arzt hat eine Kalkschulter festgestellt. Er riet mir zu einer Stoßwellentherapie. Die Kosten muss ich selbst übernehmen. Bringt diese Therapie etwas?

Im Fall einer sogenannten Kalkschulter gibt es verschiedene Berichte über eine Schmerzlinderung durch eine Stoßwellentherapie.

Seit längerem habe ich Knieschmerzen, die neuerdings auf der Innenseite bis zum Fuß ausstrahlen. Brauche in ein künstliches Kniegelenk? Ich habe bereits zwei künstliche Hüftgelenke.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie eine Knieprothese brauchen, ist relativ hoch. Bevor es eingesetzt wird, sollten aber die konservativen Maßnahmen ausgeschöpft sein. Wenn die Beschwerden vom inneren Teil des Kniegelenkes stammen, gibt es noch Alternativen zur Endoprothese, beispielsweise Achskorrekturen oder Implantate zur Abpufferung der Stoßbelastung.

Mein Schwiegervater ist 62 Jahre alt und bis auf eine Kniegelenks-Arthrose recht rüstig. Ist eine Knorpelzelltransplantation eine Alternative zum künstlichen Kniegelenk?
Bei akuten Kniegelenksverletzungen mit lokalisierten Schäden am Gelenkknorpel kann eine Zelltransplantation von Nutzen sein. Doch bei fortgeschrittenen Verschleißerkrankungen, bei denen der Knorpelanteil zwischen den Gelenkflächen gering ist, ist diese moderne Therapie nicht mehr erfolgversprechend. Die Beschichtung mit neuem Knorpelgewebe bringt in diesen Fällen kaum Besserung und ist nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht sinnvoll. Geeigneter ist dann der Einsatz eines künstlichen Gelenks. Ob bei Ihrem Schwiegervater eine Knorpelzelltransplantation Erfolg haben kann, kann nur nach einer Untersuchung beantwortet werden. Eine generelle Alterseinschränkung gibt es nicht.

Mein Mann und ich sind Frührentner und wandern gerne. Bergauf geht es noch recht gut. Bergrunter bereiten die Knie Probleme. Was raten Sie mir, um noch lange fit zu bleiben?
Sie beschreiben ein typisches Anzeichen von Kniegelenksarthrose, speziell der Kniescheibe. Gegen eine maßvolle Bewegung ist nichts einzuwenden. Sie sollten die Last, die auf den Kniegelenken liegt, durch den Einsatz von Wanderstöcken entlasten. Zudem bieten knöchelhohe Wanderschuhe Trittsicherheit. Um im zunehmenden Alter gesundheitlich fit zu bleiben, kommt es nicht auf den Schwierigkeitsgrad der Wanderstrecke an. Wichtig ist, sich angemessen zum eigenen Leistungsniveau zu bewegen. Vertrauen Sie auf Ihr Körpergefühl und beraten Sie sich mit Ihrem Arzt.

Seit fast 20 Jahren habe ich Schmerzen in der Hüfte. Trotz vieler Physiobehandlungen und alternativer Therapien bin ich in meiner Beweglichkeit heute mehr denn je eingeschränkt. Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Operation gekommen?
Die Entscheidung müssen letztlich Sie selbst treffen. Wenn die Schmerzen sehr groß und alle konservativen Therapien bereits ausgeschöpft sind, ist der Einsatz eines künstlichen Gelenks sicherlich die beste Alternative. Die Mehrzahl dieser Eingriffe ist erfolgreich. Es gibt keine Altersgrenzen für den Gelenkersatz. Durch die bundesweite Einführung von Qualitätsregistern und Zertifizierungen von Kliniken durch Fachgesellschaften sollen die Leistungen für Patienten transparenter werden. Die daran teilnehmenden Kliniken garantieren einen hohen Qualitätsstandard der Behandlungen. Patienten können sich dar-über im Internet informieren (www.eprd.de und www.endocert.de).

Ich erhielt vor einem Monat ein künstliches Hüftgelenk. Jetzt habe ich Schmerzen im Knie. Werden sie wieder verschwinden oder stimmt mit dem künstlichen Gelenk etwas nicht?
Gelegentlich können nach der Hüftgelenkoperation vorübergehend neue Schmerzen in anderen Gelenken auftreten. Davon sind dann besonders die Knie- und Sprunggelenke sowie die Gelenke der Lendenwirbelsäule betroffen. Die Ursache dieser Beschwerden ist meist auf eine Umstellung der Belastung zurückzuführen. Mitunter können die Beschwerden noch einige Monate andauern.

 

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