Berlin (dpa) l Schwere Unwetter mit Starkregen fluten die Keller - oder die Kanalisation schafft die Wassermassen nicht, und es drückt durch die Abflussrohre nach oben in das Haus. Nach dem Abpumpen müssen Betroffene die Wasserschäden schnellstmöglich beheben - aber vorher diese noch für die Versicherung dokumentieren. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

1. Das Wasser ist abgepumpt - was muss ich nun als Erstes tun?
Vor dem Aufräumen - möglichst sogar noch vor dem Abpumpen - muss die Situation für die Versicherung dokumentiert werden, am besten mit Fotos. Außerdem wird eine Liste der beschädigten Gegenstände erstellt. Schäden direkt am Gebäude zahlt die Wohngebäudeversicherung - aber nur, wenn extra eine Elementarschadenversicherung abgeschlossen wurde. Darauf weist die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt hin. Für alle Schäden am Wohnungsinventar ist die Hausratversicherung zuständig, ebenfalls mit Elementarschadensklausel in den Verträgen.

Komplett aufräumen darf man erst, wenn der Versicherer dem zustimmt. Das bedeutet: Zerstörte Gegenstände sollten erst nach Rücksprache entsorgt werden. Aber Gefahrenquellen dürfen beseitigt und so abgesichert werden, dass kein weiterer Schaden entsteht. Die gefluteten Räume dürfen also getrocknet werden - denn das muss schnell geschehen, damit sich kein Schimmel bildet.

2. Was muss ich beim Aufräumen beachten?
Elektrogeräte dürfen erst wieder an das Stromnetz, wenn sicher ist, dass sie nicht durch Feuchtigkeit Schaden genommen haben. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) rät sogar dazu, sie vom Fachmann überprüfen zu lassen. Nasse und kaputte Möbel müssen ausgeräumt werden.

3. Wie trockne ich am besten den Keller?
Böden, Wände und eventuell auch Dämmmaterialien sind nass. Wenn das Wasser nur kurz im Keller gestanden hat, reicht es oft schon aus, über mehrere Tage kräftig durchzulüften, erklärt Werner Weigl, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer Bau. Insbesondere moderne Betonkeller trocknen gut aus. Schwieriger ist es, wenn Gipskartonwände verbaut wurden: Diese saugen sich vergleichsweise schnell voll und müssen entweder mit einem Luftentfeuchter getrocknet oder sogar ersetzt werden.

4. Mein Keller lässt sich schlecht lüften - was kann ich tun?
Entsteht beim Lüften nicht genügend Durchzug, bleibt nur der Gang in den Baumarkt: Diese vermieten Trocknungsgeräte, mit denen sich der Keller innerhalb weniger Tage trockenlegen lässt. "Diese sollten frei im Raum stehen, damit sie die Luft gut umwälzen können", empfiehlt Bauexperte Werner Weigl. "Außerdem sollte man sie regelmäßig kontrollieren. Ist der Wassertank voll, schalten sie sich in der Regel selbstständig ab." Ein Hygrometer zeigt, wie der Trocknungsprozess voranschreitet. "Liegt die Luftfeuchtigkeit unter 65, besser 60 Prozent, ist der Keller im Prinzip wieder trocken."

5. Welche Schäden kann Starkregen noch angerichtet haben?
Böiger Wind kann Regen gegen die Schwerkraft nach oben und unter die geschlossene Ziegeldecke des Dachs drücken, erläutert der Verband Privater Bauherren (VPB). Nach einem Sturm sollten Hausbesitzer daher ihr Gebäude von oben bis unten auf solche Wasserschäden kontrollieren.

Bilden sich hässliche Flecken an den Dachschrägen, muss das baldmöglichst repariert werden. Denn nasser Dämmstoff isoliert nicht mehr. Und an nassem Holz wachsen Pilze, es fault. Außerdem kann sich Schimmel im Dachstuhl bilden, der über die innere Wandverkleidung in die Raumluft gelangt, was gesundheitsgefährdend ist. Ist Wasser an der Hauswand heruntergelaufen, kann es ebenfalls zu Schäden kommen.

6. Wann brauche ich Hilfe vom Experten?
Etwa, wenn eine Dämmung aus natürlichen Materialien wie Schafswolle oder Algen feucht wurde. Hier bildet sich leicht Schimmel, wird sie nicht fachmännisch trockengelegt. Gleiches gilt für gedämmte Estrichböden: "Im Zweifel müssen sie aufgebohrt und ausgetrocknet werden. Das ist allerdings keine Aufgabe für Hobby-Heimwerker", warnt Weigl.

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