Hannover (dpa) l Früher fühlte man sich als Museumsbesucher oft verfolgt wie ein Verdächtiger. Aufpasser überwachten, dass die Vorschriften wie "Kunstwerke nicht berühren" oder "Fotografieren verboten" eingehalten wurden. Doch in Zeiten von Digitalkamera und Smartphone lässt sich das Fotografierverbot kaum noch durchsetzen. Viele Häuser erlauben deshalb inzwischen Erinnerungsbilder.

Im Sprengel Museum Hannover hat der neue Direktor Reinhard Spieler das Fotografierverbot abgeschafft. "Das ist viel besucherfreundlicher. Wir sind froh, wenn die Leute die Fotos weiterschicken. Für uns ist das schlichtweg ein Multiplikator."

In der Konkurrenz mit anderen Freizeitangeboten setzen die Kultureinrichtungen verstärkt auf neue Medien, sie sind in sozialen Netzwerken aktiv oder bieten spezielle Apps an.

Das seit Jahrzehnten in vielen Häusern bestehende Fotografierverbot hat unter anderem urheberrechtliche Gründe. Die von Besuchern aufgenommenen Bilder dürfen auf keinen Fall kommerziell genutzt werden. Bei alten Werken kann das Blitzlicht zudem den empfindlichen Farbpigmenten schaden. Nicht selten missachten Besucher das Blitzverbot.

Doch nicht nur das Blitzlicht schadet Kunstwerken. Im März zerstörte Medienberichten zufolge ein Student in Mailand die Skulptur eines nackten Jünglings, als er für ein Selfie auf den Schoß der Figur kletterte.

Das Museum Brandhorst in München hat nach zwei Unfällen, an denen Besucher mit Kameras beteiligt waren, das Fotografierverbot wieder eingeführt - aus Sicherheitsgründen. In allen anderen Häusern der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen sind dagegen Smartphone-Fotos erwünscht.