Oberursel (dpa) l Für deutsche Fluggäste auf dem Weg nach Asien sind dies schlechte Nachrichten: Russland hat als Reaktion auf die Sanktionen des Westens unter anderem ein Überflugverbot für westliche Airlines angedroht. Cord Schellenberg vom Luftfahrt-Presse-Club beantwortet die wichtigsten Fragen für Passagiere.

1. Fliegen viele Fluggesellschaften über die Russland-Route?
Das komme auf die Lage an, erklärt Schellenberg. Lufthansa fliege zum Beispiel nach Japan und Korea über die russische Nordroute. Finnair habe aufgrund der geografischen Lage noch deutlich mehr Strecken, die von Finnland über Russland führen. "Die einen sind betroffen, die anderen wären extrem betroffen", fasst Schellenberg zusammen.

2. Welche Ausweichmöglichkeiten gibt es?
Als es die Russland-Route noch nicht gab, wurde Asien über Alaska angeflogen, erzählt Schellenberg. "Diese Route ist länger und bedarf des Zwischenstopps in Anchorage." Das koste Zeit, Geld und mache eine weitere Besatzung erforderlich. Über den Norden sei das weithin die einzige Ausweichmöglichkeit. "Dann haben sie natürlich die Möglichkeit, auch über den Süden zu gehen." Dann führe der Weg beispielsweise über die arabische Halbinsel, Indien und Sri Lanka. Für südeuropäische Fluggesellschaften könnte diese Südroute sinnvoller sein.

3. Wird mit dem Umweg immer ein Stop-over nach Asien nötig?
Das komme darauf an, erklärt Schellenberg. Zum einen könnten die Airlines die Flugzeuge voll betreiben - mit komplett besetzten Plätzen und viel Fracht. Dafür werde dann ein Zwischenstopp nötig. Die zweite Möglichkeit bestünde darin, weniger Passagiere und weniger Fracht mitzunehmen, aber dafür länger fliegen zu können. "Dann schaffe ich es möglicherweise vom einen oder anderen Ziel nonstop", sagt Schellenberg.

4. Wie viel länger dauern dann die Flüge?
Man könne davon ausgehen, dass eine Zwischenlandung mit Besatzungswechsel und Tanken rund 75 bis 90 Minuten dauere, schätzt Schellenberg.

5. Werden Asienflüge wegen dieses Umwegs teurer?
Das hänge stark davon ab, wie lange das Überflugverbot dauern würde, meint Schellenberg. Ist abzusehen, dass es nur für einige Wochen besteht, muss der Fluggast wohl keine Preiserhöhung befürchten. "Dann wird es sicherlich schwierig, dem Fluggast zu sagen: Wir stellen jetzt alles um, du kriegst jetzt neue Preise." Erst wenn absehbar wäre, dass das Verbot längerfristig besteht, dürften Fluggesellschaften für die betroffenen Routen eventuell neu kalkulieren. Aber es komme auch darauf an, wie die Wettbewerber reagieren. Verlangen andere Airlines keinen Aufschlag, drohen Kunden einer Fluggesellschaft mit höheren Preisen fernzubleiben.

Momentan stehe bei den Fluggesellschaften aber erst einmal im Fokus, Ausweichpläne für den Fall der Fälle auszuarbeiten, damit der Flieger trotz eines möglichen Überflugverbots abheben könnte. Wer schon einen Flug mit Russland-Route gebucht hat, muss sich um höhere Preise sowieso keine Sorgen machen. Denn diese Gäste haben bereits einen Beförderungsvertrag mit der Airline. "Insofern kann man denen ja nicht sagen: Ich muss einen Umweg fliegen, jetzt will ich Geld von dir haben." Schließlich haben die Passagiere nicht die Kilometer bezahlt, sondern den Flug beispielsweise von Frankfurt nach Tokio oder von Helsinki nach Bangkok.

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