So verhindern Sie Karies bei Kindern

Ab dem ersten Zahn sollten Eltern die Zähne des Kindes mit Zahnbürste und fluoridierter Zahnpasta putzen.

Mindestens bis zum achten Geburtstag (bis zum sicheren Beherrschen des Schreibens) sollten die Eltern nach dem abendlichen Zähneputzen noch einmal nachputzen.

Zwischen dem sechsten und dem neunten Lebensmonat ist eine erste Vorstellung des Kindes beim Zahnarzt sinnvoll. Anschließend sollte man regelmäßig zwei Mal im Jahr zu Kontrollbesuchen in die Praxis gehen.

Die Nuckelflasche sollte nach Möglichkeit nur zur Nahrungsaufnahme und niemals zur Selbstbedienung oder über Nacht gegeben werden.

Spätestens ab dem ersten Geburtstag des Kindes kann man gänzlich auf die Nuckelflasche verzichten.

Ab der "normalen Ernährung" sollte man dem Kind nicht mehr als vier Mal täglich zucker- oder säurehaltige Zwischenmahlzeiten geben.

Spätestens ab dem zweiten Geburtstag kommt das Kind auch ohne Nuckel oder Daumenlutschen aus.

Magdeburg l Gerade zwei Jahre alt war der Knirps, der vor Dr. Nicole Primas auf dem Behandlungsstuhl lag. Obwohl die Magdeburger Zahnärztin ein großes Herz für Kinder und deren Zähne hat, musste sie diesem Kleinen vier Schneidezähne ziehen. "Da blutet mir das Herz", gesteht die für Prävention bei der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt zuständige Vorstandsreferentin. Ohne diese Zähne wird der Junge nicht richtig sprechen lernen, nicht richtig kauen können und womöglich sozial ausgegrenzt, befürchtet sie.

Damit Kinder nicht an solchen für ihre psychische und soziale Entwicklung unheilvollen Formen von Karies leiden müssen, wurde für den diesjährigen Tag der Zahngesundheit das Motto "Gesund beginnt im Mund - ein Herz für Zähne" gewählt. Er wird bundesweit am 25. September begangen und richtet den Fokus besonders auf jene Kinder, die nicht das Glück haben, in einer gesundheitsbewussten Familie groß zu werden.

Insgesamt aber wurde in Deutschland in Sachen Zahngesundheit schon viel erreicht, weist Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, auf erfreuliche Entwicklungen bei der Mundgesundheit hin: "Deutschland befindet sich beim Kariesrückgang vor allem bei Kindern und Jugendlichen im internationalen Spitzenfeld." Eindeutig belegt sei aber auch die sogenannte Polarisierung der Karies. Die Daten sprechen dafür, dass - unabhängig vom Alter - 60 bis 80 Prozent aller kariösen Zähne auf eine Gruppe von zehn bis 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen entfallen. Bundesweit sehen Zahnärzte darin ein Signal dafür, dass es diesen Kindern an "Fürsorge im Sinne des Vorsorge-Gedankens" und in den Familien am nötigen Wissen über Präventionsmöglichkeiten mangelt.

Aus vielfältigen Erfahrungen in der eigenen Praxis bestätigt Dr. Nicole Primas, dass sich der Mangel an Zuwendung an den Kinderzähnen ablesen lasse, mit denen die Kinder zu ihr kommen. "Die frühkindliche Karies an den Milchzähnen bei nicht einmal dreijährigen Steppkes hat in den letzten Jahren an Häufigkeit zugenommen", stellte die Magdeburger Zahnärztin fest. "Dabei sind `die Ersten` in den ersten Jahren nach dem Durchbruch doch besonders empfindlich, an ihnen entwickelt sich Karies deutlich schneller als in späteren Lebensabschnitten. Bleiben die Zähne in dieser Zeit gesund, haben die Kinder für ihr weiteres Leben gute Chancen, auch später keine Karies zu bekommen", betont Dr. Primas.

"Erfreulicherweise aber haben die meisten Eltern ein Herz für Zähne", sagt sie. In Sachsen-Anhalt habe sich die Zahngesundheit der Kinder und Jugendlichen in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Immer mehr Kindergarten- und Schulkinder sowie Jugendliche haben ein völlig naturgesundes Gebiss - ohne Karies und ohne Füllungen. "Vom Ziel der WHO, dass bis zum Jahr 2020 80 Prozent der Sechs- bis Siebenjährigen mit gänzlich kariesfreien Zähnen den ersten Weg zur Schule gehen, sind wir aber noch weit entfernt", räumt Dr. Primas ein. Aktuellen Untersuchungen zufolge haben in Sachsen-Anhalt 35 bis 43 Prozent der Sechs- bis Siebenjährigen ein naturgesundes Gebiss.

Um vor allem der frühkindlichen Karies Paroli zu bieten, plädiert Sachsen-Anhalts Fachfrau für zahnärztliche Prävention, den Kinderzähnen von Anfang an mehr Aufmerksamkeit zu widmen. In erster Linie ist dies Aufgabe und Verpflichtung der Eltern, aber auch durch eine frühestmögliche zahnmedizinische Betreuung und Ausdehnung der Gruppenprophylaxe in den Kinderkrippen ließe sich die Mundgesundheit von Kleinkindern verbessern, meint sie.

Derzeit setzen zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen in der Regel erst ab dem 30. Lebensmonat ein. "In diesem Alter haben viele Kinder schon kariöse Zähne", bedauert Dr. Primas. Sie begrüßt die Initiative der Barmer GEK, die dem Nachwuchs ihrer Versicherten seit diesem Jahr spezielle Früherkennungsuntersuchungen beim Zahnarzt zwischen dem 6. und dem 30. Lebensmonat ermöglicht. "Bei diesen eingehenden Untersuchungen der Milchzähne schätzen wir Zahnärzte das Kariesrisiko des Kleinkindes ein, beraten die Eltern hinsichtlich Ernährung und Mundhygiene und empfehlen geeignete Fluoridierungsmittel zur Härtung des Zahnschmelzes", erläutert Dr. Primas.

Erfolgt die erste zahnärztliche Vorstellung des Kindes bereits kurz nach dem Durchbruch des ersten Zahnes, kann Karies frühzeitig erkannt, schmerzfrei behandelt und im Anfangsstadium sogar ausgeheilt werden. Noch besser ist es natürlich, wenn Karies bei den Kleinen von vornherein keine Chance hat.

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