Berlin (dpa/vs) l Unerwünschte Werbeanrufe sind nach Einschätzung der Verbraucherzentralen auch ein Jahr nach Inkrafttreten schärferer Regeln ein Ärgernis. Um dies zu erheben wurde eine bundesweite Online-Umfrage von der Verbraucherzentrale gestartet.

"Unsere Umfrage zeigt deutlich, dass die Belästigung bei den Telefonanrufen nicht mehr überwiegend von Gewinnspielen ausgeht. Auch der Vertrieb von Produkten der Telefon- oder Internetdiensteanbieter, der Energieversorger, der Banken, der Versicherungen und der Zeitschriftenverlage haben mittlerweile hohe Anteile bei den Nennungen", sagt Gabriele Emmrich von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Ohne Einwilligung des Angerufenen sind Werbeanrufe eine Ordnungswidrigkeit.

Das Bußgeld wurde vor einem Jahr von 50000 Euro auf bis zu 300.000 Euro erhöht. Die Zahl der Beschwerden bei der Bundesnetzagentur geht auch aktuell zurück. Nach 33147 Beschwerden 2013 waren es in diesem Jahr bis August 18000, wie ein Sprecher der Bundesnetzagentur sagte. Bei Verstößen gegen die Gesetzgebung verhängt die Bundesnetzagentur Bußgelder. In diesem Jahr betrug das bisher höchste 57000 Euro. Im vergangenen Jahr lag die Höchstsumme bei 29500 Euro.

Die Verbraucherzentralen verzeichneten bei ihrem zum Thema Telefonwerbung eingerichteten Online-Fragebogen seit Juli rund 2800 Meldungen. Davon gaben 84 Prozent an, niemals oder nicht bewusst in Werbeanrufe eingewilligt zu haben. In knapp 30 Prozent der Fälle hätten Anrufe finanzielle Folgen wie das Zuschicken einer Rechnung gehabt, erläuterte die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Da viele Betroffene aber die belästigenden Anrufe nicht melden, gehen die Verbraucherschützer von einer weitaus größeren Dunkelziffer aus.

Seit Oktober 2013 gelten die Neuregelungen, dass Gewinnspielverträge, von denen am Telefon die Rede ist, nur noch wirksam werden, wenn sie in Textform (per Brief, Fax oder Mail) abgeschlossen werden. Die Regeln greifen nun auch, wenn automatische Anrufmaschinen eingesetzt werden.