Magdeburg l Für Manfred Schröder gibt es trotz niedriger Zinsen immer noch genug Gründe, am heutigen Weltspartag das Geld lieber auf die Bank zu bringen als auszugeben. "Einen Notgroschen sollte jeder haben", sagt der Experte für Geldanlagen bei der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt in Magdeburg. Wer mehr übrig hat, sollte das Ersparte sinnvoll anlegen, um das kleine Vermögen trotz niedriger Zinsen anwachsen zu lassen und später als Altersvorsorge zu nutzen. So sollte man Erspartes laut Manfred Schröder sinnvoll aufteilen:

1. Tagesgeld:
Zwei bis drei Monatsgehälter sollten hier für ungeplante Ausgaben liegen. Hier gibt es bei guten Angeboten mehr Zinsen als auf dem Giro-Konto oder Sparbuch. Trotzdem ist das Geld kurzfristig verfügbar. Der Zinsatz ist allerdings variabel. Bei der Auswahl lohnt sich deshalb ein Blick in die Top-Ten der Zeitschrift "Finanztest" der Stiftung Warentest. Im November-Heft schnitten folgende Angebote am besten ab: Sberbank Direct (Rendite pro Jahr 1,31 Prozent), Bank11 direkt (1,25 Prozent), Ikano Bank (1,25 Prozent), MoneYou (1,21 Prozent). Das Konto wird telefonisch oder über das Internet eröffnet und geführt.

2. Festgeld:
Wer sich einen festen Zinssatz sichern möchte, kann sein Geld für bestimmte Zeiträume, meist ein bis fünf Jahre, als Festgeld anlegen. Laut Finanztest ist derzeit bei einem Jahr aber nicht mehr als 1,5 Prozent pro Jahr drin: VTB Direktbank und Denizbank. Bei fünf Jahren gibt es maximal 2,2 Prozent (NIBC Direct). Manfred Schröder rät jedoch davon ab, das Geld für länger als ein Jahr zu binden. Dafür sein die Zinsentwicklung zu wenig absehbar. Niemand könne sagen, wo der Zinssatz in fünf Jahren liege. Unter Umständen mache man dann ein schlechtes Geschäft. Finanztest rät, die Beträge zu staffeln und zu unterschiedlichen Laufzeiten anzulegen. Festgeld hat den Nachteil, dass der Kunde vor Ablauf des Zeitraumes nicht an sein Geld kommt beziehungsweise dann Verluste hinnehmen muss. Hier kann man deshalb Geld parken, das man mittelfristig braucht.

Wichtig: Bei Tagesgeld-, Festgeld- sowie auch bei Girokonten sollte darauf geachtet werden, dass die Banken der gesetzlichen Einlagensicherung unterliegen. Damit sind die eigenen Einlagen innerhalb der EU bis 100000 Euro pro Bank abgesichert.

3. Aktienfonds:
Wer sicher ist, dass er einen Betrag für mindestens zehn Jahre nicht braucht, sollte laut Manfred Schröder in Aktienfonds investieren. Da seien derzeit noch die besten Renditen zu erzielen. Im vergangenen Jahr habe sich der Dax hervorragend entwickelt. "Allerdings muss man sich vorher sehr genau informieren", sagt Manfred Schröder. Er darf zwar in der Beratung bei der Verbraucherzentrale Magdeburg keine Wertpapiere empfehlen, aber kann beispielsweise den Vorschlag der Hausbank prüfen und eventuell abraten. Denn bei Untersuchungen von Stiftung Warentest hat sich gezeigt, dass die Geldinstitute nicht immer unabhängig beraten, sondern zuerst ihre eigenen Produkte zu verkaufen versuchen. Das müssen nicht die besten sein. Eine Orientierungshilfe bieten auch die Fondsbewertungen der Zeitschrift "Finanztest" der Stiftung Warentest, die über einen Zeitraum von fünf Jahren jeden Monat 18000 Investmentfonds in ihrer Wertentwicklung untersucht. "Man muss aber gute Nerven haben, wenn man in Aktienfonds investiert", erklärt Schröder. Denn Kurseinbrüche seien jederzeit möglich. Erst über einen längeren Zeitraum ergebe sich dann eine gute Rendite. "Am besten Geld anlegen und erst nach zehn Jahren wieder draufschauen und sich freuen", rät er.

4. Für das Kind:
Wer heute mit Kind und Sparschwein zur Bank gehen möchte, um dem Nachwuchs Lust auf Sparen zu machen, kann auch bei örtlichen Banken gute Zinsen bekommen. Die Sparkasse Magdeburg bezahlt beispielsweise auf das "Giro-Start"-Konto für Kinder derzeit 1,5 Prozent Zinsen. Allerdings gilt die Verzinsung nur bis zu einem Betrag von 2000 Euro, der Zinssatz ist außerdem variabel.

Als spontane Aktion am Weltspartag ist dies allerdings nicht geeignet. Nach Auskunft der Sparkasse müsse zuvor ein Termin zur Kontoeröffnung vereinbart und verschiedene Unterlagen (Geburtsurkunde, Personalausweise der Eltern sowie Steueridentifikationsnummern) mitgebracht werden.

5. Für den Enkel:
Eine bequeme Möglichkeit, Geld für den Enkel anzusparen sind Banksparpläne. Laut Finanztest gibt es derzeit auch Angebote mit guter Verzinsung. Dazu gehören die österreichische VTB Direktbank mit 2,5 Prozent bei einem Anlagezeitraum von fünf Jahren sowie die Denizbank mit 3,125 Prozent bei einem Zehnjahresplan. Bei Banksparplänen spart man jeden Monat einen festen Betrag an. Es gibt Angebote mit variablem und festem Zinssatz.

Ein guter Überblick ist im November-Heft von Finanztest zu finden. Wer etwas mehr Aufwand betreiben möchte und risikobereiter ist, kann nach der Empfehlung von Manfred Schröder auch Aktienfonds für den Nachwuchs kaufen. Insbesondere börsengehandelte, nicht gemanagte Fonds (ETF) seien interessant. Dazu sollte man sich aber unabhängig beraten lassen.

6. Finger weg:
Verbraucherschützer Schröder warnt vor Angeboten aus dem grauen Kapitalmarkt, die oft mit Renditen werben, die weit über den marktüblichen sind.

Von grauem Kapitalmarkt spricht man bei Geldanlagen, die nicht der staatlichen Finanzaufsicht unterliegen, aber auch nicht illegal sind. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die Anleger später oft nichts mehr von ihrem Geld gesehen haben. Bei Finanztest gibt es im Internet auch eine Warnliste mit geschlossenen Fonds, die als zu riskant gelten.