Magdeburg l Auf Sachsen-Anhalts Straßen gab es 2013 76.085 Unfälle, bei denen 139 Menschen starben. Ersthelfer haben bei Verkehrsunfällen oft Angst, etwas falsch zu machen. Dabei ist der schlimmste Fehler, gar nicht erst zu helfen.

Nur jeder dritte Verkehrsteilnehmer hat genügend Erste-Hilfe-Kenntnisse, wie eine Studie des ADAC und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zeigt. Mit diesen zehn Regeln des DRK und ADAC können Ersthelfer Leben retten:

1. Zum Helfen verpflichtet: Erste Hilfe zu leisten, ist nicht nur eine rechtliche, sondern auch eine moralische Pflicht. Wer bei einem Autounfall einfach weiterfährt, macht sich wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar.

2. Eigene Sicherheit gewährleisten: Sieht man einen Unfall, sofort die Warnblinkanlage einschalten und in sicherem Abstand zur Unfallstelle auf dem Standstreifen anhalten. Auch Ersthelfer sind dazu verpflichtet, eine Warnweste anzuziehen. Zur eigenen Sicherheit sollte Sie hinter die Leitplanke gehen.

3. Absichern der Unfallstelle: Gerade auf Schnellstraßen passieren oft Folgeunfälle. Deshalb sollte die Unfallstelle sofort abgesichert werden. Dazu stellt der Ersthelfer das Warndreieck auf Landstraßen in 100 Metern, auf Autobahnen in 150 Metern Entfernung am Fahrbahnrand auf.

4. 112 wählen: Über die Nummer 112 einen Notruf absetzen, der folgende Informationen beinhaltet: Wo hat sich der Unfall ereignet? Was ist passiert? Wie viele Personen sind beteiligt? Welche Verletzungen gibt es?
Wichtig: Rückfragen der Notrufzentrale abwarten.

5. Wiederbelebung: Wer geschult ist, sollte zuerst die lebenswichtigen Funktionen des Unfallopfers überprüfen. Bei Bewusstlosigkeit und normaler Atmung den Betroffenen in die stabile Seitenlage bringen. Atmet das Unfallopfer jedoch nur noch unregelmäßig oder gar nicht, die Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen. Dazu muss der Ersthelfer im Wechsel 30-mal auf den Brustkorb des Verletzten drücken und ihn zweimal über den Mund oder über die Nase beatmen.

6. Wunden versorgen: Nicht jede Wunde muss und kann vor Ort versorgt werden. Deshalb rät das DRK, dass sich Ersthelfer auf die stark blutenden Wunden der Verletzten konzentrieren. Beim Versorgen ist es wichtig, Handschuhe zu tragen und nur frisches Verbandzeug aus der Packung zu benutzen. Um die Blutung zu stillen, sollte der Arm oder das Bein hochgelagert werden. Der Verband sollte so fest angelegt werden, dass er Druck auf die verletzte Stelle ausübt.

7. Motorradfahrer versorgen: Bei einem verunglückten Motorradfahrer kann besonders der Helm zur Gefahr werden. Denn bei Bewusstlosigkeit könnte der Fahrer darin ersticken. Außerdem ist eine Beatmung mit Helm nicht möglich. Deshalb sollte der Helm in diesem Fall runter - aber sehr vorsichtig, falls die Halswirbelsäule verletzt ist. Dafür sind allerdings zwei Helfer nötig. Der erste Helfer kniet oberhalb des Kopfes und stabilisiert den Hals, indem er seitlich Helm und Unterkiefer umfasst und den Kopf leicht zu sich hinzieht. Der zweite Helfer kniet seitlich neben dem Oberkörper des Verletzten, klappt das Visier hoch, entfernt gegebenenfalls eine Brille und öffnet den Kinnriemen. Danach schiebt er seitlich die Hände unter den Helm und hält den Kopf zur weiteren Stabilisation der Halswirbelsäule. Währenddessen zieht der erste Helfer vorsichtig den Helm ab. Anschließend übernimmt Helfer eins wieder die Fixierung des Kopfes und schiebt mit den Zeigefingern den Unterkiefer nach oben, um dem Bewusstlosen die Atmung zu erleichtern. Diese stabile Position muss beibehalten werden, bis der Notarzt ankommt.

8. Schock lindern: Betroffene erleiden bei Unfällen oft einen Schock. Erste Anzeichen sind starkes Zittern, blasse Haut oder auch Schwitzen. Hier hilft es, wenn Ersthelfer die Beine der Person erhöht lagern, damit lebenswichtige Organe wie Herz und Gehirn ausreichend mit Blut versorgt werden.

9. Wärme spenden: Gerade im Schockzustand kühlen Unfallopfer schnell aus - auch an heißen Sommertagen. Deshalb sollten Ersthelfer Verletzte mit einer Wolldecke oder einer Rettungsfolie aus dem Verbandskasten zudecken. Die silberne Seite gehört dabei nach unten.

10. Verletzte trösten: Ein schwerer Verkehrsunfall ist für die Opfer - neben den körperlichen Verletzungen - auch eine psychische Belastung. Deshalb ist es wichtig, dass der Ersthelfer tröstet und beruhigt. Oft reicht es laut ADAC, schon zu sagen, dass man da ist und Hilfe kommt.