Berlin (dpa) l Es war ein Sperrmülltag vor fünf Jahren in Amsterdam. Die Umweltjournalistin Martine Postma sah die vielen weggeworfenen Dinge. Und das brachte sie auf eine Idee: Bald darauf veranstaltete sie ihr erstes Repair Café. Mit den Repair Cafés kam Martine Postma zur rechten Zeit, ihr Konzept verbreitete sich schnell. Heute gibt es allein in Deutschland über 140 Repair Cafés.

"Die Idee, dass Laien und Profis gemeinsam reparieren, gibt es schon länger", sagt Tom Hansing von der Stiftungsgemeinschaft Anstiftung in München. Unter ihrem Dach wurde das Konzept der Repair Cafés hierzulande verbreitet. "Ob es Reparaturtreff, Elektronik Hospital oder Reparierbar heißt - in Deutschland ist das Reparieren gelebte Praxis."

Gute Erfahrungen mit dieser gemeinsamen Arbeit hat das Repair Café der Klimawerkstatt Spandau in Berlin gemacht, berichtet deren Leiterin Corinna Vosse: "Wir haben hier einen Gruppentisch, wo die Leute die Geräte motiviert in Augenschein nehmen. Anfangs ist die Hemmschwelle noch groß, ein Gerät aufzumachen." Dann stelle sich oft heraus, dass sich nur ein Kontakt gelöst hat oder eine herausgesprungene Mechanik wieder an ihren Platz geschoben werden muss. Neben dieser Wissens- und Kompetenzvermittlung sieht sie die Repair Cafés auch als Möglichkeit, das Bewusstsein der Konsumenten zu schärfen.

"Was du nicht aufschrauben kannst, besitzt du nicht", sagt Tom Hansing. Notebooks, Handys und Tablets gehören besonders häufig zu dieser Kategorie. Auf sie hat sich die Internet-Plattform ifixit.com spezialisiert. Hier verraten Reparateure Tricks, wie man trotz Spezialschrauben ins Innere vordringen und beispielsweise Akkus austauschen kann. Auf Youtube findet man von Fahrradschlauch flicken bis Reißverschluss reparieren weitere Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Geräte, auf die man noch Garantie hat, sollte man allerdings nicht öffnen, sondern besser zum Händler bringen, rät Corinna Vosse.

Wer selbst ein Repair Café eröffnen möchte, für den hat Tom Hansing einige Anregungen: "Zunächst sollte man im Bekanntenkreis nach Mitstreitern suchen. Drei Leute braucht es mindestens für eine sinnvolle Organisation. Gut ist, wenn Menschen mit Kompetenz dabei sind, die eventuell ihr eigenes Werkzeug mitbringen", sagt er. Um die Idee bekannter zu machen, könne man mit Stadtteilzeitschriften zusammenarbeiten. Als Unterstützer kommen Bürgerämter, Freiwilligenagenturen oder Kirchengemeinden infrage, die möglicherweise auch Räume zur Verfügung stellen.

"Hat man die Kommune mit im Boot, hilft sie oft bei einem Problem, das viele Ehrenamtliche umtreibt: die Unfallversicherung der Reparateure", sagt Hansing. Auf der Webseite von repaircafe.org kann man weitere Hinweise zu den rechtlichen Rahmenbedingungen herunterladen. So sollte man sich von den Teilnehmern unterschreiben lassen, dass sie einer Haftungsbeschränkung zustimmen, rät Hansing. Klappt eine Reparatur dann einmal nicht, müssen die Ehrenamtlichen nur bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz für den Schaden aufkommen. Grundsätzlich gilt, dass das Reparieren immer kostenlos ist. Spenden sind aber möglich.