Die Neuland-Richtlinien

Für die Geflügelhaltung in Neuland-Betrieben ist vorgeschrieben:

Bestandsobergrenze 2000 Gänse. Flächenbindung von 1,5 Großvieheinheit je Hektar.

Ein ganzjähriger Auslauf. Ein Schlechtwetterauslauf muss vorhanden sein.Mastenten und Mastgänse müssen Zugang zu Badewasser haben.

Bodendeckende und trockene Einstreu ist vorgeschrieben.

Der Stallinnenraum muss strukturiert werden, z. B. durch Strohballen. Ein Fenster-Boden-Verhältnis von 1:20 muss gewährleistet sein. Eine ununterbrochene Nachtruhe ohne Kunstlicht von mindestens acht Stunden.

Ausschließlich heimische Futtermittel sind erlaubt. Verboten sind Antibiotika, Tier- und Knochenmehl sowie Leistungsförderer, gentechnisch veränderte Futtermittel und Zusatzstoffe sowie Hormone und präventive Bestandsbehandlungen.

Verboten ist das Kupieren von Körpergewebe.
Tiertransportdauer maximal vier Stunden.
(Quelle: Neuland)

Beuster l Axel Schuster hat Glück im Unglück. Zwar muss der Landwirt aus Beuster seine Gänse seit vergangener Woche im Stall lassen, doch er hat genug Platz dafür. "Ich kann Schafställe dafür nutzen", berichtet er. Und bis Weihnachten werden die meisten Tiere geschlachtet und verkauft sein, denn Schusters Gänse aus Freilandhaltung sind beliebt.

Rund 100 Tiere der Rasse "Dänische Mastgänse" hält er auf den Wiesen seines Hofes in der Wische, dazwischen tummeln sich Enten und Hühner. Sie ernähren sich hauptsächlich vom Gras, manchmal gibt es noch zusätzlich Weizen. "Das Getreide stammt aber aus der Region", berichtet Schuster. Das muss es auch, denn Schusters Hof ist ein Neuland-Betrieb. Er hat strenge Vorgaben, wie die Tiere artgerecht und umweltschonend zu halten sind (siehe Infokasten).

Deshalb kostet bei ihm das Kilo frische Gans auch 12,80 Euro und nicht 2,99 Euro wie die gefrorene "Polnische Hafermastgans" aus dem Supermarkt. Wenn Axel Schuster seine Gänseküken im Mai kauft, dann sind die zwei Wochen alt, sieben Monate, wenn sie geschlachtet werden. Im Vergleich: Eine Gans aus konventioneller Masthaltung, wie es sie gefroren im Supermarkt aus Ungarn oder Polen gibt, wird meist nur acht bis zehn Wochen alt. Um die Gänse in so kurzer Zeit fett zu bekommen, werden sie mit Sojaschrot aus Südamerika gefüttert, das meist gentechnisch verändert ist, berichtet Markus Wolter, WWF-Referent für Agrarrohstoffe und Tierhaltung.

In Osteuropa ist es außerdem noch erlaubt, die Tiere in Käfigen zu halten und sogar qualvoll zu stopfen, um die berühmte Gänsestoffleber zu produzieren. "Ob die Gans gestopft wurde, kann der Verbraucher im Supermarkt nicht erkennen", sagt WWF-Pressesprecher Roland Gramling. Sicher, dass es nicht der Fall ist, könne er nur sein, wenn er eine Gans aus Deutschland kaufe, weil hier das Stopfen verboten sei. Die deutsche Gans stamme in der Regel aus Freilandhaltung, auch wenn es kein Bio-Betrieb sei.

Für Axel Schuster ist vor allem die Betreuung der Tiere aufwändig. Morgens müssen sie aus ihrem Schlafstall ins Freie gelassen werden, abends wieder hineingebracht. "Ich schaue täglich nach den Tieren, ob alles in Ordnung ist", berichtet er. Das koste einfach Arbeitszeit. Er vermarktet seine Gänse, Enten und Lämmer auch nur direkt über seinen Hofladen oder den Stand auf dem Stendaler Bauernmarkt.

Bis kurz vor Weihnachten werden die Gänse je nach Bestellung geschlachtet. In der Regel wiegen sie zwischen vier und sechs Kilo. Durch das langsame Wachstum sei die Fettverteilung im Fleisch besser, die Haut nicht weißlich aufgeschwemmt, sondern gelb und trocken, so Schuster. "Dann schrumpft die Gans im Ofen auch nicht um die Hälfte", erklärt der Landwirt. Das Einfrieren hat seiner Erfahrung nach keinen negativen Einfluss auf die Qualität. "Ich finde, das Fleisch wird dadurch zarter", berichtet er.

Auf der Suche nach einer Gans aus der Region hilft die Nachfrage auf dem Wochenmarkt oder ein Blick in die Broschüre der Agrarmarketinggesellschaft Sachsen-Anhalt, die im Internet unter www.direktvermarkter-lsa.de zu finden ist.

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