Magdeburg | Viele Volksstimme-Leser wollten mehr zur Behandlung des Grauen und Grünen Stars sowie über die sogenannte Makuladegeneration wissen. Uwe Seidenfaden stellte einige Fragen und Antworten zusammen.

Wie entsteht der Grüne Star? Gibt es Möglichkeiten der Vorbeugung?
Der Grüne Star (das Glaukom) ist eine Augenerkrankung, die zum Verlust von Sehnervenfasern und zunehmenden Einschränkungen des Sehvermögens führt. Auslöser kann ein erhöhter Augeninnendruck sein. Die Ursachen der Erkrankung sind vielfältig und noch nicht vollständig erforscht. In einigen Fällen spielt die Vererbung eine Rolle. Da sich die Erkrankung anfangs meist unbemerkt entwickelt und zu bleibenden Schädigungen des Sehnervs führen kann, sind Kontrolluntersuchungen durch einen Augenarzt ratsam. Etwa ab dem 40. Lebensjahr sollte jeder einen Augencheck vornehmen lassen.

Welche Untersuchungen gehören zur Früherkennung des Glaukoms?
Früher wurde bei der Diagnostik des Glaukoms vorrangig auf die Messung des Augen- innendrucks gesetzt. Letzterer ist bei einem Großteil der Betroffenen als Folge der gestörten Kammerwasser-Zirkulation erhöht. Allerdings gibt es auch Glaukom-Patienten mit einem nicht erhöhten Augeninnendruck. Deshalb untersucht der Augenarzt zudem den Sehnerv und den Augenhintergrund. So lassen sich frühzeitig Schädigungen der Sehnerven erkennen, die einen verlässlicheren Hinweis auf diese häufige Augenerkrankung geben.

Die Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern nur wenige Minuten. Da der Leistungskatalog der Krankenkassen keine Kostenübernahme vorsieht, muss jeder selbst für die sogenannten Sehnerv-Checks zahlen.

Vor wenigen Tagen habe ich erfahren, dass ich Diabetiker bin (Typ 2). Mein Arzt hat mir geraten, einen Augenarzt aufzusuchen. Ich kann aber auch ohne Brille noch recht gut sehen.
Die Störungen des Zuckerstoffwechsels können zu Schäden in der Netzhaut und am Sehnerv führen, die anfangs von den Betroffenen nicht bemerkt werden. Mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen kann der Augenarzt die Veränderungen schon im Frühstadium erkennen. Die Behandlung erfolgt in der Regel mit einer Lasertherapie, ggf. müssen Medikamente in den Augapfel gespritzt werden.

Ich nehme seit vielen Jahren Augentropfen gegen den Grünen Star. Bei der letzten Kontrolluntersuchung hat mein Augenarzt eine Verschlechterung des Gesichtsfeldes gesehen. Wann ist eine Operation eine Alternative zu Augentropfen?
Wenn mit augendrucksenkenden Tropfen die Funktion des Auges erhalten werden kann, sollte diese Therapie beibehalten werden. Wird bei der Untersuchung eine Verschlechterung festgestellt, sollte zunächst ein 24-Stunden-Profil des Augeninnendruckes und des Blutdruckes erstellt werden, da nachts die Werte oftmals anders sind als tagsüber. Danach kann man die Zeiten des Einsatzes der Tropfen optimieren oder ggf. auch andere Tropfen verordnen. Es gibt verschiedene Medikamente, die man einsetzen kann. Einige sorgen für eine reduzierte Bildung, andere für einen verbesserten Abfluss des Kammerwassers.

Wenn die medikamentöse Therapie das Fortschreiten der Erkrankung nicht stoppt, kann versucht werden, den Kammerabfluss chirurgisch zu verbessern. Es gibt dabei verschiedene Verfahren. Es muss individuell die beste Therapiemöglichkeit für einen Patienten gesucht werden, um das Augenlicht zu erhalten.

Seit zwei Jahren bin ich wegen eines Grünen Stars in augenärztlicher Behandlung. In jüngster Zeit ist meine linke Augenlinse zunehmend trüber geworden. Auch auf dem rechten Auge sehe ich alles nur noch schlecht. Ich sehe alles nur noch wie durch einen Schleier. Mein Arzt rät zu einer Staroperation. Kann man sich mit einer Operation des Grauen Star nicht Zeit lassen, bis er auf beiden Augen "reif" ist?
Die Trübung der Augenlinse wird als "Grauer Star" bezeichnet. Dieser kann manchmal auch zusammen mit einem Grünen Star auftreten. Der Graue Star lässt sich operieren. Dabei wird eine künstliche Augenlinse implantiert. Durch den Einsatz der dünnen Kunstlinse wird meist auch der Augeninnendruck und damit der "Grüne Star" positiv beeinflusst. Deshalb würden wir raten, mit dem Eingriff nicht zu lange zu warten.

Ich muss regelmäßig Tropfen gegen den erhöhten Augeninnendruck nehmen. Seitdem tränen meine Augen sehr. Was kann man dagegen tun?
Die Medikamente zur Behandlung des "Grünen Stars" führen zu Veränderungen des Tränenfilms. Dagegen helfen "künstliche Tränen oder Gele", die z.B. Hyaluronsäure enthalten. Präparate, die keine Konservierungsstoffe enthalten, sind vorteilhaft. Ihr Arzt oder Apotheker kann Sie weiter beraten.

Bei meinem Enkelkind (ein Jahr alt) wurde ein Grüner Star entdeckt. In der Universitätsaugenklinik empfahl man eine Narkoseuntersuchung und baldige Operation. Warum sollte man zügig operieren?
In einigen Fällen kann ein Grüner Star angeboren sein. Die betroffenen Kleinkinder fallen durch besonders große, leicht getrübte Augen auf. Sie reiben sich immer wieder ihre Augen, sind meist lichtscheu und schreien viel.

Wenn Sehschwächen bei Kleinkindern nicht rechtzeitig korrigiert werden, kann das zu bleibenden Sehschwächen führen. Deshalb macht es keinen Sinn, mit der Operation bei Kleinkindern mit Glaukom zu warten, bis erste Schädigungen der Sehnerven auftreten. Die Magdeburger Universitätsaugenklinik ist eine Einrichtung, in der solche Operationen an Kleinkindern durchgeführt werden.

Mein Vater leidet an einer altersabhängigen Makuladegeneration (AMD). Sein Arzt meinte, eine Behandlung mit Medikamenten kommt für ihn nicht in Frage. Welche Gründe sprechen dagegen? Besteht die Gefahr der Erblindung?
Bei einer Makuladegeneration wird die Stelle des schärfsten Sehens im menschlichen Auge zerstört. Meist beginnt es damit, dass die Patienten gerade Linien verzerrt wahrnehmen. Bleibt die Erkrankung länger unbehandelt, verschlechtert sich das Sehvermögen, bis die Patienten nur noch Umrisse sehen. Unterschieden wird zwischen zwei Formen: die trockene und die feuchte AMD. Nur die feuchte Makuladegeneration kann man mit Medikamenten, die der Arzt in den Augapfel spritzt, behandeln.

Für jene Patienten, die nicht von den modernen Therapien profitieren, gibt es vergrößernde Sehhilfen. In aller Regel kommt es nicht zu einer vollständigen Erblindung.

 

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