Berlin l (dpa) Für Astrologen ist die Zeit vor dem Jahreswechsel in etwa so wie für Eisdielen der Sommer: Hochkonjunktur. Viele reizt es, schon jetzt wissen zu können, was 2015 auf sie zukommt. Manche geben sich mit ein wenig Bleigießen an Silvester und einem Blick in die Horoskop-Spalte der Zeitung zufrieden. Andere buchen eine mehrstündige Sitzung bei einem Astrologen. Was passiert 2015? Das kann wohl niemand definitiv beantworten. Für alles andere zum Thema Horoskope sind hier einige der wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist das eigentlich, ein Horoskop?
Grob gesagt: Ein Blick auf die Sterne zu einem bestimmten Zeitpunkt. "Das Horoskop ist quasi ein Schnappschuss der genau berechneten Planetenstände", sagt Heidi Treier, die als Astrologin in Köln arbeitet. Daraus versuchen die Sternendeuter das Schicksal abzuleiten. Besonders wichtig für Astrologen ist das Horoskop zum Zeitpunkt der Geburt eines Menschen - deshalb benötigen sie genaue Orts- und Zeitangaben. "Erfahrungsgemäß sind in 50 Prozent der Fälle die Angaben der Mütter zur Geburtszeit ungenau", sagt Treier. Sie rät, zum Standesamt zu gehen. Bei einer Tagesprognose fließt auch der aktuelle Planetenstand ein. "Aus der Kombination kann man dann einen Trend ableiten", sagt die Astrologin Petra Dörfert.

Wie kommen die Astrologen an die Planetendaten?
Klassischerweise schauen sie in ziemlich dicken Wälzern nach. "In diesen sind für jeden Tag die Gestirnstände vermerkt - alle für 0 Uhr Mitternacht", erklärt Astrologin Treier. Die Angaben aus den Büchern lassen sich dann passend auf eine gesuchte Zeit umrechnen. Natürlich gibt es dafür mittlerweile auch Computerprogramme. Eine solche Beratung kostet mitunter mehrere Hundert Euro. Horoskope, die nach den Sternzeichen sortiert sind, nehmen nur den groben Sonnenstand bei der Geburt zur Hilfe.

Wer glaubt an Horoskope?
Eher Frauen. 31 Prozent der befragten Frauen gaben 2012 bei einer Umfrage von TNS Infratest im Auftrag des Magazins "Reader`s Digest" an, dass sie an einen Einfluss der Sterne auf ihr Leben glauben - auch wenn es nicht der einzige sei. Von den Männern stimmten nur 15 Prozent dieser Aussage zu. Dafür erklärte mehr als jeder zweite Mann, dass er keine Horoskope lese und auch nicht an einen Einfluss aus dem Kosmos glaube. Bei den Frauen sahen das nur 28 Prozent so.

Seit wann gibt es Horoskope?
Astrologie ist uralt. "Die Idee, dass man Himmelsbewegungen betrachtet und daraus ableitet, was passiert, ist sehr alt. Das gab es bereits im 2. Jahrtausend vor unserer Zeit in Mesopotamien", sagt die Wissenschaftshistorikerin Arianna Borrelli. Der Glaube an die Macht der Sterne sei erst mit der Renaissance so richtig ins Wanken geraten. Immer mehr Leute äußerten Kritik und hielten die Arbeit der Astrologen kurz gesagt für Quatsch. "Etwa ab dem 18. Jahrhundert setzte sich die Kritik durch. Danach gab es immer wieder ein Aufleben - aber nicht mehr als wissenschaftliche Disziplin", sagt Borrelli.

Gibt es heute auch noch Kritik an Astrologen?
Reichlich, was auch damit zusammenhängt, dass sich einige dubiose Gestalten auf dem Markt tummeln. Der Deutsche Astrologen-Verband fordert seine Mitglieder zum Beispiel auf, zu unterzeichnen, dass sie niemals einen Todeszeitpunkt prophezeien werden. "Problematisch wird es dann, wenn man die Prognosen zu ernst nimmt. Man versucht damit das Unwägbare zu bannen - aber die Zukunft ist nicht zu bannen", sagt der Psychologe Werner Gross, der beim Psychologenverband den Arbeitskreis Religionspsychologie, Spiritualität und Psychomarkt leitet. "Wenn eine Prophezeiung eintritt, ist das fast noch problematischer als eine Prophezeiung, die nicht eintritt. Dann beginnt man womöglich, an den Unsinn zu glauben."