Oschatz (dpa) l Wenn im Garten nichts treibt und die Obstbäume ihre Blätter verloren haben, ist die richtige Zeit für ihren Rückschnitt. Von Januar bis April ist das gut möglich, erläutert Wolfgang Müller, Vorsitzender des Landesverbands Sachsen im Bund deutscher Baumschulen. Hobbygärtner sehen dann besser, wo sie einen Ast herausnehmen müssen oder am besten mehrere Äste stutzen. Was zu beachten ist:

1. Witterung:
Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen rät, den Schnitt nicht bei Temperaturen von weniger als minus fünf Grad zu erledigen. Müller empfiehlt als Untergrenze sogar plus fünf Grad. Sonst könnten die Bäume Schaden nehmen. Auch Regen und Schneefall seien ungünstig.

2. Nicht schnippeln: Wer die Schere ansetzt, sollte nicht hier und da ein bisschen was wegnehmen, sondern stets ganze Astpartien. Mehr Schnittstellen bedeuten auch mehr Wunden. Die Äste müssten so geschnitten werden, dass keine langen Stümpfe zurückbleiben, erklärt die Landwirtschaftskammer. Am besten werden sie direkt über der verdickten Stelle am Ansatz gekappt, dem Astring.

3. Handarbeit:
Kleinere Äste mit einem Durchmesser von bis zu fünf Zentimetern werden nicht mit der Motorsäge abgeschnitten, erklärt Eiko Leitsch, Vizepräsident des Bundesverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL). Eine Astschere verletze das Gewebe deutlich weniger. Dickere Äste schafft das Handgerät nicht mehr - aber müsse der Hobbygärtner hier ran, habe er sowieso etwas falsch gemacht.

4. Krone formen: Aller Anfang ist schwer - auch beim Baumschnitt. Zu Beginn steht das Formen der Krone. "Am häufigsten wird die Pyramidalkronenform gewählt", berichtet Müller. "Diese Wuchsform kommt auch der natürlichen Entwicklung des Baumes am nächsten und ist für den Hobbygärtner am einfachsten zu praktizieren." Die Krone sei rund und habe drei bis vier Leit- äste sowie eine Stammverlängerung. Der junge Baum wird am besten ab dem Setzen Jahr für Jahr schon so geformt. Beim ersten Mal werden laut Müller nur drei bis vier Leit- äste am Baum gelassen, der Kronentrieb wird um etwa ein Drittel und die Seitentriebe um die Hälfte gekürzt. In den Folgejahren wird so die Baumkrone aufgebaut und bei Bedarf nachgeschnitten.

5. Auslichten: Hobbygärtner sollten die Krone nicht nur in Form halten, sondern auch so bearbeiten, dass diese locker genug wächst, damit die Früchte Sonne abbekommen. Alles, was nach innen und zu steil wächst, müsse entfernt werden, erläutert Müller. Liegen Äste übereinander oder behindern sich, werden sie abgeschnitten.

6. Auf das Verhältnis achten: Wichtig beim Ausschneiden der Baumkrone ist, dass dem Baum die Möglichkeit zu einem guten Verhältnis von vegetativem und regenerativem Wachstum bleibt, erläutert Müller. Er muss noch seine Früchte bilden können. Die meisten Obstbäume tragen diese an den Ästen, die zwei bis drei Jahre alt sind. Also muss der Hobbygärtner jungen Trieben ganz außen am Ast stets die Möglichkeit lassen, so lange zu wachsen, und hier nicht die Schere ansetzen.

7. Heilmittel im Winter: Geschnitten wird möglichst gerade, dann heilt die Wunde gut. Experten sind der Ansicht, dass selbst größere Wunden heute nicht mehr mit einem Wundverschlussmittel behandelt werden müssen. Darauf weist die Landwirtschaftskammer NRW hin. Anders sieht das Leitsch: Wird ein Baum im Winter während seiner Ruhephase geschnitten, sei ein Verschlussmittel sinnvoll, um es vor herumfliegenden Sporen und Erregern zu schützen.

8. Schnitt verpasst - was nun?: Bei der Pflege von Pflanzen gibt es oft verschiedene Herangehensweisen. So auch hier: Leitsch findet, der Schnitt werde sogar besser erst während der Wachstumsperiode gemacht. Denn in der Vegetationsphase könne der Baum Wunden besser schließen. Spielt also die Witterung aktuell nicht mit oder der Hobbygärtner findet keine Zeit: Keine Panik, der nächste Sommer kommt bestimmt.

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