Magdeburg l Ob Brust-, Leber- oder ein anderer solider Krebs: Operiert wird heute meist so, dass ein Teil des gesunden Organs noch erhalten wird. Der Prostatakrebs war bislang eine Ausnahme. Um möglichst alle Tumorzellen zu erfassen, haben Urologen die ganze Prostata mit ihrer Kapsel entfernt. Mögliche Nebenwirkungen sind allerdings Probleme beim Zurückhalten des Urins und Einschränkungen bei der Sexualität. Die langfristigen Nebenwirkungen durch Bestrahlung sind auch kaum besser.

Inzwischen gibt es neue Verfahren, mit denen nur der von Krebszellen betroffene Teil der Drüse behandelt werden kann. Allerdings ist die "Fokale Therapie" nicht für jeden Patienten geeignet.

Wie andere Tumoren durchläuft auch das Prostatakarzinom verschiedene Stadien der Entwicklung. Die gute Nachricht: Im Unterschied zu Lungen-, Pankreas- oder anderen Tumoren wird der Prostatakrebs meist in einem frühen Stadium entdeckt, indem er noch auf die Vorsteherdrüse beschränkt ist.

Dabei hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt: "Je älter ein Mann ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass er einen Prostatakrebs hat", sagt Tagungsleiter Prof. Dr. Martin Schostak, Direktor der Magdeburger Universitätsklinik für Urologie und Kinderurologie.

Meist entwickeln sich diese Krebszellen glücklicherweise so langsam, dass sie über viele Jahre nicht in die Umgebung streuen und Metastasen bilden. "Diese Männer sterben im Lauf ihres späteren Lebens eher an anderen Krankheiten, nicht aber am Prostatakarzinom", so Schostak.

Es kann aber sehr wohl aggressive Tumore auch bei Jüngeren geben, die schnell und radikal behandelt werden müssen. Gute Urologen beraten deshalb nicht nur über die radikale Prostatektomie, sondern am besten in einer interdisziplinären Sprechstunde zusammen mit Strahlentherapeuten auch über die Alternativen wie die aktive Krebsüberwachung. Dabei wird der Tumor in regelmäßigen Abständen mittels PSA-Messungen, Magnetresonanztomographie und mit Biopsien (Gewebeentnahme) kontrolliert.

"Das kontrollierte Abwarten ist eine Option für Patienten mit einem Niedrigrisiko-Prostatakrebs", so Schostak. Je älter die Patienten sind, desto größere Zugeständnisse können Urologen an das Kontrollregime machen. Doch längst nicht jeder Patient, der sich gründlich mit den bisherigen Alternativen (Radikal-OP, Strahlentherapie oder Abwarten und Kontrollieren) beschäftigt hat, ist mit den Wahlmöglichkeiten auch zufrieden.

Dank der rasanten Fortschritte der Medizintechnik in den vergangenen zehn Jahren gibt es inzwischen Möglichkeiten, einen Prostatakrebs, der noch nicht die gesamte Drüse befallen hat, zielgenau zu behandeln (Fokale Therapie). Dabei werden Krebsherde in der Prostata gezielt ausgeschaltet. Im Einsatz sind verschiedene Techniken wie beispielsweise der hochintensive fokussierte Ultraschall (HIFU), die Elektroporation (IRE), die Radiofrequenz-Ablation (RFA) sowie die Laser- und die Kryo-Ablation.

Fokussierter Ultraschall am meisten angewandt

Die Techniken unterscheiden sich in den Methoden, mit denen die Krebsherde zerstört werden. Bei der "Elektroporation" sind es elektrische Ströme, bei der "Radiofrequenz- und der Laser-Ablation" elektromagnetische Wellen und bei der "Kryo-Ablation" lokal erzeugte Kälte, die zum Absterben der Krebszellen führen.

"Die weltweit meisten Erfahrungen liegen mit dem hochintensiven fokussierten Ultraschall vor", so Prof. Schostak. Der Magdeburger Arzt leitet im Rahmen der Urologen-Fachgesellschaft in Deutschland den Arbeitskreis Fokale Therapie.

Eine unter Bildkontrolle rektal eingeführte Sonde bündelt Ultraschallwellen auf wenige Millimeter große Brennpunkte in der Prostata. Die dabei lokal erzeugte Hitze von bis zu 80 Grad Celsius zerstört die Krebsherde. Zugleich werden Harnröhre, Nervenbahnen und gesundes Prostata-Gewebe geschont.

In den vergangenen zehn Jahren konnte die Genauigkeit der Behandlung dank der Kombination von Bildern der Magnetresonanz-Tomographie (MRT) und der intraoperativen Sonografie deutlich verbessert werden. Die Magdeburger Uniklinik verfügt über eines der sieben deutschlandweit leistungsfähigsten Geräte zur lokalen Therapie mit hochintensivem Ultraschall.

Die von den Krankenkassen bezahlte "Fokale Therapie" erfolgt in Voll- oder Regionalnarkose und dauert zwischen einer und etwa zwei Stunden. Der Patient wird für etwa drei Tage stationär in die Klinik aufgenommen. Um die Behandlungsqualität zu überwachen und zu kontrollieren, nehmen die Patienten an Studien oder sogenannten Anwendungsbeobachtungen mit regelmäßigen Nachkontrollen der PSA-Werte sowie Gewebeuntersuchungen mittels MRT und Biopsie teil.

Geeignet ist die "Fokale Therapie" prinzipiell für Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakrebs, der eine geringe oder mittlere Aggressivität besitzt und nur auf einen Teilbereich der Prostata begrenzt ist. Die Therapie ist für Männer, bei denen nach einer Strahlentherapie erneut ein kleiner Tumor aufgetreten ist (Rezidiv), auch geeignet.

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